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Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs (110)

Fußball-Wunderland Österreich


Auf diesem Bild sieht man die österreichische Flagge. Foto: Zeigler

Im Vorfeld der EM 2008 in Österreich und der Schweiz bietet es sich langsam mal verschärft an, einen Blick über die Grenzen zu unseren Nachbarn zu werfen, um sich vorsorglich mit den Gepflogenheiten und Eigenarten unserer Bald-Gastgeber vertraut zu machen.


Und das lohnt sich, denn "Fußball" ist z.B. in Österreich nicht gleich "Fußball", sondern ... eben ... "Österreichischer Fußball". Das verhält sich zu der uns hier bekannten Sportart etwa wie eine Minigolfbahn zu einem satten, wettkampftauglichen Golf-Grün.

Damit meine ich nicht, dass in Österreich etwa schlechter Fußball geboten würde. Nein, keinesfalls! Es ist nur vielmehr so, dass unsere Nachbarn es Jahr für Jahr hinbekommen, ihre kleine Fußballwelt mit einer so beeindruckenden Anzahl von Putzigkeiten aufzumotzen, dass man als Beobachter aus der Ferne manchmal nur mit offenem Mund dasitzen kann.

Gut, viele Dinge kennen wir auch schon länger: Die mit Dutzenden von unübersichtlichen Sponsorenlogos zugerotzten Trikots (= "Leiberl") und Hosen etwa. Dass der landläufige Österreich-Profi nicht längst auch ein Sponsoren-Tattoo auf der Stirn tragen muss, ist die eigentliche Überraschung.

Auf diesem Bild sind zwei Bilder zu sehen. Beide zeigen Fußballspieler in ihren Trikots, die mit Werbungen vollgestopft sind. Foto: Zeigler
Glück im Unglück: Die Werbelogos werden akribisch so ausgesucht, dass sie ästhetisch perfekt zum Trikotdesign passen und nicht etwa störend wirken.

Auf diesem Bild sieht man das Maskottchen von Austria Salzburg mit dem schönen Namen Bullidibumm. Foto: Zeigler

Es gibt wirklich blödere Maskottchennamen als "Bullidibumm". Mir fällt nur gerade keiner ein. Die offizielle Meisterschale hat der Geschäftsführer der "T-Mobile-Bundesliga" in einer westdeutschen Tankstelle gekauft und umgespritzt.



Was Traditionspflege in Österreich heißt, wissen wir spätestens seit dem traurigen Schicksal des ehemaligen Spitzenclubs Austria Salzburg, der zu Gunsten des Sponsoren-Vehikels "Red Bull Salzburg" ins Fußball-Nirvana geschickt wurde. Beim mit viel Sponsorengeld mal eben aufgepumpten neuen Spitzenclub ist nichts mehr so, wie es vorher war – außer, dass man zufällig im selben Stadion spielt wie der Vorgänger. Dafür aber hat man wenigstens ein Maskottchen mit dem wunderschönen Namen "Bullidibumm". Darauf muss man erst mal kommen.

Der SV Pasching leidet nicht unter einem solchen Maskottchen. Er leidet nicht einmal unter der Tatsache, dass der Verein vor vier Jahren über Nacht in "FC Superfund" umbenannt wurde. Der Klub leidet überhaupt nicht mehr, denn man ist bei den Vereinsoberen überein gekommen, dessen Bundesliga-Lizenz nach Kärnten zu verhökern. Anders als bei Fusionen hierzulande ist Kärnten nun nicht die unmittelbare Nachbarschaft, sondern wie diese Karte zeigt bemerkenswert woanders:

Auf diesem Bild sieht man die Landkarte von Österreich. Oberösterreich ist der blaue Bereich. Foto: Zeigler
Oberösterreich ist oben. Deshalb heißt es so. Wobei nicht ganz klar ist, warum dann Niederösterreich nicht "Rechtsobenösterreich" oder "Nebenoberösterreich" heißt, und warum es überhaupt nicht herunten liegt, sondern heroben. Herunten liegt Kärnten, wo der SV Pasching aus Oberösterreich jetzt weiterspielen darf.

Alle anderen Vereine dürfen vorerst da weiterspielen, wo die Fans es gewohnt sind. Die Wiener Traditionsvereine z.B. spielen alle nicht in Kärnten, sondern in Wien. Coole Scheiße. Etwas uncooler sind nur die ständig wechselnden Namen der Vereine außerhalb Wiens. Da hätten wir in der "T-Mobile-Bundesliga" (= 1. Liga) z.B. anzubieten : "SV Josko Fenster Ried", "SV Bauwelt Koch Mattersburg" oder "CASHPOINT SCR Altach". In der "Red Zac Erste Liga" (= zweite Liga, fragt mich nicht warum) spielen "SV Harreither Bad Aussee", "ASK Trenkwalder Schwadorf" und vor allem ein Verein namens "SCS bet-at-home.com".

Auf diesem Bild sieht man die Landkarte von Österreich. Oberösterreich ist der blaue Bereich. Foto: Zeigler

Vor den Vereinsnamen der Ligen darunter hatte ich Angst und habe lieber nicht nachgeschaut.

Wissenswert ferner: Österreich ist eine Hochburg für Fußballer, die "Knaller" heißen. Mehr noch: ALLE im Weltfußball relevanten Spieler namens "Knaller" sind Österreicher. Walter Knaller ist einer der besten Stürmer der Liga-Historie, Wolfgang Knaller war Torwart, Marco Knaller ist dies immer noch (im Tor von Admira Wacker Mödling), während Christoph Knaller für den Zweitligisten Parndorf stürmt.

Schließen möchte ich diese Kolumne mit einem letzten, etwas aufwühlenden Fakt: Fußballer, die wir hier als "Fußballdeutsche" bezeichnen, heißen in Österreich fußballerisch "einem Österreicher gleichgestellt".

Voll die fiese Regelung, irgendwie.

von Arnd Zeigler