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Waghalsige Artisten in Betonlandschaften
Treppenlaufen??? Ab über die Mauer! Es ist Mittag an der Bremer Uni. In den Semesterferien haben sich nur vereinzelt ein paar Studenten hierhin verirrt. Die grauen Gebäude bilden eine langweilige und schläfrige Kulisse. Doch plötzlich rennen zwei Gestalten über den Campus – direkt auf einen mehrere Meter hohen Mauervorsprung zu. Ein paar vorbeigehende Studenten gucken erstaunt zu, wie die beiden jungen Männer über die Balustrade springen, sich in der Luft um 180 Grad drehen und dann am Boden elegant abrollen. Wer jetzt glaubt, dass hier zwei Stuntmen eine riskante Szene für einen neuen Actionfilm drehen, irrt sich, denn die beiden waghalsigen Springer, Daniel Ruck und Eugen Schneider, sind zwei Bremer Parkour-Läufer. Parkour – Was ist das?
Und wenn`s mal schnell gehen muss... Parkour ist ein extremer Hindernislauf, bei dem die Läufer - die so genannten Traceure – den geraden Weg zwischen zwei Punkten nehmen und alle Hindernisse, die ihnen dabei im Weg stehen, überwinden. Daniel und Eugen, beide 22 Jahre alt, sind seit etwa einem Jahr Parkour-Läufer. Zusammen mit dem 16-jährigen Dennis Wittich haben sie sich den Namen „Skyline“ gegeben. Die Bremer sind Teil einer Bewegung, die Ende der achtziger Jahre in Frankreich begann. Dort lernte David Belle von seinem Vater, einem französischen Vietnamveteranen, wie man sich im Einklang mit der Natur durch den Wald mit seinen Hindernissen bewegt. Als Belle später in einen Pariser Vorort umzog, wandte er seine Kenntnisse in der urbanen Betonlandschaft an. Er sprang nun über Mauern, Zäune oder von Dach zu Dach und fand immer mehr Anhänger, die es ihm gleichtaten. 2004 schließlich spielte der Parkour-Erfinder Belle in Luc Bessons Film „Ghettogangz – Die Hölle von Paris“ mit. Die spektakulären Szenen in diesem Film weckten bei vielen Zuschauern Interesse an der extremen Sportart. So auch bei den Bremern Daniel und Eugen: „Wir haben uns früher oft abends getroffen und einfach nur rumgehangen. Als wir dann David Belles Film gesehen haben, waren wir sofort begeistert. Wir haben ein bisschen im Internet recherchiert und auch gleich versucht, ein paar leichte Sprünge nachzumachen.“
Für den Anfänger gilt: langsam zu den schwierigen Hindernissen vortasten. Ein Hobby mit RisikenBei ihren ersten Parkour-Versuchen mussten Daniel und Eugen erfahren, dass dieser Sport nicht ganz ungefährlich ist. Sie überschätzten sich bei einem Sprung von einem hohen Gebäude und wären beinahe in einem Zaun hängen geblieben. Heute wissen die beiden, dass Vorsicht eine wichtige Grundvoraussetzung für Traceure ist: „Man muss sich langsam an die großen Sprünge herantasten und sich vor allem immer die Landezone genau ansehen.“ Wenn dies beachtet wird, kommt es laut Daniel nur selten zu schlimmeren Verletzungen. Schwer vorzustellen, wenn man die spektakulären Sprünge der Traceure aus großer Höhe sieht, die ohne jegliche Schutzkleidung durchgeführt werden. „Das Schlimmste am Parkour ist für mich nur der Muskelkater am nächsten Tag“, erklärt Daniel. Entscheidend seien dabei das gelenkschonende Abrollen nach der Landung und das richtige Einschätzen der eigenen Fähigkeiten. Regelmäßiges Training
Training ist das A und O des Parkour-Laufens. Die Fähigkeiten von Daniel und Eugen erweitern sich ständig, denn sie trainieren zwei- bis dreimal in der Woche für drei bis vier Stunden. Ihr bevorzugter Trainingsort ist die Uni, aber auch in der Vahr kann man die beiden manchmal in Aktion beobachten. „Ab und zu finden wir auch eine geeignete Strecke, wenn wir einfach so durch die Stadt gehen“, erzählt Daniel. Dabei treffen sie gelegentlich auf andere Traceure und trainieren mit diesen zusammen. „Leider hat sich in Bremen aber noch nicht so eine Parkour-Szene wie in Hamburg oder Berlin entwickelt“, bedauert Eugen. Daher gucken gerade ältere Passanten oft befremdet, wenn sie die Traceure bei ihren waghalsigen Aktionen sehen. Einmal wurden die beiden sogar durch lautes Geschrei von einem Privatparkplatz vertrieben. „Solch eine Aufregung ist völlig unnötig, denn wir passen immer auf, dass wir nichts kaputt machen“, versichert Daniel. In Konflikt mit der Polizei sind die beiden Bremer daher auch noch nie gekommen.
Und bei der Landung: abrollen. Mehr als nur Sport
Daniels Familie war zunächst von seinem neuen Hobby wenig begeistert. „Die dachten anfangs, ich wäre bekloppt“, verrät Daniel. Mittlerweile hat sich die Einstellung der Verwandten allerdings geändert, denn sie haben gemerkt, wie ernsthaft der 22-Jährige Parkour betreibt. Außerdem profitieren die beiden Traceure nicht nur im körperlichen sondern auch im mentalen Bereich von ihren sportlichen Aktivitäten. „Nach einem Parkour-Training bin ich immer total entspannt“, berichtet Eugen. Daher habe auch der Chef des Maurer-Azubis nichts gegen die außergewöhnliche Freizeitbeschäftigung einzuwenden: „Der findet das gut. Ich glaube, er würde es sogar selbst mal ausprobieren, wenn er könnte.“ Zum Ausprobieren würden Eugen und Daniel sowieso jedem raten: „Parkour ist einfach cool. Das Gefühl, wenn man durch die Luft fliegt, ist unbeschreiblich. Wenn man
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