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Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs (95)

Einmal Schlaudraff –> Dummdraff und umgekehrt...!


Auf diesem Bild sieht man eine Windows-Fehlermeldung. Die Meldung lautet: 'Sie haben den falschen Verein gewählt!'. Zur Auswahl stehen die Buttons 'Da muss ich jetzt durch' und 'Hoeness nochmal anrufen'.

Eine kleine Internet-Fanforum-Geschichte.


Es begab sich, dass der Spieler Jan Schlaudraff sich verändern wollte. Damit meine ich keinen Schnäuzer, sondern einen neuen Verein. Ein Guter, wenn’s irgend geht.


Nun zeigt ein Blick auf die Bundesligatabelle entlarvend, dass es von den wirklich guten Vereinen derzeit nur wenige gibt. Ist auch gut so, denn eine Liga mit 18 gleichguten Vereinen wäre ja Quatsch (oder wie es im Fußballreporterdeutsch heißt: Makulatur), weil wir nun einmal nicht so viele Meisterschalen haben.

Auf diesem Bild ist Schlaudraff zu sehen. Er hält zwei Bälle in den Händen. Neben ihm steht eine Person, auf deren Körper der Kopf von Watzke gesetzt wurde. Foto: Zeigler

Schlaudraff kurz nach ersten Gesprächen mit Borussia Dortmund.

Schlaudraff also zog es nach Dortmund. Oder nach Leverkusen. Oder nach Bremen. Oder natürlich nach München. Da zieht es ja immer besonders.

Früher, als es das Internet noch nicht gab und der HSV noch in der Bundesliga spielte (das formuliere ich mal vorausschauend für einen eventuellen späteren Nachdruck dieser Kolumne so) wäre das ein ganz und gar unromantischer Vorgang gewesen. Es wäre verhandelt worden, es hätte ein bisschen was in der Zeitung gestanden und am Ende wäre vermeldet worden: Schlaudraff zu XY, Ablösesumme unbekannt.

Auf diesem Bild ist Schlaudraff zu sehen. Er hält zwei Bälle in den Händen. Neben ihm steht eine Person, auf deren Körper der Kopf von Voeller gesetzt wurde. Foto: Zeigler

Schlaudraff kurz nach ersten Gesprächen mit Bayer 04 Leverkusen.

Inzwischen aber gibt es das Internet, und bereits wenige Sekunden nach der Erfindung des „World Wide Web“ entstand vermutlich auch schon das erste „Fan-Forum“ eines Bundesligisten. Diese Foren erfreuten sich fortan sprunghafter Beliebtheit. Zunächst bei PC-Nerds oder bessergestellten Internet-Usern, die sich die teuren Gebühren der Provider leisten konnten. Später bei jüngeren Menschen. Und noch später hauptsächlich bei Elfjährigen, die sich „BEIERNFÄN“ oder „LUKES_PODLSKI“ oder „DUBELSIGER“ nennen.

Zurück zum Sport. So entbrannte also nun in diesen Fan-Foren der an Schlaudraff interessierten Vereine eine Art Glaubenskrieg darüber, wer den talentierten Mann bekommen solle und wo er sich am besten weiterentwickeln würde. Solange das Rennen offen schien, gab es eigentlich nur die beiden Meinungen „Guter Mann, her damit!“ (stellvertretend geäußert von User „NOBBY_DICKEL_RULEZ!“ im BVB-Forum) oder „Was solen wir den mit demm?“ (stellvertretend geäußert von Userin „IVAN_IST_SÜSS“ im Werder-Forum).

Auf diesem Bild ist Schlaudraff zu sehen. Er hält zwei Bälle in den Händen. Neben ihm steht eine Person, auf deren Körper der Kopf von Allofs gesetzt wurde. Foto: Zeigler

Schlaudraff kurz nach ersten Gesprächen mit Werder Bremen.

Leverkusen und Dortmund schienen irgendwann aus dem Rennen. Dies führte binnen Minuten zu der Erkenntnis, dass Schlaudraff ein überschätzter Schnösel sei, der „uns wieso net weitergeholpfen häte!“ (User „HOLZHÄUSER“ aus dem Bayer-Leverkusen-Forum) oder der „im Grunde überhaupt nix kann!“ (User „NOBBY_DICKEL_RULEZ“ im BVB-Forum).

Blieben also München und Bremen. Bei Werder herrschte zunächst die Gewissheit, dass Schlaudraff „bei den Buyern doch wieso nur auf der Bank versauern würde!“ (User „IVAN_IST_SAUER“). „Das wollen wir doch erst mal sehen!“ erschallte es darauf im Bayern-Forum (User „WURSTWARENVERKÄUFER_ INKOGNITO“). „Ni im Leben geht deeeeeeeRRr zu MÜNchnnnnnn!!!!!!!!“ war sich wiederum im Werder-Forum der User „VERKLEBTE TASTATUR“ sicher.

Auf diesem Bild ist Schlaudraff zu sehen. Er hält zwei Bälle in den Händen. Neben ihm steht eine Person, auf deren Körper der Kopf von Hoeness gesetzt wurde. Foto: Zeigler

Schlaudraff kurz nach ersten Gesprächen mit Bayern München.

Am Ende kam, was kommen musste: Bayern-Manager Uli Hoeneß ließ nach eigenen Angaben „die Muskeln spielen“ („Das war ja wohl auch mein gutes Recht!!!“ meinte dazu der User „WURSTWARENVERKÄUFER_ INKOGNITO“ im Bayern-Forum), und Schlaudraff entschied sich für die „bessere sportliche Perspektive“. Nicht weiter schlimm, entschied man flugs im Werder-Forum und analysierte sachlich: „Der hat doch erst drei gute Spiele gemacht!“ (User „IVAN_KLASNIC_PERSÖNLICH“) oder „Dem hatdochn Rad app, dem Schlaudrauf!“ (User „BENJAMIN_BLÜMCHEN“).

Jan Schlaudraff, hab’ viel Glück bei den Bayern. Nach Bremen hätte er nicht gepasst. Er steht nach eigener Aussage auf Musik von Pur und Reinhard Mey.

von Arnd Zeigler