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Licht und rechter Winkel - Chipperfields Museum für Essen

03.01.20100 Kommentare
Neubau des Museum Folkwang
Neubau des Museum Folkwang (dpa)

Der britische Stararchitekt David Chipperfield hat für das heute in Essen beheimatete Museum Folkwang ein neues Haus entworfen, das nicht weniger staunen lässt. In nur zwei Jahren ist ein Gebäude entstanden, dessen klare Formensprache das Raumgebilde aus versetzten Kuben und hellen Innenhöfen zum sicherlich eindrucksvollsten Museums-Neubau der Nachkriegszeit im Westen macht. Der 56-jährige Chipperfield, der seine Komposition aus Licht und rechten Winkeln ganz der künftigen Kunstpräsentation untergeordnet hat, zeigt sich einmal mehr als legitimer Enkel des stilbildenden Bauhauses.

Am 30. Januar soll nun das neue Kunstmuseum, das auf Initiative des Industriellen Berthold Beitz (96) von der Krupp-Stiftung als einzigem Förderer mit 55 Millionen Euro ermöglicht worden ist, seine Türen öffnen. Dass der technisch wie ästhetisch höchst anspruchsvolle Bau exakt im Rahmen der vorgegebenen Kosten und Zeitplanung pünktlich zum Auftakt des Kulturhauptstadt-Jahres im Ruhrgebiet realisiert werden konnte, kommt einem kleinen Wunder gleich - und ist nicht zuletzt dem trickreichen Umgehen bürokratisch-kommunaler Hindernisse zu verdanken.

Rund 6200 Quadratmeter Ausstellungsfläche stehen jetzt, nach dem Abbruch eines unschönen Museumsbaus der 80er Jahre, für die Sammlung, für Wechselausstellungen und das umfangreiche Deutsche Plakat Museum zur Verfügung.

Am 20. März öffnet die erste Sonderausstellung, die unter dem Titel «Das schönste Museum der Welt» die Folkwang-Sammlung vor 1933 rekonstruiert und zahlreiche von den Nazis als «entartet» diffamierte Bilder aus aller Welt erstmals wieder nach Essen bringt (bis 25. Juli).   

Kern des Folkwang-Neubaus war der erhaltene, mittlerweile denkmalgeschützte Museumsbau der 1960er Jahre, dessen Maß und Modul sich der Brite, wie schon zuvor bei der historischen Substanz des Neuen Museums in Berlin, bescheiden unterworfen hat. Vier verglaste Innenhöfe bringen viel Tageslicht in das weitläufige, durchweg ebenerdige Raumensemble, das sich vom Foyer aus dank großzügiger Sichtachsen bereits auf den ersten Blick erschließt. «Man will sich verlieren, man will sich aber auch orientieren», beschreibt Chipperfield das Paradox moderner Museumsarchitektur.

«Das Gebäude ist konzipiert wie ein kleines Dorf mit Plätzen und Häusern», erklärt der Architekt der Deutschen Presse-Agentur dpa. Da gehört der raffiniert belichtete Wechselausstellungssaal mit allein 1400 Quadratmetern schon eher zu den größeren «Dorf-Häusern». Matt spiegelnder Estrichboden, je nach Lichteinfall unterschiedlich samtig-hellgrau wirkende Wände und große, fast immer zu den wenigen umgebenden Bäumen geöffnete Fenster markieren das von Funktion und Schönheit geprägte Museums-Innere.

Die Außenfront ist mit ihrer gletschereis-grünen Fassade aus wiederverwendetem Industrieglas absolut unverwechselbar. Gleichzeitig scheint das Quader-Gefüge an der vielbefahrenen Bismarckstraße fast zu schweben: Auch um das leicht abschüssige Gelände auszugleichen, stellte Chipperfield sein Museum wirkungsvoll auf einen hellen Sockel aus sandgestrahltem Beton.

Um die Idee des Museums als öffentlicher Raum, als Begegnungsstätte aller Bürger, zu unterstreichen, öffnete Chipperfield sein Haus mit einer breiten Freitreppe zur Innenstadt Essens. Eine einfache Glaswand säumt den einladenden, weitläufigen Eingangshof und dämmt den Lärm der vorbeibrausenden Autos. (dpa)


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Leserkommentare
djhg am 18.08.2017 07:27
@Werderland: Ich denke eher, dass Nouri und Baumann auch ihren Aussagen aus der letzten Saison gelernt haben und es deshalb eher intern ...
abrakadabra am 18.08.2017 07:26
Der Betrag ist ja wohl lächerlich ... Warum gibts da nicht wenigstens einen Punkt in Flensburg? Für Taxifahrer als angebliche Profis darf es auch ...
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