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Jonathan Franzen übertrifft sich selbst

05.09.20100 Kommentare
Jonathan Franzen
Jonathan Franzen (dpa)

In den USA wurde Franzen als potentieller Nachfolger seiner Landsleute Thomas Pynchon und Don DeLillo gesehen. Mit dem neuen Familienroman «Freiheit» etabliert sich Franzen nun endgültig als führende Figur der großen amerikanischen Literatur.

In den USA erschien «Freedom» am Mittwoch. Das Nachrichtenmagazin «Time» hatte Franzen schon zuvor die Titelseite gewidmet, eine Ehre, die nur wenigen Autoren vor ihm zuteil wurde. «Großer amerikanischer Romancier» stand in fetten Lettern unter einem Foto des sympathisch aussehenden 51-Jährigen.

Auch die gefürchtete Chefrezensentin der «New York Times», Michiko Kakutani, schwelgte: «Jonathan Franzens galvanischer neuer Roman stellt sein beeindruckendes literarisches Talent zur Schau, außer den essentiellen Erzählkünsten jede Menge Extras.»

Die «USA Today» fand «Freiheit» große Klasse. «Franzen, der kratzbürstige Gott der Belletristik, ist zurück mit aller Gewalt.» Der britische «Guardian» fasste zusammen: «Ein Buch, das humorvoll, bewegend, voller Kraft, brutal und intelligent ist und das die entscheidende Frage stellt: "Worum geht es eigentlich im Leben". Mehr kann man sich nicht wünschen.»

«Freiheit» beginnt wie «Die Korrekturen» mit einer Ouvertüre, in der Franzen die Berglunds als Familie vorstellt und ihr Zuhause in einer Nachbarschaft im Mittleren Westen der USA. Walter Berglund ist Anwalt, der in einem multinationalen Unternehmen arbeitet, dessen Herz aber am Umweltschutz hängt. Seine Frau Patty, eine ehemalige Sportskanone, lindert ihren Frust als grüne Witwe mit Alkohol und später einer Affäre mit dem besten Freund ihres Mannes. Das Paar hat zwei Kinder, Sohn Joey und Tochter Jenny.

Äußerlich ist alles in Ordnung, führen die Berglunds ein glückliches Familienleben, erst unter Franzens Lupe zerbröselt das Bild von der heilen Welt. Sanft, fast beiläufig, aber perfekt toniert deckt er die Blößen seiner Charaktere auf. Anders als den Mitgliedern der Familie Lambert erlaubt Franzen den Berglunds, Schlüsse aus ihrem Dilemma zu ziehen und sich gradweise zu wandeln.

Eine der vielen Lehren seines neuen Romans, vielleicht dessen Essenz: Freiheit muss keineswegs glücklich machen. Im Interview des «Time»-Magazins warnt der Autor seine Landsleute: «Wenn wir Freiheit zum entscheidenden Maßstab für unsere Kultur und unsere Nation erklären, sollten wir sorgfältig prüfen, was uns Freiheit überhaupt bringt.» Damit wagt sich Franzen, der bisher vor allem die Lebensweise vieler Amerikaner aufs Korn genommen hatte, nun auch auf das politische Parkett.

Seine «Korrekturen» waren unmittelbar vor den Terroranschlägen des 11. September 2001 erschienen. Seitdem arbeitete Franzen an «Freiheit». Der Nachrichtenagentur dpa in New York sagte er einmal: «Der Schreibprozess bringt mit sich, dass ich mir das Leben fast zur Hölle mache. (...) Das heißt bei Romanen, dass ich mich erst einmal drei bis vier Jahre kreuzelend fühlen muss, bis meine Manuskriptseiten endlich zu atmen beginnen.»

Im Fall von «Freiheit» quälte sich der inzwischen 51-Jährige fast doppelt so lange. Seine Leser werden es ihm danken. «Freiheit» ist ein epischer Genuss, der fast süchtig macht. In Deutschland erscheint der Roman an diesem Mittwoch (8. September) beim Rowohlt Verlag.

Jonathan Franzen

Freiheit

Rowohlt Verlag, Reinbek

736 S., 24,95 Euro

ISBN: 978-3-498-2129-0. (dpa)


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Leserkommentare
djhg am 18.08.2017 07:27
@Werderland: Ich denke eher, dass Nouri und Baumann auch ihren Aussagen aus der letzten Saison gelernt haben und es deshalb eher intern ...
abrakadabra am 18.08.2017 07:26
Der Betrag ist ja wohl lächerlich ... Warum gibts da nicht wenigstens einen Punkt in Flensburg? Für Taxifahrer als angebliche Profis darf es auch ...
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