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Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs (108)
Besonders übel misslungene Fußballerporträts auf exotischen Briefmarken
Ich gebe gerne zu, dass wir heute einen eher wenig beachteten Bereich der Fußballkultur streifen wollen: die „besonders übel misslungenen Fußballerporträts auf exotischen Briefmarken“, in Fachkreisen auch einprägsamer „BÜMFAEB“ genannt (das spricht man ungefähr aus wie „Bümfaeb“ ).
Tatsächlich existiert ein beachtlicher Batzen von footie related Briefmarken, die man als Normalsterblicher niemals zu Gesicht bekommt. Briefmarken mit den vertrauten Konterfeis alter Helden, aus möglicherweise tatsächlich existierenden Staaten, die Fußball also doch nicht nur vom Hörensagen kennen.
Oder vielleicht doch, denn die Briefmarkendesigner aus Äquatorialguinea oder dem Jemen bestechen durch eine zuweilen sehr kreative Umgehensweise mit den Gesichtern bekannter Fußballstars und gestalten sie oft scheinbar nur im Notfall so, dass der gemeinte Spieler tatsächlich erraten werden kann. Hier sind die besten Beispiele.
1.) Franz Beckenbauer
Der „Kaiser“ („the brilliant German player“) besticht auf dieser Marke aus Äquatorialguinea durch rötliche Haare und Gesichtszüge, die entfernt an einen ehemaligen Mittelfeldspieler des ETSV Kirchweyhe erinnern.
Das ist aber noch Gold gegen diese Marke aus dem Jemen, auf der Beckenbauer grauhaarig und verhärmt daherkommt. Das Trikot erinnert an die frühen Bundesligajahre der Bayern, das Gesicht eher an einen späten FDP-Politiker aus Rheinland-Pfalz.
Damit hat es Beckenbauer aber immer noch netter getroffen als 2.) Pelé , der auf derselben Marke wie ein Schurke aus einem Blaxpoitation-Movie anmutet. Dafür sieht –vermutlich als kleine Entschädigung- sein Brasilien-Trikot aus wie eine trendige Kapuzenjacke.
Auch nicht schön: 3.) Johan Cruyff, der nicht nur auf dem Platz smarte Alleskönner der Niederlande. Die Republik Obervolta verpasste ihm auf der an sich gut gemeinten Briefmarke das Antlitz einer schwer vom Leben gezeichneten Tresenschlampe.
Bei 4.) Uli Hoeneß ist erstmals das Originalfoto lustiger als die Briefmarke. Zunächst zumindest. Doch wenn man den Blick vom Porträt auf der Marke weiter nach rechts zur Spielszene wendet, dann blickt man auf ein zerfurchtes, hohlwangiges, katastrophal frisiertes Etwas, das entfernt an einen inzwischen verstorbenen Erotikfilm-Darsteller gemahnt.
Mit der Erotik vorbei ist es bei 5.) Sepp Maier. Ja, der ehemalige Bayern-Torhüter und vielfache, notorische Flachwitzchampion. Der nun schon legendäre Briefmarkenzeichner aus Äquatorialguinea (nennen wir ihn von jetzt an der Einfachheit halber "Horst") hat ihm aber wenigstens einen schönen Seitenscheitel spendiert.
Hmmmh: Das Wunder von Bern! Auch die beiden deutschen Endspiel-Torschützen von 1954 tauchen selbstredend auf Briefmarken auf. 6.) Maxl Morlock hat es dabei deutlich schlimmer erwischt als 7.) Helmut „Boss“ Rahn. Während der Siegtorschütze
aus Essen wenigstens noch entfernt an Ex-Showmaster Hans-Joachim Kulenkampff erinnert, sieht Max Morlock auf der Marke aus Paraguay einfach nur aus wie ... ich weiß auch nicht. Wie ein auf die schiefe Bahn geratener Gebrauchtwagenverkäufer. Wie ein vom Pfad der Tugend abgekommener Hausmeister. Wie ein ins Milieu abgeglittener Platzanweiser.
Der Pfuscher aus Paraguay sollte sich dann doch lieber mal ein Beispiel nehmen an "Horst", der Koryphäe aus Äquatorialguinea, der es immerhin hinbekommen hat, aus 8.) „Bomber“ Gerd Müller eine Art Leonardo di Caprio zu basteln.
Einen glücklichen Sonderfall stellt die Marke mit 9.) Günter Netzer dar. Das Porträt darauf sieht ihm leidlich ähnlich, mal abgesehen von der Frisur, die bei einer Darstellung Netzers ja bedeutender ist als bei jedem anderen Spieler des Weltfußballs. Das Porträt ist wiederum geradezu
erleichternd realistisch gegen die Spielszene, bei der Netzer... so... anders aussieht. Möglicherweise liegt das daran, dass der Zeichner ihn schlicht mit 10.) Jürgen Grabowski verwechselt hat, der ja in den Siebzigern irgendwie auch dasselbe war wie Netzer, zumindest die Haarfarbe. Und wie soll man derart ähnliche Gesichtszüge bitteschön auseinanderhalten können, drüben in Guinea?
Alle abgebildeten Marken gibt es zu erschwinglichen Preisen und in großer Anzahl in Kaufhäusern Deiner Wahl. Meistens als Bückware, unter den reduzierten Mängelexemplaren in der Buchabteilung.
von Arnd Zeigler