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05.11.2008
SPORT & WERDER

Werder: Blamage mit Folgen

Der begeisternde 5:1-Erfolg am vergangenen Samstag gegen Hertha BSC erwies sich für Werder nur als Strohfeuer. Gestern riss Panathinaikos Athen die Bremer brutal zurück in die Krise. Bei der 0:3-Heimniederlage in der Champions League war das Team von Thomas Schaaf chancenlos. In einer Gruppe, die nach der Auslosung von vielen als leicht bezeichnet wurde, steht Werder sieglos auf dem letzten Platz. In den ausstehenden Spielen gegen Famagusta und Inter helfen nur noch zwei Siege zum Weiterkommen.

Nach dem Debakel gegen Athen mag jedoch kaum noch jemand an das Achtelfinale denken. Nachdem die erste Halbzeit ausgeglichen verlaufen war, brach Werder in der zweiten Hälfte auseinander. Ein Kontertor von Mantzios (58. Minute) reichte aus, um die Moral der Gastgeber zu brechen. Die Mannschaft ergab sich kampflos in ihr Schicksal und kassierte noch zwei weitere Treffer durch Karagounis (70.) und Tziolis (82.). Bei allen Gegentoren waren die grün-weißen Abwehrspieler in der Überzahl, doch glänzten durch Tatenlosigkeit. "Unser ganzes Spiel zeichnete sich durch Passivität aus", sagte Trainer Thomas Schaaf bei Werder-Online.

Folglich glaubte gestern im Weser-Stadion keiner mehr daran, dass die Mannschaft das Spiel noch einmal drehen könnte. Schon 15 Minuten vor dem Abpfiff bildeten sich lange Schlangen an den Ausgängen. Passend dazu bewiesen die mitgereisten Panathinaikos-Anhänger überraschende Deutschkenntnisse: "Auf Wiedersehen" schallte es immer wieder aus dem Gästeblock. Spott und Häme tun auf der großen europäischen Bühne besonders weh. Nur wenige Stadionbesuche waren für mich als Werder-Fan so schmerzvoll wie der gestrige. Während meine Sitznachbarn fluchtartig den "Ort des Grauens" verließen oder lautstark das Eintrittsgeld zurückverlangten, versuchte ich zu verdrängen, dass dieses peinliche 0:3 bald in ganz Europa in den Zeitungen stehen wird. Nachdem dieses Vorhaben misslang, überlegte ich für einen kurzen Moment ernsthaft, in Zukunft Tennis-Fan zu werden. Als ob ich eine Wahl hätte…

Sportdirektor Klaus Allofs ging es gestern Abend wohl ähnlich dreckig. Seine Kritik am Team fiel deutlich wie nie aus: Er könne sich an kein Spiel erinnern, das so ohne Gegenwehr und Mumm verloren ging. "Wenn die Spieler einige Dinge in absehbarer Zeit nicht verstehen wollen, dann muss man entweder seine Erwartungshaltung herunterschrauben oder man muss sich von den Spielern trennen. An unseren Erwartungen wollen wir nichts ändern", so Allofs vielsagend. Ein personeller Umbruch schon zur Winterpause zeichnet sich immer mehr ab. Trainer Schaaf dürfte davon jedoch nicht betroffen sein. "Ich sehe keine Veranlassung, die Arbeit des Trainers in Frage zu stellen. Ich weiß, wie Thomas arbeitet und bin von ihm absolut überzeugt", stellte Allofs klar.

von Christoph Bähr
10 Kommentare:
Schaaf raus! Und Allofs gleich mit!
Nach dem Spiel gestern fällt es auch mir schwer, mich erneut zur Verbreitung von "Das wird schon wieder!"-Parolen aufzuraffen. Ich habe nach Abpfiff noch lange darüber nachgedacht, was mit Werder derzeit los ist. Ich bin zu keinem rechten Schluss gekommen, da ich nicht verstehe, wie vieles, dass so lange und auch diese Saison zumindest hin und wieder funktioniert, nun immer öfter richtig böse nach hinten losgehen kann. Hoffentlich wissen die Verantwortlichen im Verein mehr als ich, was nun zu tun ist. Sonst könnte diese Saison gaaanz böse enden.
VORAB: Ich bin seit 1986 überzeugter Fan des SVW und habe einige Höhen und auch Tiefen miterlebt. Dass Werder damals wie heute für Bodenständigkeit, Ruhe, personelle Beständigkeit und maßvolles Wirtschaften steht, befürworte ich durch und durch.
ABER: Die aktuelle Krise darf keinesfalls nur an den Spielern festgemacht werden, so wie es zur Zeit passiert. Die Ursachen sind m.E. klar bei Schaaf und auch bei Allofs zu suchen. Dass dies nicht geschieht (weder in den Medien, noch im Verein), lässt mich befürchten, dass die Talfahrt noch drastischer werden wird. Ich bin wohlgemerkt nicht der Meinung, dass T.S. und K.A. sofort gefeuert werden sollten, aber Kritik an ihnen müsste nicht nur erlaubt, sondern auch erwünscht sein.
dabei hat es sogar leicht genieselt :(
Stadionname verkaufen und gute Kicker einkaufen!
Sofort
Stadionnamen verkaufen? Und das hilft dann, oder was? Verstehe ich nicht, diese Forderung.
Ich befürchte, so langsam muss man sich als Werder-Fan mit einer durchwachsenen Saison abfinden. Aufgrund seiner Verdienste sollte man Thomas Schaaf solch ein mittelmäßiges Jahr aber durchaus zugestehen. Sicher hat der Trainer Fehler gemacht, z.B. griffen seine Auswechslungen auch gegen Athen nicht. Aber in erster Linie stehen doch die Spieler tatenlos auf dem Platz, während die Gegner nach Belieben Tore erzielen.

Und alle, die den Rauswurf von Schaaf fordern, sollen mal einen realistischen und fähigen Alternativkandidaten nennen! Und kommt mir bitte nicht mit Neururer, Berger oder Slomka!
ich geb euch recht ... schön ist das nicht! ABER wir leiden immer noch auf hohem niveau - das darf man nicht vergessen. wir sind tabellenspitzenverwöhnt. ein bisschen bodenhaftung zwischendurch kann nicht schaden. so tief, wie alle meinen, ist das tal nicht. Platz 8 in der bundesliga! immer noch champions league ... KÖNIGSKLASSE! auch wenn man da gerade nicht bestehen kann, muss man da auch erstmal hinkommen. kopf hoch! ist alles gar nicht so schlimm! bringt nur ein bisschen bewegung in die sache.
Ich biete 50 Cent für den Stadionnamen.
@Christoph:
Wie wär s mit Eilts?
Der wäre doch jetzt zu haben...
@Florian
Gar keine schlechte Idee. Eilts würde wirklich gut nach Bremen passen.
Allerdings macht es aus meiner Sicht keinen Sinn, Schaaf durch Eilts zu ersetzen. Sie sind sich vom Charakter und von der Spielauffassung her ziemlich ähnlich. Sind halt beide Rehhagel-Schüler. Solch ein Wechsel würde daher wohl kaum etwas verändern.
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