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Alle Artikel dieser SerieZeiglers wunderbare Welt des Fußballs (75) Traditionspflege - oder:
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Vor der Einführung der Trikotwerbung: Alles war gut. |
Unmittelbar während der Einführung der Trikotwerbung: Die Kommerzkrake greift zu! |
Nach der Einführung der Trikotwerbung: Vom Werbeschriftzug abgesehen war bei Werder 1991 aber alles wie gewohnt. |
Es gilt als ungeschriebenes Gesetz, dass man in der Mitte seiner Teenagerjahre
extrem fürs weitere Leben geprägt wird. Was man also mit 14 oder 15
kennen gelernt hat, soll am besten für immer so bleiben ... Mal abgesehen
davon, dass die Akne eventuell auch gerne wieder verschwinden darf.
Die Musik, die man mit 15 geliebt hat, wird noch Jahrzehnte später
im Seniorenheim für verklärtes Seufzen sorgen. Die Lieblingsserie
aus der Jugendzeit wird auf ewig als „irgendwie kultig“ empfunden
werden, und ein bizarres aktuelles Phänomen meiner eigenen Generation
ist es, dass viele erwachsene Männer am PC eine Gänsehaut bekommen,
wenn sie ein grobpixeliges, knarzendes, wackeliges Computerspiel ihrer
Jugend im Internet wiederentdecken. Ein Mittdreißiger, der sentimental
schluchzend Stunden vor einem Monitor verbringt, auf dem gemütlich
tuckernd viereckige Raumschiffe die Welt vernichten, ist kein schöner
Anblick.
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Töftes Computer- spiel. |
Was das mit Fußball zu tun hat? Nun: Die Wahrnehmung der eigenen Vereinstradition
funktioniert ungefähr genauso. Wir lernen unseren Verein mit 10, 12
oder 15 Jahren zum ersten Mal so richtig kennen (wenn nicht gar lieben)
und möchten dann, dass er möglichst für immer so bleibt. Ausgenommen,
der Verein ist durch großes Pech Fortuna Düsseldorf. Konsequenz: Jeder
Umbau des Stadions macht wehmütig, jeder Abschied eines Urgesteins
aus der Mannschaft sorgt für Melancholie, jeder neue Vereinssong ist
immer automatisch schlechter als der Alte.
Schwierig wird es freilich, wenn es um komplexere Dinge geht: Der
Verkauf des Stadionnamens z.B. wird allerorten als absolutes Schreckgespenst
gesehen. Nur: Weshalb ist man gegen Kommerz beim Stadionnamen, während
man sich über die Trikotwerbung keine Gedanken mehr macht? Richtig:
Weil wir mit Trikotwerbung aufgewachsen sind. Und nun wohl achselzuckend
finden, man könne daran eh nichts mehr ändern. Wir sollten uns was
schämen, dürfen uns ältere Geschwister ob dieser schlaffen Einstellung
nun getrost zurufen, sofern sie schon einmal auf einem Ostermarsch
waren.
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Udo Lattek 1970. Werbefrei. Nur die Hose hätte vielleicht nicht sein müssen. |
Udo Lattek 1992. Nicht ganz werbefrei, aber dennoch voller Würde und Seriösität. |
Das Ganze lässt sich weiterspinnen: Die einen Fans halten einen Clubsong
von 1981 für den wahren Song und alles andere für Dreckskommerz. Die
anderen Fans allerdings sind etwas älter und halten deshalb den Song
von 1981 auch für Dreckskommerz, weil sie noch irgendwo die Vereinssingle
von 1967 herumliegen haben. Jüngere Fans wiederum lieben möglicherweise
den neuesten Clubsong und finden den mächtig cool. Aus vergleichbaren
Motiven ist für manche Menschen Sean Connery der einzig akzeptable
Bond, ich kann auch mit Roger Moore gut leben, Abiturienten von heute
werden Pierce Brosnan sicher weitaus cooler finden.
Für die Vereine ergibt sich daraus die nahezu unlösbare Aufgabe, größere
Teile der Fankultur gleich gut bedienen zu können. Und ab hier wird
es richtig schwierig, weil ein neuer Song ebenso immer nur den einen
gefallen wird und nicht den anderen, wie ein neues Trikot, eine neue
Tribüne oder ein neuer Stadionname, den die einen ablehnen wie der
Teufel das Sparwasser und die anderen als notwendiges Übel anerkennen,
um dem eigenen Lieblingsverein besser beim Konkurrenzfähigbleiben
zusehen zu können. Sagt man so.
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Sean Connery. |
Roger Moore. |
Für die Fans ergibt sich daraus die Notwendigkeit, bei der Bekämpfung
unangenehmer Tendenzen möglichst viel Augenmaß walten zu lassen: Ein
neuer Vereinssong, ein neues Trikot, ein „Taxodingsbums“-Anstecker
am Revers des Trainers im Sportstudio oder ein neuer Stadionname bedeuten
selten das Ende des Vereins und sogar noch seltener den Untergang
des Abendlandes. Derartige Phänomene sind manchmal unangenehm oder
sogar schmerzhaft, aber sie mahnen viel eher zu wissender Gelassenheit
als zu dogmatischem „Anti-Kommerz!“-Protestgeheul. Profifußball funktioniert
ohne Kommerz längst nicht mehr, leider. Auf das Maß kommt es an.
Fußball funktioniert dagegen ganz prima ohne Sonntagsspielansetzungen,
penetrante Gewinnspiele im Fernsehen oder die Umbenennung des Vereinsnamens
in „Nutella“.
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