
Bremen. Christians Höfflings rechter Arm schnellt in die Höhe, während der linke weiche Wellen in die Luft zeichnet. "Der Schluss ist tiefer. Das machen wir gleich noch mal", ruft er. Wieder fährt sein Arm hektisch hin und her, seine Hände scheinen eine fremde Sprache zu sprechen. Höffling ist Chorleiter des ersten und einzigen lesbisch-schwulen Chors in Bremen.
"Da capo al dente", zu Deutsch "Von Anfang an mit Biss", wurde nicht nur zum Motto des Chors, sondern auch zu seinem Namen. "Den haben wir basisdemokratisch abgestimmt", erinnert sich Jürgen Schulenberg, einer der Chorgründer. Das war 1997. Inzwischen ist "Da capo al dente" eine feste Größe in der Bremer Chorszene und wichtiger Bestandteil im lesbisch-schwulen Kulturleben der Stadt. Jetzt blickt der Chor, der überwiegend aus Frauen besteht, auf 15 Jahre Harmonie und musikalischer Erfolgsgeschichte zurück.
Darüber, dass das Bestehen gebührend gefeiert werden muss, waren sich alle schnell einig. "Wir wollten klotzen, nicht kleckern", sagt Chorleiter Christian Höffling, der seit 2001 dabei ist. Unter dem Titel "Die Harmonie ist grenzenlos – Impressionen eines lesbisch-schwulen Chorlebens" geben die 44 Sängerinnen und Sänger am Sonnabend, 7. Juli, um 20 Uhr ein Konzert in der Glocke. Dass der Respekt vor Bremens ehrenwertem Konzerthaus groß ist, wird bereits in den Proben deutlich. Auch deshalb weil der Laienchor einen hohen Anspruch an sich selbst hat. "Wir singen das Programm komplett auswendig. Das macht es zu einer enormen Belastung für die Sänger und Sängerinnen", weiß der 45-jährige Chorleiter.
Als Jürgen Schulenberg den Chor 1997 gründete, war sein Einfall schon ganze drei Jahre alt. "Auf die Idee bin ich bereits 1994 während der Gay Games in New York gekommen", sagt der 56-Jährige. Der Grundgedanke versetzte ihn in so große Euphorie, dass er die Initiative ergriff und Bremens ersten lesbisch-schwul gemischten Chor ins Leben rief. "Ich habe viele Adressen gesammelt, Anzeigen geschaltet und Flyer verteilt. Die meisten sind über den Sportverein ,Wärmer Bremen’ gekommen", sagt der Gründer des Ensembles.
Unter der Leitung von Höffling und unterstützt von einer Stimmbildnerin, proben die 44 Sängerinnen und Sänger jeden Donnerstag von 20 bis 22 Uhr in der Musikschule in der Schleswiger Straße "Renaissance bis Pop queer durch die Epochen und Stilrichtungen, teilweise mit lesbisch-schwulen Umtextungen und choreographischer Präsentation".
Es ist früher Nachmittag, die Probe geht weiter. Mit einer Mischung aus alt einstudierten Songs, neu interpretierten Liedern und choreografischen Aspekten kommt die Gruppe auf etwa 20 Nummern für das Konzert. Und weil sich "Da capo al dente" bei Großprojekten immer auch einem Thema zuwendet, muss der Chor erschöpft und vom Größenwahn geplagt in die Kurklinik", wie Christian Höffling berichtet. Das Besondere dabei: "Die Ideen für das Kurklinik-Programm kamen wie immer alle aus dem Chor", sagt Höffling. Das ist aber nicht alles. Neben Musik lesbischer und schwuler Komponistinnen und Komponisten singt "Da capo al dente" auch lesbisch-schwule Geschichten.
Karten für das Konzert von "Da capo al dente" am Sonnabend, 7. Juli, um 20 Uhr gibt es unter anderem im Konzerthaus Glocke an der Domsheide. Die Kartenpreise liegen zwischen acht und 20 Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühr. Näheres im Internet unter www.dacapoaldente.de.





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