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Alle Artikel dieser SerieZeiglers wunderbare Welt des Fußballs (104) Unvergessliche Bilder von der Stange,oder: Wie man fußballerische Sternstunden zuverlässig entzaubertWenn der letzte Ball gespielt, der letzte Jubel verklungen und das letzte Trikot getauscht ist, dann ist es vorbei. Dann schließt man, rick-rack, die Fußballsaison ab und freut sich, ist enttäuscht, böse, hoffnungsfroh oder leckt Wunden, was die Fan-Zunge hergibt. Und irgendwann, wenn ein bisschen neuer Schweiß die Spielerstirn hinabgelaufen ist, dann blickt man vielleicht mal verklärt auf eine Saison zurück, die unbeschreiblich schön, gnadenlos langweilig oder unfassbar grausam war, was vor allem dann zutrifft, wenn man Fan des 1.FC Köln ist.
Bayern München Meister 1973: Aufs Bild durfte nur, wer auch gespielt hatte. Und Franz Beckenbauer (links oben) verabschiedet sich mitten in der Aufnahme, um zu seinem Hubschrauber zu gelangen. Zum Zurückblicken braucht man die Bilder der Saison. Das sind nach Ansicht der Medien neben bunt angemalten Fans, im Netz zappelnden Bällen und enttäuschten Spielern mit vor Gram zerfurchten Gesichtszügen (in der Regel sind dies Kölner) meistens auch jubelnde Profis in meistens roten Trikots mit der frisch verliehenen Meisterschale, die sie schon so oft verliehen bekamen, dass man schon beinahe von "verschenkt" reden kann. "Mannschaft mit Trophäe hüpft auf Podest auf und ab, dahinter ist Konfettiregen zu sehen und davor stehen steif Funktionäre und lächeln ein festgetackertes Lächeln" ist ein Standardmotiv in den Fußballstadien des Landes, immer so gegen Ende Mai. Das Problem ist nämlich: Irgendwann ist man bei der DFL mal auf die dufte Idee gekommen, dieses Szenario immer völlig deckungsgleich aussehen zu lassen. Also nicht mehr wie früher, als sich eine triumphierende Mannschaft oft durch ein brodelndes Stadion den Weg zur Ehrung bahnen musste und am Ende des Weges mit etwas Glück bei Queen Elisabeth ankam, mit Pech bei Helmut Kohl, und schließlich eine silbern funkelnde Schale oder Schüssel überreicht bekam, die der von Helmut Kohl ganz zerdrückte Spielführer dann erschöpft in den Himmel heben durfte.
Bayern München Meister 2003: Rot-weißer Konfettiregen, Funktionäre, hübsche Hostessen und zwei Kinder als Deko. Vor sechs Jahren nahm die DFL die lästigen Meisterehrungen in der Hand, die in der Vergangenheit offenbar entschieden zu stimmungsvoll abliefen. Und so wurde vom DFL-Podestentwerfer ein DFL-Podest entworfen, vom DFL-Tischler nach DFL-Richtlinien gebaut, vom DFL-Grafiker keck ein DFL-Logo draufgemalt und vom DFL-Jahreszahlenbeauftragten schließlich die jeweils optimal passende Jahreszahl draufgeklebt. Also zum Beispiel „2002“.
Bayern München Meister 2005: Rot-weißer Konfettiregen, Funktionäre, hübsche Hostessen und zwei Kinder als Deko. Seitdem hat alles seine DFL-Ordnung. Soll heißen: Jede Meisterehrung besteht aus diesem Podest, aus ein paar hübschen Hostessen, dekorativen Spieler-Kindern und als Highlight einer vollen Ladung Konfetti in den Vereinsfarben des jeweiligen Meisters, also praktisch immer rot-weiß. 2002: Podest, Hostessen, Konfetti. 2003: Podest, Hostessen, Konfetti. 2004: Pofetti, Hosdest, Kontessen. Entschuldigung, man kommt irgendwann wirklich durcheinander. Es ist so entsetzlich durchformatiert, was früher mal immer ein Stückchen improvisiert und daher unverwechselbar war. Eine Ehrung in München sieht genauso aus wie eine Ehrung in Wolfsburg, Dortmund, Mainz oder dem sächsischen Ort Freiberg, den ich in dieser Kolumne unbedingt mal grüßen soll. Und bis auf unterschiedliche Nuancen in der Farbgebung der Spielkleidung sieht der Meister 2002 auf diesem Podest genauso aus wie der von 2003, 2005 oder 2007.
Bayern München Meister 2006: Rot-weißer Konfettiregen. Die Funktionäre sind schon gegangen, um rechtzeitig bei Franz Beckenbauer im Hubschrauber zu sitzen. Über den Aufenthaltsort der hübschen Hostessen darf ich nichts sagen. Dafür aber wieder Kinder als Deko. Die DFL hat das sicher gut gemeint, anfangs. Sie beraubt uns aber jener Bilder, die wir als Fans nach einem Jubeljahr in unseren Herzen tragen wollen. Spontaneität und Unverwechselbares wird ersetzt durch eine Konfettikanone. Und Meisterfeiern sind seither so, als würde man immer dieselbe Hochzeit feiern oder an seinem Geburtstag bis ins hohe Alter Kindergeburtstage veranstalten. Mit etwas Glück realisiert der DFL-Podestbeauftragte ja irgendwann, dass dieses ewige Topfschlagen einfach nur noch nervt. |
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