|
|
![]() Alle Artikel dieser SerieZeiglers wunderbare Welt des Fußballs (102) Kompakt aufgestellt gegen den zweiten Ball gearbeitet - Update wichtiger Fußballvokabeln (Stand Frühling 2007)
Thomas Doll. Wenn es nach den Fußballfachleuten des Landes ginge, dann müsste ich zu Beginn dieser Kolumne vor allem eines sicherstellen: Dass mein Text gut aufgestellt ist. Schon aufgefallen? Neuerdings muss immer alles gut aufgestellt sein. Wenn ein phrasenbegabter Fußballtrainer, nennen wir ihn mal spaßeshalber „Thomas Do.“, vor einem Spiel nach seiner Marschroute gefragt wird, dann kommt reflexartig die Ansage: „Wir werden am Samstag gut aufgestellt in die Partie gehen.“ Was der Phraseur aus Dortmund (Mist, verplappert...!) nicht verrät ist, ob das nur für manche Spiele gilt oder weshalb erst ab einem bestimmten Spiel damit begonnen wird. Positiv ist aber, dass besagter Trainer das Gutaufgestelltsein mittlerweile extrem verinnerlicht hat. Das äußert sich darin, dass er hin und wieder Dinge sagt wie „Ich bin gut aufgestellt.“ Kommen wir nun zur Taktik. Eine gut aufgestellte Mannschaft muss neuerdings drei Dinge tun, von denen alle Fußball-Koryphäen dieser Welt vor zehn Jahren noch keine Ahnung hatten. Ding 1 ist: „Kompakt stehen“ . Ein Schlagwort, das seit wenigen Jahren für alles Übel dieser Fußballwelt herhalten muss. Wann immer sich eine Heimelf gegen einen gnadenlos mauernde Gästeelf aus, sagen wir mal: Cottbus (keine Ahnung wieso ich gerade auf DIE komme...) einen abbricht, hat der Gegner hinterher einfach zu kompakt gestanden. Auch „Thomas Do.“ versucht beim Gutaufstellen seiner Mannschaft dafür zu sorgen, dass vor allem die Hintermannschaft kompakt steht.
Zweiter Ball (rechts). Früher hieß das anders. Bis ca. 1995 sagte man anstelle von kompakt stehen dies: „Du schnappst Dir den Zehner von denen und folgst ihm notfalls bis aufs Klo!“ Und auch heute meint kompakt stehen eigentlich nichts anderes als den dringenden Wunsch des Trainers, dass doch bitte kein Spieler der Viererkette während des Spiels ins Kino gehen möge. Nicht einmal kurz aufs Klo - denn da geht ja schon der gegnerische Zehner hin. Zweite wichtige Neuerung im modernen Weltfußball ist „der zweite Ball“ . Wer immer sich den Anstrich geben will, taktisch hochgradig ausgebufft rüberzukommen, der lässt in Fachgesprächen mit Kollegen, Freunden oder Udo Lattek möglichst häufig beiläufig fallen, dass es eminent wichtig sei, den zweiten Ball zu erobern. Ich habe dieses Phänomen inhaltlich einmal ganz kurz verstanden (Anfang April 2007) und versucht, es meinem Sohn (Werder Bremen, 2. G-Jugend) näher zu bringen. Seine Reaktion: „Ich hole mir lieber schon den ersten Ball, Papa!“. Irgendwie hat er Recht.
Neunmalkluger G-Jugendkicker. Im Netz: der zweite, dritte, vierte, fünfte, sechste, siebte und achte Ball. Deshalb können wir den zweiten Ball nun wohl für immer vernachlässigen und kommen zum letzten Schrei der neumodischen Fachausdrücke. Wenn man nämlich gut aufgestellt kompakt den zweiten Ball unter Dach und Fach gebracht hat ... da fällt mir auf: Man bringt eine Sache übrigens nie nur „unter Dach“, und auch nie nur „unter Fach“, sondern immer nur simultan unter beides. Komisch, oder? Das ist wie mit Daryl Hall und John Oates in den Siebzigern. Die beiden US-Sänger waren nur gemeinsam gut aufgestellt. Wahrscheinlich, weil sie sich alleine nicht kompakt genug gefühlt haben. Aber ich komme vom Thema ab. Also: was jetzt noch fehlt im Reigen der wichtigen, brandneuen Schlaumeier-Fachbegriffe ist das sogenannte „gegen den Ball arbeiten“ .
Diese Viererkette ist zweifellos gut aufgestellt, arbeitet aber ganz schlecht gegen den Ball. Das bedeutet in etwas verständlicheren Worten, dass man auf dem Spielfeld nicht nach Gänseblümchen suchen oder Autoquartett spielen, sondern sich auf den Ball konzentrieren sollte. Und wenn der mal zufällig gerade in der Nähe ist, sollte man als Fußballspieler möglichst umgehend in Erwägung ziehen, etwas zweckmäßiges mit dem Ball anzustellen: wegpöhlen, fummeln, sich draufsetzen – alles kann zu seiner Zeit richtig sein und ist somit ein wichtiger Bestandteil des Gegen-den-Ball-Arbeitens. Ungern gesehen wird es hingegen, sich völlig auf das kompakte Stehen zu konzentrieren und den Ball Ball sein zu lassen. Etwas Gutes hat das „gegen den Ball arbeiten“: Es ist das, was ich Zeit meines Lebens mit der Kugel getan habe. Hat mir im Endeffekt nicht so furchtbar viel genützt, weil es mir andersrum an der engen Zusammenarbeit mit dem Ball gefehlt hat. Noch heute reden wir manchmal wochenlang kein Wort miteinander, ich und mein Ball. ![]() |
CommunitySport![]() Was gehört eigentlich zu den einzelnen Sportarten? Wie hoch ist jeweils der Funfaktor? Was könnt ihr in Bremen sportlich machen und wo? Hier gibt es Antworten.
Fußball & Werder![]() Ihr wollt wissen, wie Werder Bremen spielt, könnt aber die Bundesliga-Begegnungen nicht im TV sehen? Wir bloggen die Spiele für Euch! Das Beste: Ihr könnt währenddessen Euren Dampf ablassen und kräftig kommentieren!
Wellness Specials![]() Der Alltag kann einen echt stressen. Körper, Geist und Seele hängen dann schon mal durch. Hier findet ihr Power-Vorschläge und Infos, wer euch beim Akku aufladen in Bremen hilft.
Tanzschulen Tanzstile
|
|||||||






