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Alle Artikel dieser SerieZeiglers wunderbare Welt des Fußballs (79) Der große Test: war Fußball früher wirklich schöner?
Früher war alles besser. Sagen immer alle. Besonders im Zusammenhang mit Fußball. Ich glaube ja auch, dass da was dran ist, was aber nicht am gebotenen Fußball liegt, sondern mehr an seinen Begleiterscheinungen. Der Fußball selbst war vor allem langsamer und sah bis in die sechziger Jahre hinein selbst in WM-Endspielen so gemächlich aus, als könnte man da mit ein bisschen Übung auch selbst noch ganz gut mithalten. Es sind zwar mehr Tore gefallen, aber nicht, weil die Stürmer besser waren, sondern weil die Verteidiger damals entweder schnell waren oder technisch gut oder kräftig oder schlau, aber nie alles gleichzeitig. 1954 endete ein WM-Spiel zwischen der Schweiz und Österreich 5:7, weil der Schweizer Torwart Eugene Parlier im falschesten Moment einen Sonnenstich bekam und nicht ausgewechselt werden durfte. So etwas gibt es heute nicht mehr. Ein bisschen schade ist das schon. Andererseits: Olli Kahn spielt seit vielen Jahren ja auch mit Sonnenstich durch und wird nicht ausgewechselt. Vergleichen wir einfach mal Spiel, Begleiterscheinungen und Persönlichkeiten, um zu entscheiden, ob der Fußball wirklich besser war, damals. Zunächst mal:
Durchtrainierte Spielerkörper Früher wurde anders trainiert als heute. Vor 50 Jahren bestand das Training weitestgehend aus Kniebeugen und Rumpfbeugen, während heute mit Hilfe von Gummispielzeug auch Muskelgruppen trainiert werden, die erst von Jürgen Klinsmann entdeckt wurden. Daraus resultierend hatten die Stars früher natürlich auch andere Proportionen als diese heute.
Sanitäre Anlagen Einige der größten Momente im Leben von Profikickern spielen sich nicht auf dem grünen Rasen ab, sondern im sogenannten „Entmüdungsbecken“, in das die Spieler nach einem Spiel –wie der Name schon sagt- müde hineinplumpsen, um es anschließend unmüde wieder zu verlassen. Und weil „nach dem Spiel“ bekanntlich „vor dem Spiel ist“, ist es ja auch nachvollziehbar, dass schwerbeschäftigte Spieler direkt nach dem Abpfiff eines Spiels direkt mit der Regeneration beginnen sollten. Vor vier Jahrzehnten war dieses Bewusstsein noch nicht ganz so ausgeprägt.
Flitzer Wenn im Stadion ein offenbar verwirrter Mensch in unzureichender Kleidung über das Spielfeld sprintet und die Zuschauer belustigt zusehen, muss es sich nicht unbedingt um einen Spieler des 1.FC Köln handeln. In der Regel redet man von „Flitzern“. Das Phänomen spielfeldstürmender Sonderlinge stammt aus England und erlebte in der Bundesliga Blütezeiten und Latenzphasen. Ziel eines Flitzers ist es normalerweise, sich entweder von übermotivierten Polizisten windelweich prügeln zu lassen oder Oliver Kahn zu umarmen.
Schicke Spielkleidung Es ist ja nun nicht so, dass Spielkleidung früher nicht auch schick war. Definitiv wurde sie damals aber mit viel mehr Liebe hergestellt als heuzutage.
Fan-Transparente Wenn man sich Bilder von Fanblocks in antiquarischer Fußball-Literatur anschaut kommt man zu dem Schluss, dass Fan-Transparente ihren Siegeszug in den sechziger Jahren antraten und international bei der Fußball-WM 1966 in England zum ersten mal so richtig angesagt waren. Fans hießen damals noch „Schlachtenbummler“, und auf ihren Bannern stand harmloses Zeug wie etwa „Radevormwald grüßt unsere Jungens“ oder „Uwe vor, noch ein Tor!“. Leider hat sich durch die Jahrzehnte hindurch kaum merklich eine gewisse Aggressivität eingeschlichen, wie unsere Bilder dokumentieren.
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