szmtag
 
 

WERDER-FANSZENE

<< zurück

Interview mit Thomas Hafke (Fan-Projekt Bremen)


Auf diesem Bild sieht man Thomas Hafke. Foto: Christoph Bähr

Fan der Fans und der Fan-Arbeit: Thomas Hafke
Foto: Christoph Bähr

1981 gründete sich in Bremen das erste Fan-Projekt in Deutschland. Seit über 27 Jahren kümmern sich die Sozialpädagogen des Projekts um junge Werder-Fans. Thomas Hafke ist seit 1988 dabei und hat im letzten Jahr zusammen mit Wilhelm Rösing die Dokumentation "Die Fans sind wir" veröffentlicht. Wir haben ihn über seine Arbeit interviewt.


Kurz nach der Gründung kam es für das Fan-Projekt schon 1982 zur Feuerprobe. Der junge Werder-Fan Adrian Maleika kam in Hamburg ums Leben, als HSV-Anhänger mit Pflastersteinen auf Bremer warfen. Wie konnten damals Racheaktionen der Werder-Fans verhindert werden?
Das Fan-Projekt hat in Scheeßel ein großes Treffen zwischen Werder- und HSV-Fans organisiert. Auch Vereinsvertreter wie HSV-Manager Günter Netzer und Werder-Trainer Otto Rehhagel waren dabei. Die beiden Fanlager sollten keine Freunde werden, aber immerhin eine Art Waffenstillstand schließen. Im Nachhinein war dieses Treffen erfolgreich. Zwar kam es auch beim folgenden Rückspiel in Bremen zu Ausschreitungen, aber die Situation ist eben glücklicherweise nicht eskaliert.

Ein anderer Meilenstein für das Fan-Projekt war Anfang der 90er die Aktion "Sitzen ist für’n Arsch". Was steckt dahinter?
DFB-Präsident Hermann Neuberger wollte in Deutschland reine Sitzplatzstadien einführen. Das Weserstadion sollte als erstes umgebaut werden, aber wir haben uns dagegen gewehrt. Eine Arbeitsgruppe aus Fans und Leuten vom Schlachthof hat ein Modell von der Ostkurve entworfen, das ihren Vorstellungen entsprach. Danach sollte die Kurve zur einen Hälfte aus Stehplätzen, zur anderen aus Sitzplätzen bestehen. Letztendlich war der Umbau dann ein Kompromiss zwischen den Fans und dem Verein. Die Logen und die vielen Zäune in der Ostkurve waren von den Fans nicht gewollt. Trotzdem kann die Aktion als Erfolg bezeichnet werden. Hätten wir uns nicht gewehrt, gäbe es heute keine Stehplätze und auch keinen Ostkurvensaal im Weserstadion.

Du selbst arbeitest seit rund 20 Jahren im Fan-Projekt. Wie hat sich die Bremer Fanszene in dieser Zeit verändert?
Früher bildeten die sogenannten "Kutten" den Kern der Szene. Die trugen eben diese altbekannten Jeanswesten mit Aufnähern und waren größtenteils Jugendliche aus der Arbeiterschicht. Seit 1997 haben sich in Bremen Ultra-Gruppen formiert. In diesen sind jetzt sehr viele Studenten aktiv.

Wie arbeitet Ihr als Fan-Projekt heutzutage mit den Ultras zusammen?
Die Ultras nutzen unsere Räume in der Ostkurve, beispielsweise um ihre Kurvenshows vorzubereiten. Daneben haben wir vor allem eine Vermittlerfunktion zwischen den Fans und dem Verein sowie den Fans und der Polizei. Ein wichtiger Punkt bei dieser Arbeit sind Stadionverbote. Meistens werden diese nicht in Bremen sondern bei Auswärtsspielen ausgesprochen. Wenn Jugendliche zum Beispiel ein fünfjähriges Stadionverbot erhalten, ist das für sie sehr dramatisch. Die Fan-Projekte konnten zusammen mit den Fans bereits erreichen, dass bei diesen Verboten zwischen Jugendlichen und Erwachsenen unterschieden wird, dass Anhörungsverfahren stattfinden und dass auch reduzierte Strafen unter drei Jahren möglich sind.

Links zum Thema

Was sind weitere Schwerpunkte in Eurer Arbeit?
Antidiskriminierungsarbeit ist uns sehr wichtig. Wir versuchen jungendliche Fans davor zu schützen, dass sie in rechtsextreme Fangruppierungen reingezogen werden. Zudem organisieren wir einen Austausch mit israelischen Fußballfans. Im Mai war eine Gruppe von Israelis in Bremen zu Gast. Im November werden wir mit mehreren Werder-Fans zum Gegenbesuch aufbrechen. Durch diese Aktion wollen wir Antisemitismus und Vorurteile gegenüber Israel abbauen.

von Christoph Bähr