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JOBS IM AUFTRAG DER LIEBE - TEIL 10: DIE CLUBBETREIBER

Zwei Gastgeber für erotische Begegnungen


Auf diesem Bild sind Dolli und Kai, die Clubbetreiber vom “echtheiss”, zu sehen. Foto: Christina Klinghagen

Dolli und Kai vom “echtheiss” in der Humboldtstraße.
Foto: Christina Klinghagen

Vor vielen Jahren landeten Dolli und Kai zum ersten Mal in einem Swinger-Club. “Mit Bauchschmerzen und wackeligen Knien haben wir vor der Eingangstür gestanden und wollten eigentlich nur noch weglaufen”, erinnert sich Kai. Doch die Neugier des Paares, das mittlerweile seit 20 Jahren eine harmonische Beziehung führt, siegte und bald darauf stand für Dolli und Kai fest, dass sie es nicht bei dem ersten Club-Besuch belassen wollten. Nach zahlreichen Erfahrungen in der “Swinger-Gemeinde”, die nicht immer nur positiv waren, eröffnete das Paar im Januar 2005 die Erotik-Bar “echtheiss”.


Auf den ersten Blick wirkt die erotisch-frivole Bar in der Humboldtstraße 156, deren Außenbereich mit blauen Lämpchen geschmückt ist, wie eine ganz normale Kneipe. Eintritt muss man nicht zahlen, aber nach Betätigung der Klingel gibt es eine Türsichtkontrolle. “Wir achten drauf, dass hier keine alkoholisierten Leute reinkommen. Die Jogginghose muss natürlich auch draußen bleiben. Bei uns wird das erotische Outfit bevorzugt”, verrät Dolli mit einem Augenzwinkern.

Dem Namen entsprechend ist es im “echtheiss” mollig warm. Um den halbrunden, geräumigen Tresen stehen Barhocker mit Leopardenbezug. Auf einem Regal thront ein gläserner Dildo und die “Kuschelecke” macht ihrem Namen alle Ehre. Etwas versteckt gibt es noch zwei weitere Rückzugsmöglichkeiten, die zum spielerischen Kennenlernen einladen. “Das ist hier wie eine große Familie. Die Gäste haben als Gemeinsamkeit die Erotik und sind auf sexueller Ebene offener. In Sekunden entwickeln sich Gespräche zwischen Leuten, die sich vorher noch nie gesehen haben”, erzählt Kai, der normale Kneipen mittlerweile richtig langweilig findet. Neben ihrem Job in der Erotik-Bar, den sie als Hobby sehen, führen Kai und Dolli ein ganz normales Familienleben und stehen beruflich auf festen Beinen.

Viermal in der Woche sind sie sich im “echt-heiss” als Gastgeber aktiv für erotisch aufgeschlossene Paare, Männer und Frauen ab 18 Jahren, die ihre Vorlieben und Fantasien einmal anders ausleben möchten. “Wir haben eine Erotik-Bar. Der Rest bleibt den Gästen überlassen, solange sich dabei niemand gestört fühlt. Natürlich sieht man schon mal das eine oder andere nackte Körperteil, aber das ist okay.” Ärgerlich findet der Barbesitzer das Vorurteil, demzufolge in Swinger-Clubs ständig wilde Orgien gefeiert würden.

“Ein Swinger ist lediglich jemand, der gerne zuschaut, zuschauen lässt oder erotisch handelt. Nur ein kleiner Prozentsatz davon vollzieht auch wirklich den Partnertausch”, sagt Kai, der diese Form von Sexualität als “Appetit holen” ansieht. Wichtig sei dabei nur, dass vorher mit dem Partner Grenzen abgesprochen würden, damit keine Eifersucht entstehe. “Es ist unglaublich, aber diese Bars werden immer gesellschaftsfähiger. Es kommt schon mal vor, dass sich hier auch Arbeitnehmer und Arbeitgeber begegnen, was aber keinem von beiden peinlich sein muss, weil sie ja aus dem gleichen Grund hier sind.”

von Christina Klinghagen