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JOBS IM AUFTRAG DER LIEBE - TEIL 2: DIE TELEFONISTIN

Zweitjob an der Strippe

In vielen Zeitschriften kann man sie finden, die eindeutigen Anzeigen, bei denen man nur eine Telefonnummer entfernt ist von den leicht bekleideten, lüstern blickenden Frauen, die sich für Flirts und mehr anbieten. Wer will bei solch einem Telefonat nicht einmal Mäuschen spielen? Im zweiten Teil unserer Serie „Jobs im Auftrag der Liebe“ sprachen wir mit einer „Telefonistin“ einer Flirtline über mehr oder weniger lustige Seiten ihres Berufes.


Eine junge Frau liegt mit einem orangen Telefonhörer im Gras und träumt. (Foto: phtocase.com/Jens Lorenberg)

Fast wie Telefonseelsorge: Flirtlines.
Foto: photocase.com/Jens Lorenberg

Aus Neugier und auf der Suche nach einem Zweitjob meldete sich Bettina* vor fünf Jahren auf die Zeitungsannonce einer Flirtline. Es brauchte keine lange Einarbeitung, bis ihr der erste Mann durchgestellt wurde. Trotz zittriger Stimme dauerte die Unterhaltung eine Stunde, ohne dabei auf die Telefonsex-Schiene zu gleiten, denn Thema war das heiß geliebte Hobby des Kunden – sein Auto!

Die Kunst ein Gespräch zu führen, liegt im Einfühlungsvermögen. „Man muss spätestens nach dem zweiten Satz wissen, mit welchem Typ Mann man es zu tun hat“, berichtet Bettina. Für sie gibt es grob gesehen drei Kategorien: den kein Blatt vor den Mund nehmenden Draufgänger, den von Selbstzweifeln geplagten Schüchternen und den Gesprächssuchenden, der einfach nur einsam ist und einen guten Zuhörer benötigt. Männer aus letzterer Kategorie schreckten auch eher vor Telefonsex zurück.

Als Einstieg wählt Bettina meist allgemeine Themen: das Aussehen, den Beruf oder die Hobbys. Denn „die meisten Männer wollen einfach reden. Wichtig ist, dass es nicht zum Telefonsex kommen muss.“ Das biete auch den Vorteil, dass der Mann nicht allzu schnell das Gespräch beendet und darüber freue sich schließlich der Arbeitgeber.

Oft gleicht Bettinas Job auch dem einer Telefonseelsorgerin. Einmal wendete sich z.B. ein junger Mann Hilfe suchend an sie. Alkoholisiert hatte er zum zweiten Mal einen Unfall verursacht, einen Menschen verletzt und Fahrerflucht begangen. „Auf dem Fußboden liegend drohte er aus Angst vorm Gefängnis, sich umzubringen.“ Bettina selbst fühlt sich nach solchen Telefonaten sehr erschöpft und versucht das Erlebte im Gespräch mit ihrem Mann zu verarbeiten.

Dennoch fällt die Bilanz ihrer Arbeit bei der Flirtline positiv aus. Ein schlechtes Gewissen hat sie nicht, denn es handelt sich ja in erster Linie um eine Dienstleistung. Natürlich gebe es Männer, die sie beschimpften, aber letztlich überwögen die amüsanten Momente und netten Gespräche, die ihr den Spaß am Job garantierten. Spaßig war u.a. ein Domina-Gespräch, bei dem ein Befehl ein bisschen zu kräftig „in die Hose“ ging, als der Gegenstand, den sich der Mann einführen sollte, plötzlich in unerreichbare Tiefen gerutscht war – lasst eure Phantasie einfach spielen…!
Ihre Kundschaft zieht sich durch alle Schichten und Altersklassen: vom Professor, der mit ihr über Literatur philosophiert, über den Bauarbeiter, der in der Mittagspause Entspannung sucht, bis zum flüsternden Ehemann, dessen nichts ahnende Frau im Nebenzimmer schlummert. Bettinas Familie toleriert ihren Nebenjob, aber aufgrund des anrüchigen Images finden es die Wenigsten gut. Deswegen hält es Bettina auch geheim und erzählt lieber, sie würde bei einer Telefonseelsorge arbeiten. Und ganz gelogen ist das ja auch nicht … Rebecca Klein

*Name von der Redaktion geändert

von Rebecca Klein