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Traditionsgebäck darf künftig nur noch in der Hansestadt und umzu hergestellt werden EU stellt Bremer Klaben unter Schutz

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Wilfried Schnaare hatte die Hoffnung zwischenzeitlich schon aufgegeben. Jahrelang hatte sich der Obermeister der Bremer Bäckerinnung um ein EU-Zertifikat bemüht, das den Bremer Klaben vor Nachahmern schützen sollte. Das Siegel "geschützte geografische Angabe" garantiert, dass der gute Name regionaler Spezialitäten nicht missbraucht wird. 1996 beantragten die Bremer Bäcker den Markenschutz ihres weihnachtlichen Rosinengebäcks, in der Hoffnung, dass sie schon bald seine einzigen Produzenten sein würden.

Was folgte, war eine nicht enden wollende Odyssee durch Ämter und Ministerien. Immer wieder bremsten wechselnde Zuständigkeiten und andere Unzulänglichkeiten den Vorgang. "Etliche Kollegen haben mir schon gesagt: Lass den Schiet doch sein", erinnert sich Schnaare. Doch der Bäckermeister wollte die Chance nicht verstreichen lassen. Das Beispiel der Dresdner Kollegen, die es geschafft hatten, ihren geschützten Christstollen weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt zu machen, war zu verlockend. Die Bäcker bewegten schließlich sogar Bremer Bürgerschaftsabgeordnete dazu, bei den zuständigen Behörden auf eine Beschleunigung des Verfahrens zu pochen. Im Dezember vergangenen Jahres, 13 Jahre nachdem der Antrag eingereicht worden war, zahlte sich die Hartnäckigkeit aus. Die EU gewährte dem Bremer Klaben geografischen Schutz. Fortan dürfen nur noch Hersteller aus Bremen, Bremerhaven und dem angrenzenden Umland Bremer Klaben herstellen.

Der Klaben hat in Bremen Tradition wie kaum ein zweites Lebensmittel. Die erste urkundliche Erwähnung findet sich in Dokumenten des Bremer Rats aus dem Jahr 1593. Die Geschichte des Gebäcks ist eng verbunden mit der Seefahrtshistorie der Hansestadt. "Das viele Fett im Teig sorgt dafür, dass der Klaben lange haltbar bleibt und einen hohen Nährwert besitzt", erklärt Obermeister Schnaare. Ein ideales Nahrungsmittel also für die strapaziösen Seereisen vergangener Tage. Seeleute waren es auch, die viele der Zutaten, die in den Stollen gehören, erst nach Bremen brachten. Ein Klaben enthält in der Regel Rosinen, Weizenmehl, Butter, Zucker, Zitronat, Orangeat, Rum, Hefe, Salz, Zitronenschale und bisweilen etwas Kardamom. Allerdings hat jeder Bremer Bäcker und Konditorbetrieb sein eigenes Rezept. Und da jeder davon ausgeht, das beste zu haben, gilt es stets als großes Betriebsgeheimnis.

Umsetzung noch im Gange

Vom EU-Schutz erhoffen sich die Bremer Hersteller auch bessere Vermarktungsmöglichkeiten für ihr Gebäck. "Das Produkt hat jetzt ein Alleinstellungsmerkmal, das den Bekanntheitsgrad deutlich steigern kann", sagt Stefan Schiebe von der Kreishandwerkerschaft. Für viele Bremer Bäcker und Konditoren war das Traditionsgebäck schon vorher ein wichtiges Produkt. Etliche Tonnen Klaben werden in der Hansestadt Jahr für Jahr verkauft. Ein wachsender Absatzmarkt ist das Versandgeschäft. Immer mehr Menschen bestellen Bremer Klaben übers Internet. Oft sind die Kunden Exilbremer, die ihr Heimweh mit der importierten Gaumenfreude etwas dämpfen wollen. Aber auch viele Touristen, die während eines Bremenbesuchs auf den Geschmack gekommen sind, versorgen sich per Bestellung mit Nachschub.

Durch die EU-Regelung soll künftig ausgeschlossen sein, dass wie schon geschehen Großbäckereien - etwa aus Hamburg - Bremer Klaben produzierten und den heimischen Betrieben mit ihren ureigenen Produkten Konkurrenz machen. Für die Einhaltung der Vorgaben ist unter anderem die Bremer Lebensmittelüberwachung zuständig. Die befindet sich derzeit noch in Verhandlungen mit ihren niedersächsischen Amtskollegen. Das liegt daran, dass die EU nicht nur Bremen zur Klabenregion erklärt hat, sondern auch das Umland. Produzenten in angrenzenden Gemeinden sind künftig ebenso berechtigt, Bremer Klaben zu backen. "Das sehe ich als klaren Nachteil dieser Regelung", sagt Andreas Knigge, Obermeister der Bremer Konditoreninnung. Im Speckgürtel um die Hansestadt seien mehrere Großbäckereien ansässig, die von dem aufgeweichten Gebietsschutz profitierten. Für die Bremer Betriebe entstehe also nur eine bedingte Exklusivität. Dennoch bedeute der Gebietsschutz einen Imagegewinn für den Bremer Klaben.

Für Bäcker und Konditoren gilt es in den kommenden Monaten, die neuen Regeln umzusetzen. Jeder Klaben muss künftig mit dem Siegel "geschützte geografische Angabe" etikettiert werden. Außerdem müssen sich fortan sämtliche Produzenten an ein festgeschriebenes Grundrezept halten. Die hauseigenen Variationen sind auch weiterhin möglich. "Aber Rosinenbrot als Bremer Klaben zu verkaufen, geht definitiv nicht mehr", sagt Bäckermeister Wilfried Schnaare. Felix Doepmann von der Bremer Lebensmittelüberwachung sieht vor allem für die Verbraucher Vorteile: "Sie können sich jetzt sicher sein, dass sie eine gleichbleibende Qualität erhalten, wenn sie Bremer Klaben kaufen."

Spätestens zur nächsten Hauptsaison des Klabens, an Weihnachten 2011, soll die Regelung voll gegriffen haben. Wer nicht so lange warten will, erhält das Traditionsgebäck auch zu allen anderen Jahreszeiten. Für alteingesessene Hanseaten war der Klaben ohnehin schon immer mehr als nur ein Wintergebäck, weiß Bäckermeister Schnaare: "Echte Bremer essen ihren Klaben das ganze Jahr über - gern auch mal mit Schwarzbrot und Mettwurst.



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