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Eines der reparierten Weinfässer aus dem Apostelkeller ist mit Hilfe der Feuerwehr wieder an seinem alten Platz Judas kommt!

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Kräftige Männer, die das Judas-Fass in seine angestammte Ecke bugsieren.
Kräftige Männer, die das Judas-Fass in seine angestammte Ecke bugsieren.

Bremen. Judas kommt! Ein Heimkehrer, der nach monatelangem Exil wieder zurück an seinen angestammten Platz darf. Linke Reihe, ganz hinten, und direkt an der Wand, was sich als schwierig erweisen wird. Die Männer schwitzen, stöhnen und fluchen manchmal, weil es, verdammt, um Millimeter geht, nach links und rechts, nach vorn und nach hinten, immer passt es nicht, am Ende aber doch, richtig gut sogar.

Judas ist ein Weinfass, 100 Jahre und älter, so genau weiß man das nicht. Es ist im Ratskeller zu Hause, genauer: im Apostelkeller, zusammen mit den elf anderen Fässern. Sie liegen dort in Dunkelheit und dünsten ein Aroma aus, das der Ratskellermeister mit einem schönen Wort mal als "ehrwürdige Verfassung" beschrieben hat, ein Geruch von Sherry und Madeira, schwer und leicht zugleich, wenn er sich mit der Kühle des Kellers mischt.

Die Feuerwehr befestigt den Schlitten, auf dem das Fass liegt, an einem Stahlseil. Langsam wird die wertvolle Fracht  da
Die Feuerwehr befestigt den Schlitten, auf dem das Fass liegt, an einem Stahlseil. Langsam wird die wertvolle Fracht danach in den Keller hinuntergelassen.

Judas war kaputt, nicht ganz, aber auf dem Weg dorthin. Der Wein darin, ein 1748er Rüdesheimer, perlte aus den Ritzen, Fugen und Poren des Holzes, die Eiche konnte ihn nicht mehr richtig halten. Also musste das 1200-Liter-Fass repariert werden, beim Fassmacher draußen in Gröpelingen am Kap-Horn-Hafen. Krogemann heißt er, ein Meister. Auseinanderbauen, die defekten Dalben ersetzen, Kleber in die Fugen, Schilf dazwischen, zusammenbauen, fertig. So hat er das gemacht. Dann die Probe mit Wasser, alles dicht? Alles dicht!

Auf dem Schlitten hinab

Nun also der Moment, in dem es zurück geht in den Apostelkeller. Kein einfaches Unterfangen, überhaupt nicht. Das Fass mit der Nummer 17, warum gerade die 17, kann im Ratskeller niemand beantworten, steht zunächst einmal etwas verloren draußen vor dem Personaleingang; wie bestellt und nicht abgeholt, auf einem Metallschlitten mit Rädern dran. Um den Bauch trägt es Gurte, damit es fest drauf bleibt, wenn der Schlitten zum Keller hinunter gelassen wird.

Die Feuerwehr rückt an, vier Männer von der Wache 1, die mit ihrem Rüstwagen auf den Liebfrauenkirchhof schleichen. Sie müssen vorsichtig sein, das Fahrzeug wiegt 18 Tonnen, zu viel für den Boden um das Rathaus herum. Sieben Tonnen hält er aus, mehr nicht, denn unten ist ja der Keller. Also stellen sie den Wagen in sicherer Entfernung ab, 30 Meter bis zum Kellereingang, und so lang ist dann auch das Stahlseil für den Transport des Fasses.

Zuerst aber die Absperrung, rot-weißes Flatterband, das eine Ende wird an den Stadtmusikanten angebracht, an den Hufen des Esels, soll’s Glück bringen?

"Es darf um Gottes willen nichts kaputt gehen", sagt Arne Gröne. Er vertritt an diesem Tag den Kellermeister, Karl-Josef Krötz ist im Urlaub. Das erste Mal, dass eines der Fässer, die ohne Inhalt gut 250 Kilo auf die Waage bringen, zum Keller hinabgelassen wird. "Diffizil", sagt Gröne, und aufregend sowieso.

Die Leute hinter der Absperrung schauen neugierig, was die Feuerwehr am Rathaus will. Brennt es etwa, brennt das Weltkulturerbe? Doch gemach, das verraten schon die Feuerwehrleute, wie wenig sie sich beeilen, wie Ruhe herrscht und bedachtes Handeln – hier brennt nichts an, im Gegenteil, langsam alles, ganz langsam, sonst geht was schief.

Es sind das Seil und die Winde am Wagen, technische Hilfsmittel. Dazu noch die extra angefertigten Stahlschienen auf der steilen Steintreppe zum Keller hinab. Eine geführte Schlittenfahrt denkt man, ganz simpel, aber mitnichten.

Zuerst müssen die Feuerwehrleute und die Helfer vom Ratskeller ordentlich schieben und drücken, bis die Räder des Schlittens in der Spur sind. "Weiter, weiter", rufen sie und plötzlich: "Stopp!" Die beiden Hinterräder sind auf halber Fahrt nach unten aus den Schienen gerutscht. Eine heikle Situation, die nur mit Muskelkraft zu meistern ist. Dann legt sich auch noch eines der Vorderräder quer, es verkantet, aber das lässt sich schnell erledigen. Das Fass ist nun unten und wird hochkant von der Treppe runter auf eine Palette gestellt. Hubwagen drunter, und ab die Post zum Apostelkeller.

Doch so einfach ist das nicht, Millimeterarbeit, und manchmal schrammt es an den Wänden, der Gang ist schmal. "Kommt, kommt gut!", beruhigt einer die anderen und wohl auch sich selbst. Dann noch um die Ecke, und schließlich hinein ins Dunkle des Apostelkellers. Hinten, am Durchgang zum benachbarten Rosekeller, wird es etwas heller, zwei kleine Scheinwerfer, die gerade mal so viel Licht spenden, dass man sich in dem engen Keller nicht über den Haufen rennt.

Das Fass wird jetzt ganz vorsichtig auf sein altes Lager gekippt, zwei Ständer aus Stein, linke Reihe, letzter Platz. Es ist eine Ecke im Keller, und das ist das Problem. Eine Wand als Grenze, unverrückbar. Eine Nische, in die das Fass förmlich hineingemogelt werden muss. Holzkeile drunter, auf ewig, damit es sich auf dem harten Stein nicht irgendwann wund liegt. Und dann wird justiert, noch mal und noch mal, denn so ist das: Zieht, drückt oder schiebt man an der einen Seite, ist es auf der anderen schon wieder falsch, schief eben, geht nicht. Ein Geduldsspiel, doch irgendwann klappt es, das Fass liegt, wie es liegen soll, gute Arbeit, alle sind zufrieden.

Der alte Rüdesheimer hat im Stahlbottich gewartet und darf nun wieder ins Fass. Zwei, die zusammen gehören, das Fass und sein Wein. 100 Jahre schon, länger und noch lange Zeit.

www.weser-kurier.de/bremen



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