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Bremer Reederei Beluga heißt bald "Hansa Heavy Lift" Stolberg nun auch privat insolvent

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Er geht nun in die Privatinsolvenz: Niels Stolberg. Nach eigenen Angaben will damit sein verbliebenes Vermögen schützen.
Er geht nun in die Privatinsolvenz: Niels Stolberg. Nach eigenen Angaben will damit sein verbliebenes Vermögen schützen.

500.000 Euro aus einem "RTL-Spendenmarathon" im Herbst 2009 sollte Stolberg vom Konto des Hilfsprojekts für Tsunami-Waisen in Thailand abgezweigt und unrechtmäßig in sein Unternehmen geleitet haben. So lautete der Untreue-Vorwurf, der vor einigen Tagen aus unbekannter Quelle an die Öffentlichkeit drang. Ein Gutachten des renommierten Frankfurter Wirtschaftsprüfers Hendrik Ansink kommt nun zu einem anderen Schluss: "Die Prüfung hat keinerlei Anhaltspunkte für Verfehlungen ergeben", erklärte er gestern.

Ganz im Gegenteil: Die Mittel in Höhe von insgesamt 1062871 Euro seien in voller Höhe und ausschließlich für das Bauprojekt und laufende Kosten ausgeben worden. "Es ist kein Geld veruntreut worden." Über die Ausgaben lägen vollständige Rechenschaftsberichte und detaillierte Nachweise vor. Die fragliche halbe Million sei mit Zahlungen verrechnet worden, die von Beluga vorfinanziert worden seien - "was rechtlich wie betriebswirtschaftlich nicht zu beanstanden ist", so Ansink.

Der Wirtschaftsprüfer, der zuvor in Bremen bereits die Flughafenaffäre und die "Havenwelten" in Bremerhaven untersucht hatte, war vom Förderverein der "Beluga School for Life" mit der Untersuchung der Vorwürfe beauftragt worden. Die in Thailand investierte Summe sei sogar um 56294 Euro höher ausgefallen, als in einem Vertrag zwischen Stolberg und RTL vereinbart war, so Ansink. Warum aus der Buchung ein Untreue-Vorwurf abgeleitet worden war, kann sich der Wirtschaftsprüfer nicht erklären. Die ausgewerteten Unterlagen hätten auch dem heutigen Beluga-Management zur Verfügung gestanden.

Erleichtert reagierte gestern Willi Lemke. "Offenbar ist der Fall zuvor nicht ausreichend geprüft worden", sagte Bremens Ex-Bildungssenator und UN-Sonderbeauftragter Sport. Er ist zugleich einer der prominenten Förderer des Hilfsprojektes und schöpft nun gemeinsam mit dem Förderkreis wieder neue Hoffnung. Das Gutachten des Wirtschaftsprüfers sei gebraucht worden, um mit neuen Sponsoren den Fortbestand des Hilfsprojektes für Tsunami-Waisen zu sichern. Laut Lemke wird eine langfristige Perspektive bis 2015 angestrebt. Nahe Khao Lak werden 152 Kindern betreut und ausgebildet.

Zu Wort meldete sich gestern auch Niels Stolberg: "Ich war mir sicher, dass sich die Vorwürfe als unberechtigt herausstellen werden. Das ist hiermit geschehen", sagte Niels Stolberg gegenüber dieser Zeitung. Gleichzeitig verkündete er seinen Gang in die Privatinsolvenz. Der ehemalige Firmengründer reagiert damit nach eigenen Angaben auf Arrestbescheide in Höhe von 131 Millionen Euro, die der Beluga-Mitgesellschafter Oaktree gegen ihn erwirkt hatte. Er wolle sein verbliebenes Vermögen wie Hotel- und Gastronomiebetriebe dem Zugriff von Oaktree entziehen, erklärte Stolberg. Der US-Kapitalinvestor, mit 49,5 Prozent an der Reederei beteiligt, hatte Stolberg Anfang März suspendiert und ihn bei der Bremer Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Bilanzfälschung angezeigt.

Der Schritt ins Insolvenzverfahren ist offenbar mehr als ein Offenbarungseid. Sein Insolvenzverwalter solle Schadenersatzansprüche "gegen Dritte" prüfen, teilte Stolberg mit. Er erhoffe sich Aufklärung, ob der US-Finanzinvestor für die Insolvenz großer Teile der Reedereigruppe verantwortlich sei. Er hatte bereits vor knapp drei Wochen den Vorwurf erhoben, Oaktree habe Beluga "bewusst in die Insolvenz gedrückt".

Zwar startete die Reederei gestern den angekündigten Neuanfang mit 18 Schiffen und einer kleinen Kernmannschaft. Doch das ist offenbar nur eine Übergangslösung bis zum endgültigen Aus für Beluga. Oaktree plant, die Reederei in "Hansa Heavy Lift" umzubenennen und mit etwa 70 Mitarbeitern ein neues Domizil in Bremen zu beziehen. Das geht aus einem Strategiepapier des US-Finanzinvestors hervor, das dieser Zeitung vorliegt. Berichte Seiten 7 und 13



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