szmtag
 
 

<< zurück


Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs (105)

Franz Beckenbauer, Du alter Werbefuchs!!!


Was macht eigentlich Franz Beckenbauer, jetzt wo die WM vorbei ist? Aus einem Gefühl der Leere heraus morgens mit dem Hubschrauber zum Bäcker fliegen? Aus Langeweile das nächste Kind machen? Sich aus einer Laune heraus in irgendein Gremium wählen lassen, das sich wichtig anhört? Aus Freude am Grantel ein wenig granteln?


Ich weiß es nicht. Vermutlich macht er Werbung. Das ist neben seiner manchmal erschreckenden Omnipräsenz und den unübersichtlich zahlreichen blonden Kindesmüttern seiner großen Anzahl von Kindern der einzige Fixpunkt seines Lebens. Im Zeitalter des Farbfernsehens warb Franz für eine Automarke, die er im Spot gespielt doof „Mitsubashi... äh?“ nannte. Oder vorher mit den Nationalelf-Helden für eine Allerweltsnamen-Milch in einem Spot, in dem er sagen musste „Litti – geh in die Spitze und mach’ ein Tor!“.

Weithin vergessen ist, dass der Kaiser nicht erst wirbt, seit man sich dafür Hubschrauber oder teure Scheidungen finanzieren kann. Im Gegenteil: Franz Beckenbauer hat’s erfunden, das Werben in Tateinheit mit einem Fußball-Bekanntheitsgrad. Die kleinen Beispiele auf dieser Seite sollen verdeutlichen, dass es nicht immer schon Weltmarken wie Mitsubashi oder Meyer-Milch waren, für die der Auf diesem Bild sieht man einen Zeitungsausschnitt auf dem Franz Beckenbauer in der scharfen Castrol/Pilotenjacke zu sehen ist. Foto: Zeigler Kaiser seinen Namen hergab. Und es waren auch nicht immer nur Nobelprodukte, die der Lichtgestalt einen Werbevertrag schmackhaft machten.

Da ist zum Beispiel die „Castrol/Pilotenjacke“, an der das Interessanteste zweifellos die Frage sein dürfte, warum sie sich mit einem „/“ statt mit einem „-" schrieb. Immerhin hatte sie, wie in der Anzeige angepriesen wird, „aufgesetzte Patten“. Und auch für Beckenbauers Patte war die Anzeige nicht von Nachteil.


Auf diesem Bild sieht man einen Zeitungsausschnitt auf dem Franz Beckenbauer für einen Casio-Taschenrechner wirbt. Foto: Zeigler

Dasselbe galt auch für den „CASIO BIOLATOR“, mit dem man laut Anzeige sogar das eigene Geburtsdatum herausfinden kann. Scheint mir ein ausgebufftes Maschinchen gewesen zu sein. Und sogar sein „Gefühlsleben“ konnte man damit errechnen. Wahrscheinlich lassen sich sogar Exfrauen exakt addieren. Komisch, dass man 30 Jahre später ganz ohne Biolator ein normales Leben führen kann. Aber es geht!



Auf diesem Bild sieht mn einen Zeitungsausschnitt auf dem Franz Beckenbauer für einen tragbaren FARBfernseher wirbt - mit Fernbedienung wohlgemerkt. Foto: Zeigler

Beim tragbaren Farbfernseher „Spectra COLOR“ von Nordmende (ohne Schrägstrich, aber dafür mit einem aus Jux komplett groß geschriebenen „COLOR“) war es vor allem die Fernbedienung, die es dem Kaiser laut Werbung angetan hatte. Kein Wunder, denn die war ja seinerzeit so extravagant wie heute ein Hubschrauber.






Auf diesem Bild sieht man das Vize-Weltmeister-Kissen für das Franz Beckenbauer wirbt. Foto: Zeigler

Noch spektakulärer allerdings die Artikel, für die Franz Beckenbauer noch ein Jahrzehnt früher trommelte. Das „Vizeweltmeisterkissen in schönen bunten Farben“ konnte man 1966 bestellen, indem man eine Postkarte „direkt an mich“ schrieb. Man musste allerdings deutlich schreiben, worum es geht, damit man nicht den „Ölofeneinsatz Drallmax“ zugesandt bekam, den man zeitgleich unter derselben Adresse beziehen konnte.



Auf diesem Bild sieht man einen Zeitungsausschnitt, der eine Anzeige für einen Ölofen zeigt - Franz Beckenbauer-Autogramm bei Bestellung inklusive. Foto: Zeigler

In den letzten Jahren hat sich Franz Beckenbauer in Sachen Trash-Werbung etwas rarer gemacht. Wahrscheinlich rauben ihm die vielen Flüge von A nach B und wieder zurück einfach zuviel Zeit. Aber wenn er schlau ist, der Kaiser, dann drückt er Uli Hoeneß demnächst mal einen „CASIO BIOLATOR“ in die Hand. Denn der konnte in den Siebzigern sogar Beckenbauers „persönliche Bestform“ errechnen.

Genau das passende Gerät für den systematisch geplanten Rückweg an die Tabellenspitze.

von Arnd Zeigler