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Der sonstige Autor dieser Kolumne leidet nun schon seit Mitte Februar unter dem traumatischen Nordderby Werder – HSV (0:2). Ich bin also die Vertretung: Franz Beckenbauer – jedenfalls beinahe. Was stimmt ist, dass ich aus der Schule plaudern möchte. Oder jedenfalls beinahe. Denn ich möchte über Spielernoten reden. Oder jedenfalls beinahe, denn eigentlich schreibe ich ja eher.


Auf diesem Bild sieht man einen Bildausschnitt einer Zeitung mit der Aufstellung der Spieler im Spiel Werder-HSV.

Auf diesem Bild sieht man einen Bildausschnitt einer Zeitung mit den Zahlen im Spielvergleich Werder-HSV.

Spielernoten sind eine merkwürdige Sache. Jede Zeitung die etwas auf sich hält benotet am Sonntag alle eingesetzten Bundesligaspieler. Auf Sinn oder Unsinn dieser Maßnahme angesprochen, heißt es jeweils: „Wir wissen ja, dass so etwas Quatsch ist, aber unsere Leser wollen das so!“ Alle mir bekannten Leser finden die Noten aber auch unsinnig und lachen sich drüber tot. Besonders wahnwitzig wird es, wenn die angestrengt zusammenklabüsterten Noten aufgrund pseudo-objektiver Daten ausgewürfelt werden. In Mode gekommen ist es zum Beispiel, die Klassifizierung von Torhütern alleine anhand des Wertes „Abgewehrte Bälle in Prozent“ vorzunehmen. Wenn also einer 80 % aller Schüsse abwehrt, dann ist er automatisch besser als einer, der nur 76 % abwehrt. Und dann ist es auch egal, ob „Mr. 80 %“ immer nur tumb von den Stürmern des Gegners angeschossen wurde, während er die übrige Dauer des Spiels über als Flankenlegastheniker fungierte und jeden Abschlag zielsicher in den Zuschauerrang „G“ lenkte.

Bei den Feldspielern ist es komischerweise oft umgekehrt. Das schon kurz erwähnte Nordderby, das dem sonstigen Autor dieser Kolumne so sehr zusetzte, legte es an den Tag. In der Rubrik „Tops & Flops“ einer großen deutschen Boulevardzeitung mit vier Buchstaben, und damit ist diesmal nicht die „FUCK“ gemeint, bekamen die Bremer Schulz, Vranjes und Fritz durchaus lobende Erwähnungen, weil Schulz am meisten am Ball war, Vranjes mit beinahe jedem seiner Pässe den eigenen Mitspieler anvisierte und Fritz stattliche 75 % seiner Zweikämpfe gewann. Wenn man den Blick in der selben Publikation nur wenige Zentimeter nach oben lenkte, fand man die dazugehörigen Noten: Schulz: 5. Vranjes: 5. Fritz: 5. Daraus folgt folgende Mutmaßung: Herr S. war oft am Ball, verlor aber seine Zweikämpfe und spielte viele Fehlpässe. Herr V. spielte dagegen kaum Fehlpässe, war aber dafür kaum am Ball und wenn, dann verlor er ihn schnell wieder. Und Herr F. verlor kaum einen Ball, spielte ihn aber danach immer zum Gegner.

Noten dieser Art haben - wenn ich mal eben aus der Schule plaudern darf - einen Sinn, der stramm gegen Null geht. Sie sind vergleichbar mit Schulnoten à la „Olaf hat immer schöne Schuhe an, kann aber nicht rechnen. Leider Note 5“ oder „Holger malt während des Deutschunterrichts wunderschöne impressionistische Miniaturen, kann aber nicht schreiben. Daher Note 5“. Oder „Marita kann gut Schmetterlinge beobachten, aber ihre Schrift sieht aus wie die Bartstoppeln meines Onkels. Leider Note 5“.

Auf diesem SW-Bild sieht man einen Torwart, der im rechten Arm den Ball hält und mit der anderen Hand anscheinend gerade einen Spieler geschlagen hat. Der Stürmer der Gegenmanschaft ist nämlich gerade am fallen... Foto: Zeigler

Der Torwart (links) erhält für diesen Schlag fraglos eine gute Note, wenngleich sein Einfluss auf das weitere Spielgeschehen anschließend rasch abnahm.

Auch möchte ich davor warnen, die Qualität dieses Kolumnentextes an der Zahl seiner Wörter, der Länge seiner Absätze oder der Farbe seiner Buchstaben zu bewerten. Diese Kolumne ist einfach hochkarätig. Manchmal muss man so was auch einfach so stehen lassen können. Und an die Macher der „FUCK“ noch der Hinweis: Wenn Zweikampfstärke, Passgenauigkeit oder Ballbesitz über die Leistung eines Spielers nichts aussagen – warum spart ihr euch dann nicht die Rubrik „Tops & Flops“ und druckt statt dessen ein lustiges Silbenrätsel?

Keine Ursache. Euer Franz Beckenbauer.