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Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs (80)
Was macht eigentlich das Nasenpflaster?
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Wenn die Nase anatomisch schon über ausreichend
große Löcher verfügte, konnten die Spieler das Pflaster natürlich kreativ anderswo platzieren. Hier verbessert Ugo Ehiogu (Middlesbrough) die Stirnatmung.
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Es war kurz überall, und dann schnell wieder weg: Bei der EM 1996 in England waren urplötzlich zahlreiche Fußballstars der kurzen, aber heftigen Ansicht, durch ein quer über der Nase angebrachtes Pflaster besser kicken zu können. Das Pflaster war mit einem Kunststoffstreifen verstärkt und sollte, quer über den Nasenflügeln angebracht, die Nasenatmung verbessern. Anfang der neunziger Jahre wurde es entwickelt und sollte nebenbei dann auch noch gegen Schnarchen und Allergien helfen. Auf dem Fußballplatz sollte es vor allem eine bessere Sauerstoffzufuhr verursachen und damit dafür sorgen, dass die nasenbepflasterten Kicker viel mehr, viel länger und viel öfter wie ein Bulle den Platz auf- und abrennen können sollten.
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Godfather of the Nasenpflaster: Pierluighi Casiraghi, zum Zeitpunkt dieser Aufnahme schon erfolglos.
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Nun bin ich nicht sonderlich religiös eingestellt, denke aber: Hätte der liebe Gott eine verbesserte Nasenatmung beabsichtigt, dann hätte er uns entweder mit a) einem dritten Nasenloch (z.B. im Dreieck angeordnet), oder b) mit Nasenlöchern in der Größe von Tischtennisbällen oder c) gleich praktischerweise ganz ohne Nase, dafür aber mit einer riesigen trichterförmigen Luftöffnung zwischen Augen und Mund geschaffen.
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Pierluighi Casiraghi noch ohne Nasenpflaster (1994): Er atmet durch den Mund und ist noch
torgefährlich.
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Hat er aber nicht. Wir haben in Regel genau ZWEI Nasenlöcher in relativ genormter Größe. Irgendeinen Grund wird das schon haben. Bis zu dieser Erkenntnis dauerte es aber noch vier Jahre. Bei manchen auch länger. Der hartnäckigste Verfechter des Nasenpflasters war zunächst der italienische Stürmer Pierluigi Casiraghi. Der spielte damals bei Lazio Rom, später auch noch bei Chelsea. Bis 1996 spielte er ohne Nasenpflaster, danach mit. Von den insgesamt 90 Punktspieltoren seiner Karriere schoss er ohne Nasenpflaster 78 Tore in den Jahren vor 1996. Danach noch 12. Mit Nasenpflaster. Seine Stürmerkarriere war also weitgehend beendet, als das Pflaster in sein Leben trat. Aber wenigstens hat er auf dem Rasen nicht geschnarcht.
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Der einzige Bundesligaprofi, der das Nasenpflaster über viele Jahre trug: Emile Mpenza. Vermutlich ging es einfach nicht mehr ab.
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Das Nasenpflaster entschlief friedlich ca. im Jahr 2000, in Einzelfällen später. Und das, obwohl die Hersteller der Nasenpflaster in ihrer Werbung verzweifelt trompeteten, alleine schon die Verwendung des Pflasters sei so etwas wie “Tuning für die Nase”, und die Pflasterträger könnten angeblich “länger im aeroben Bereich” bleiben, was immer das nun auch wieder heißen soll. Ich vermute mal, der gewünschte Effekt blieb genau deswegen aus: Keiner der Nasenpflaster verwendenden Stars hat jemals herausbekommen, wo zum Henker der “aerobe Bereich” ist und wie man da genau hinkommt.
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Typisch Günter Netzer: Trug das Nasenpflaster nicht auf dem Rasen, sondern privat zum Anzug, weil es irgendwie “cool” war.
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Neben dem bedauernswerten Casiraghi fielen in der Bundesliga vor allem Emile Mpenza, Martin Max und Olaf Marschall durch Nasenpflaster auf, weil sie diese Dinger viel länger trugen als der Rest der Liga. Einziger Effekt dieser Maßnahme ist, dass sie auf alten Fotos albern aussehen und später ihren Kindern mal erklären müssen, weshalb sie da dieses komische Pflaster auf der Nase hatten: “Aber das sah doch voll Panne aus,
Papa?” – “Stimmt, Sohn, aber der aerobe Bereich war damit wirklich eine Wucht!”
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In der Blütezeit des Nasenpflasters wurde es exzessiv und völlig übertrieben eingesetzt. Hier bei Stefan Studer, Hansa Rostock (Oktober 1996).
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Erschütternd einfach übrigens die medizinische Erklärung für das unspektakuläre Verschwinden des Nasenpflasters aus der Sportwelt: Irgendwann fanden Sportmediziner heraus, dass Sportler bei großer Anstrengung schlicht und einfach durch den Mund atmen.
von Arnd Zeigler