Das Schiff steht als Ausstellungstück in einem Präsentationsraum der Wilkens-Zentrale in der Straße An der Silberpräge in Hemelingen. Das Einzelstück besteht aus mehreren Kilogramm reinen Silbers - einem Edelmetall, das derzeit schwer nachgefragt ist. Gercken und seinem Mitgesellschafter Frank Kinze macht das im Moment mehr Sorge als Freude.
Silber ist 40 Prozent teurer geworden
Denn der Preis für das glänzende Edelmetall hat jetzt die Mauer von 22 Dollar pro Feinunze (31,3 Gramm) durchbrochen. Es ist damit so teuer wie seit 30 Jahren nicht mehr. Das wiederum wirkt sich auf die Rohstoffkosten für den Bremer Traditionsbetrieb aus, der in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag feiert, und in dem derzeit 48 Mitarbeiter Bestecke und Produkte der Geschenkartikeldekoration und -Kollektion herstellen.
'Die Beschaffungskosten für Silber haben sich in den letzten vier Jahren verdreifacht', sagt Gercken. 'Allein von Februar bis Oktober 2010 ist der Preis um
40 Prozent gestiegen. Es ist schwer, unternehmerisch angemessen darauf zu reagieren.' Materialkosten machen rund die Hälfte der Kosten aus bei der Silbermanufaktur. 'Wir können die Endverbraucherpreise aber nicht beliebig dieser Entwicklung anpassen', ergänzt Kinze. 'Auch unser eher hochpreisiges Geschäft unterliegt einer Preissensibilität der Kunden.' Die letzte Preiserhöhung gab es 2008. Den Grund für die massiven Preissteigerungen sehen die beiden Wilkens-Chefs hauptsächlich in Preis-Spekulationen sowie der Flucht von Anlegern in inflations- und krisensichere Investitionen. 'Vor allem Gold, aber inzwischen auch Silber, gelten in Krisenzeiten als sichere Häfen', sagt Gercken.
Leon Leschus, Rohstoff-Experte des Hamburgischen Weltwirtschafts-Instituts (HWWI) sagt, dass vor allem das viele billige Geld, das die Notenbanken in die Märkte gepumpt haben, den Anreiz für Rohstoffinvestitionen befeuert hätten. Und er glaubt, dass sich die Entwicklung fortsetzen wird. Silberpreise von 25 Dollar und mehr pro Feinunze seien nicht ausgeschlossen.Das hat zudem damit zu tun, dass Silber mittlerweile auch zum Industriemetall geworden ist. Es steckt in Spülmaschinen, Fernsehern, CDs, DVDs, Computern und Handys.
Eine Feststellung, die Gercken und Kinze zum Handeln zwingt. In der Krise mussten die Manager, die Wilkens 2006 vom vorherigen Besitzer Zwilling durch Management-Buy-Out übernommen hatten, zweistellige Umsatzverluste verkraften. Die Kunden halten Wilkens zwar stabil die Treue. Doch der Markt für die Bremer Silberschmiede ist aus traditionellen Gründen stark begrenzt: 80 Prozent ihres Geschäfts macht die Firma mit Bestecken. Und 70 Prozent ihrer Waren vertreibt sie in Deutschland.
'Wir wollen uns deshalb künftig auch auf anderen Märkten etablieren', sagt der gebürtige Hamburger Gercken. 'In Polen und Russland haben wir bereits erste Kontakte geknüpft', ergänzt sein Bremer Partner Kinze. 'Mittelfristig wollen wir uns auch nach China und USA orientieren.' Das wird aber noch dauern. Zunächst wollen die beiden Fußball-Fans in den Stammmärkten wieder richtig Fuß fassen. 'Wenn wir genug Überschuss erwirtschaftet haben, packen wir neue Märkte an', sagte Kinze, der Werder-Fan.
Ganz hanseatisch
Gercken, der HSV-Fan, sekundiert: 'Wir sind da ganz hanseatisch: Es wird nur das ausgegeben, was haben.' In den guten Zeiten bis Ende der 90er-Jahre habe die Firma es versäumt, die Abhängigkeit von den europäischen Märkten zu reduzieren. Als die Nachfrage dann vor rund zehn Jahren deutlich zurückging, habe man nicht mehr genügend Mittel gehabt, um sich konsequent in neuen Märkten zu etablieren.
Zunächst einmal ist aber das oberste Ziel, die Wirtschaftskrise endgültig zu überstehen. Und da sind beide guter Dinge. Kinze: 'Wir haben sicher noch nicht das Niveau von 2008 erreicht. Aber die Richtung stimmt. Wir setzen stark auf 2012.' Die breitere öffentliche Wahrnehmung der Marke durch das 200-Jahre-Jubiläum, hofft er, werde dem Unternehmen zusätzlichen Schwung verleihen.
Die beiden Wilkens-Chefs sind sich in ihrer Firmenstrategie völlig einig. 'Und das, obwohl der eine Bremer und der andere Hamburger ist', sagt Gercken und grinst über beide Ohren. 'Sie sehen: Das geht auch.' Uneinigkeit herrsche nur, versichert Kinze, beim Thema Fußball. 'Er muss bei uns in der Produktion immer durch eine richtige Werder-Fan-Ecke durch', sagt der 47-Jährige. 'Das ist hart für ihn.'
Der Spaß am Job ist den beiden Geschäftsführern also trotz der schwierigen Zeit in den vergangenen zwei Jahren nicht verlorengegangen. Und schwierig war es nicht nur wegen der Wirtschaftskrise. Für Wilkens kam auch noch die Pleite von Arcandor und die damit verbundenen Probleme mit Karstadt dazu - einem wichtigen Partner. Wilkens ist in zehn Karstadt-Kaufhäusern als Marke präsent. Der Umsatz mit dem Warenhaus brach während der Insolvenzphase zweistellig ein. 'Das war nicht hilfreich', sagt Gercken trocken. 'Wir sind nun gespannt auf das Sanierungskonzept von Berggruen.'




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