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JOBS IM AUFTRAG DER LIEBE - TEIL 1: DER MODELLBAUER
Der will doch nur spielen
Was haben ein Telefonseelsorger, eine
Partnerschaftsvermittlerin und der Betreiber eines Strip-Clubs gemeinsam?
Eigentlich nicht viel, wären da nicht ihre Berufe. Die haben alle
etwas mit Liebe oder Erotik zu tun. Doch welche Menschen stecken
hinter diesen Tätigkeiten? Glaubt eine Partnerschaftsvermittlerin
wirklich an die große Liebe? Und wie erklärt ein Sexshop-Betreiber
seiner Oma, womit er Geld verdient? In unserer neuen Serie gehen
wir genau diesen Fragen nach. Zum Auftakt sprachen wir mit einem
"Modellbauer".
Heiko Posener vor seinen verschiedenen Modellen.
Foto: Dana Heide
Heiko Posener sorgt dafür, dass Paddy Pinguin und Dolly Dolphin ein Gesicht bekommen. Und er stattet Paul und Paulina, Freaky Fritz und Patchy Paul mit einem Motor aus. Nein, hier handelt es sich nicht um süße Stofftiere, sondern um Dildos und Vibratoren, die wie Delfine, Würmer oder Pinguine aussehen und für die der Modellbauer beim Bremer Sexspielzeughersteller „Fun Factory“ die Formen und Motoren zur Serienproduktion anfertigt.
Begonnen hat alles ganz harmlos. Als Kind baute Heiko Posener gerne Schiffsmodelle und machte später sein langjähriges Hobby mit einer klassischen Modellbauer-Ausbildung zum Beruf. Durch Zufall kam er dann über einen Bekannten zur „Fun Factory“. Anfangs war der Umgang mit den Formen für die Sexspielzeuge für den 41-jährigen natürlich ungewohnt. „Doch eigentlich unterscheidet sich der Bau von Vibratoren, Dildos und anderen Sextoys nicht sehr von dem, was beispielsweise ein Zahntechniker macht. Die Modelle sind eben nur in Gestalt und Größe etwas anders“, meint Heiko Posener schmunzelnd.
Mit Freunden und Familie spricht er mittlerweile ganz offen über seinen Beruf. „Anfangs kichern die meisten, wenn ich von meiner Tätigkeit erzähle, im Nachhinein sind sie dann aber sehr interessiert und fragen, ob ich ihnen nicht einmal einen Katalog mitbringen kann.“ Als Heiko Posener bei der „Fun Factory“ anfing, flossen auch immer eigene Ideen bei der Gestaltung der Sexspielzeuge ein, heute bestimmt ein Designer die genauen Vorgaben. Der Modellbauer setzt die Ideen dann nach dessen Wünschen um.
Im Sinne der ständigen Produktverbesserung nimmt Heiko Posener aber immer noch ab und zu ein Spielzeug mit nach Hause. „Den Mitarbeitern steht es frei, so viele Produkte kostenlos mit zu nehmen, wie sie möchten. Da fragt auch keiner, wofür man die speziell haben will.“ Anhand der Testergebnisse entwickelt der Sexspielzeug-Modellbauer dann neue Motoren für Vibratoren oder neue Oberflächen für Dildos, damit es nicht langweilig wird in Bremens Betten.
von Dana Heide