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Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs (112)

Das sogenannte „Der Mann aus“ -Mysterium


Willkommen zu einer neuen Kolumne vom Mann aus Deutschland!

Selten blöder Vollidioten-Beginn für eine Kolumne, oder? Ich stimme euch zu. Aber der Anfang ist dramaturgisch von Nöten und gehört so, denn diesmal geht es um ein Phänomen, das mittlerweile in beinahe jeder Live-Reportage zu verfolgen ist – vorausgesetzt, es spielen Afrikaner mit.


Denn, und wenn ich das nicht sehr bald erklärt bekomme, sterbe ich qualvoll und wimmernd: Nur afrikanische Fußballer werden von deutschen Fußballreportern während ihrer Spielkommentare mit „Der Mann aus ...“ eingeführt. „Der Mann aus Ghana“ ist in deutschen Stadien ebenso wenig eine Seltenheit wie „Der Mann aus Nigeria“, „Der Mann aus Südafrika“ oder „Der Mann aus Togo“. Anthony Yeboah war in seiner Karriere wohl hunderte Male „Der Mann aus“, wenn es nach unseren Reportern ging - ebenso Jay Jay Okocha, Didier Drogba oder Boubacar Sanogo. Herkunftsland variiert, aber all sind sie „Männer aus“.

Komischerweise, und das ist es was mich gar so quält, ist bei den Reportern ein Belgier immer ein Belgier, und NIE NIE NIE „Der Mann aus Belgien“!! Ebenso ist ein Schwede, also zum Beispiel Marcus Allbäck, IMMER ein „Schwede“ und NIE „Der Mann aus Schweden“. Duisburgs Manasseh Ishiaku ist dagegen ein „der Mann aus Nigeria“. Wenn beim MSV Duisburg also Tararache zu Ishiaku passt, dann ist erst ein Rumäne am Ball und dann „der Mann aus Nigeria“.

Glaubt ihr nicht? Ist aber so.

Nur – warum? Warum ist Naldo ein Brasilianer und Pierre Wome der Mann aus Kamerun? Ich helfe euch – aber das macht die Sache nicht einfacher: Es muss tatsächlich etwas mit der Hautfarbe zu tun haben! Denn „Männer aus Nigeria, Kamerun oder Ghana“ sind wiederum ungleich häufiger auf Fußballplätzen anzutreffen als „Männer aus Marokko“ oder „Männer aus Tunesien“ oder „Männer aus Ägypten“. Die heißen „Marokkaner“ oder „Tunesier“, sogar bei deutschen Reportern. Natürlich nur, wenn sie auch aus Marokko oder Tunesien kommen.

Interessant wäre natürlich mal, nur so als Versuch, wenn man z.B. Franck Ribèry das Gesicht schwärzen täte. Nur so als Versuch. Mit einem Edding oder so. Nur als Versuch, ist klar. Und dann schauen würde, ob er plötzlich auf einen Schlag „Der Mann aus Frankreich“ wäre. Nur mal so, als Versuch.

Auf diesem Bild sind Franck Ribéry und seine Frau zu sehen. Foto: Zeigler Auf diesem Bild sind Franck Ribéry und seine Frau zu sehen, mit schwarz gemalten Gesichtern. Foto: Zeigler

Franck Ribéry (Franzose) mit seiner Frau (Französin).

Franck Ribéry (der Mann aus Frankreich) mit seiner Frau (die Frau vom Mann aus Frankreich).


Wenn man politisch überkorrekt veranlagt wäre, könnte man jetzt als Beschäftigungstherapie mal tiefenpsychologisch nachforschen, ob das sprachliche Schaffen* von Männern aus Kamerun, Zaire oder der Elfenbeinküste bei gleichzeitigem Auftauchen von Belgiern, Franzosen oder Argentiniern in irgendeinem Hirnrindenareal irgendwas Diskriminierendes zum Hintergrund hat. Glaube ich aber nicht. Es ist nichts Schlimmes.

Ich glaube, es ist einfach nur ... „irgendwie komisch“.


* Hier wollte ich mich in einer ersten Version dieses Textes deutlich gewählter ausdrücken und statt „Schaffen“ lieber „Kreieren“ schreiben. Ich finde aber, „Kreieren“ hätte es als Wort verdient, wegen seines dämlichen schriftlichen Aussehens mal so richtig auf die Wort-Fresse zu kriegen.

von Arnd Zeigler