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JOBS IM AUFTRAG DER LIEBE - TEIL 2: DIE TELEFONISTIN
Zweitjob an der Strippe
In vielen Zeitschriften kann man sie
finden, die eindeutigen Anzeigen, bei denen man nur eine Telefonnummer
entfernt ist von den leicht bekleideten, lüstern blickenden Frauen,
die sich für Flirts und mehr anbieten. Wer will bei solch einem
Telefonat nicht einmal Mäuschen spielen? Im zweiten Teil unserer
Serie „Jobs im Auftrag der Liebe“ sprachen wir mit einer „Telefonistin“
einer Flirtline über mehr oder weniger lustige Seiten ihres Berufes.
Aus Neugier und auf der Suche nach einem Zweitjob meldete sich
Bettina* vor fünf Jahren auf die Zeitungsannonce einer Flirtline.
Es brauchte keine lange Einarbeitung, bis ihr der erste Mann durchgestellt
wurde. Trotz zittriger Stimme dauerte die Unterhaltung eine Stunde,
ohne dabei auf die Telefonsex-Schiene zu gleiten, denn Thema war
das heiß geliebte Hobby des Kunden – sein Auto!
Die Kunst ein Gespräch zu führen, liegt im Einfühlungsvermögen.
„Man muss spätestens nach dem zweiten Satz wissen, mit
welchem Typ Mann man es zu tun hat“, berichtet Bettina. Für
sie gibt es grob gesehen drei Kategorien: den kein Blatt vor den
Mund nehmenden Draufgänger, den von Selbstzweifeln geplagten
Schüchternen und den Gesprächssuchenden, der einfach nur
einsam ist und einen guten Zuhörer benötigt. Männer
aus letzterer Kategorie schreckten auch eher vor Telefonsex zurück.
Als Einstieg wählt Bettina meist allgemeine Themen: das Aussehen,
den Beruf oder die Hobbys. Denn „die meisten Männer wollen
einfach reden. Wichtig ist, dass es nicht zum Telefonsex kommen
muss.“ Das biete auch den Vorteil, dass der Mann nicht allzu
schnell das Gespräch beendet und darüber freue sich schließlich
der Arbeitgeber.
Oft gleicht Bettinas Job auch dem einer Telefonseelsorgerin. Einmal
wendete sich z.B. ein junger Mann Hilfe suchend an sie. Alkoholisiert
hatte er zum zweiten Mal einen Unfall verursacht, einen Menschen
verletzt und Fahrerflucht begangen. „Auf dem Fußboden
liegend drohte er aus Angst vorm Gefängnis, sich umzubringen.“
Bettina selbst fühlt sich nach solchen Telefonaten sehr erschöpft
und versucht das Erlebte im Gespräch mit ihrem Mann zu verarbeiten.
Dennoch fällt die Bilanz ihrer Arbeit bei der Flirtline positiv
aus. Ein schlechtes Gewissen hat sie nicht, denn es handelt sich
ja in erster Linie um eine Dienstleistung. Natürlich gebe es
Männer, die sie beschimpften, aber letztlich überwögen
die amüsanten Momente und netten Gespräche, die ihr den
Spaß am Job garantierten. Spaßig war u.a. ein Domina-Gespräch,
bei dem ein Befehl ein bisschen zu kräftig „in die Hose“
ging, als der Gegenstand, den sich der Mann einführen sollte,
plötzlich in unerreichbare Tiefen gerutscht war – lasst
eure Phantasie einfach spielen…!
Ihre Kundschaft zieht sich durch alle Schichten und Altersklassen:
vom Professor, der mit ihr über Literatur philosophiert, über
den Bauarbeiter, der in der Mittagspause Entspannung sucht, bis
zum flüsternden Ehemann, dessen nichts ahnende Frau im Nebenzimmer
schlummert. Bettinas Familie toleriert ihren Nebenjob, aber aufgrund
des anrüchigen Images finden es die Wenigsten gut. Deswegen
hält es Bettina auch geheim und erzählt lieber, sie würde
bei einer Telefonseelsorge arbeiten. Und ganz gelogen ist das ja
auch nicht … Rebecca Klein
*Name von der Redaktion geändert
von Rebecca Klein