
Nur ein One-Hit-Wonder? Mit "Mr. Saxobeat" stürmte Alexandra Stan die Charts. Jetzt veröffentlicht die Rumänin ihr erstes Album.
Ihre Hitsingle "Mr. Saxobeat" dominiert seit Wochen die europäischen Charts. Die 22-jährige Sängerin Alexandra Stan ist dagegen ein musikalisch recht unbeschriebenes Blatt und kommt zu aller Verwunderung auch noch aus Rumänien. Während des Interviews in einem Kölner Hotel ist der neue Shootingstar des ehemals kommunistischen Landes so bescheiden wie professionell. Denn obwohl sie ihrer Heimat aufgrund der politischen Unterdrückung einen gewissen musikalischen Nachholbedarf attestiert, hat sie immerhin den Sommerhit dieses Jahres gelandet.

teleschau: Ist Rumänien stolz auf Dich, weil Du gerade in so vielen Ländern die Charts anführst?
Alexandra Stan: Ich glaube schon, ja. Rumänien ist aber stolz auf jeden, der auch schon national etwas bewegt. Ich habe mittlerweile eine Menge Fans in meiner Heimat. Sie schreiben mir immer auf meine Facebook-Seite. Diese Anerkennung ernteten dort zuvor vielleicht nur rumänische Sportler.

teleschau: Was unterscheidet denn einen rumänischen Sommerhit von den Sommerhits aus anderen Ländern?
Stan: Ich würde sagen, die Tradition. Wir leben im östlichen Teil von Europa, sind nahe an der türkischen und der russischen Kultur. Außerdem werden wir sehr vom Balkan beeinflusst. Dieses Feeling erkennt man auch in meinen Songs.

teleschau: Wie genau?
Stan: Zunächst bei den Beats und den Rhythmen. Und natürlich beim Saxofon. Es ist zwar gar kein traditionelles Instrument, auch weil es sehr schwierig zu spielen ist, aber es wird in unserer Kultur häufig benutzt.
teleschau: Was war der letzte Sommerhit in Rumänien, an den Du Dich erinnern kannst?
Stan: In Rumänien? Ich denke, das war "Hot" von Inna, einer rumänischen Sängerin.
teleschau: Du studierst Management. Wie bist Du von dort aus zur Musik gekommen?
Stan: Ich fing mit beidem gleichzeitig an. Aber was soll ich sagen, die Musik bot mir einfach mehr Möglichkeiten und Optionen als die Universität. Deshalb habe ich das Studium nun in meinem letzten Jahr unterbrochen. Aber vielleicht gelingt es mir, es im nächsten Jahr zu Ende zu bringen.
teleschau: Was ist Deiner Meinung nach der Unterschied zwischen einem Star aus Rumänien und einem aus Deutschland, Großbritannien oder den USA?
Stan: In der Vergangenheit gab es da sicherlich große Unterschiede, auch, weil uns keiner so recht zutraute, erfolgreiche Popmusik zu machen. Aber mit O-Zone, Akcent, Inna und vielleicht auch Alexandra Stan hat sich der Blick auf Rumänien in Westeuropa und auch im Rest der Welt verändert. Das ist sehr wichtig für uns, denn es gibt wirklich viele Talente in Rumänien, sowohl bei den Produzenten als auch bei den Sängern. Aber in der Vergangenheit hatte niemand den Mut, sich zu präsentieren. Wir sind ein kleines Land, und keiner glaubte daran, dass beispielsweise die Deutschen uns überhaupt wahrnehmen. Aber jetzt nehmt ihr uns ja wahr, und das motiviert uns und macht uns selbstbewusster.
teleschau: Was macht einen rumänischen Star denn einzigartig?
Stan: Unser Land war jahrzehntelang kommunistisch. Ich glaube, deswegen ist die Musikszene ein wenig unterentwickelt. Wir hörten kaum Musik aus anderen Ländern, auch, weil sie einfach nicht gespielt wurde. Deswegen beschäftigten wir uns sehr mit unserer eigenen Musik. Zwar wird in Deutschland produzierte Musik international durchaus akzeptiert, aber im Grunde ist es immer noch so: Wenn jemand nach der Herkunft eines Künstlers oder Komponisten fragt und die Antwort lautet Rumänien, Aserbaidschan oder Bulgarien, dann ist die Reaktion immer noch verhalten. Das finden die Leute immer noch etwas merkwürdig (lacht).
teleschau: Am Anfang Deiner Karriere warst Du nach eigener Aussage sehr schüchtern. Wie hast Du diese Zurückhaltung überwunden?
Stan: Ich war eher bescheiden, ich wollte mich nicht in den Vordergrund drängen, weil ich Angst hatte, einen Fehler zu machen. Aber mit der Zeit habe ich meine Ängste besiegt und gelernt, mich vor ein Publikum zu stellen und mich einfach so zu geben, wie ich mich gerade fühle. Am Anfang plante ich alles, sogar die Ansagen zwischen den Songs. Wenn da etwas nicht exakt funktionierte, warf mich das völlig aus der Bahn. Aber jetzt vertraue ich meinem Gefühl und meiner Intuition. Für einen Künstler ist es wichtig, seinem Gefühl zu vertrauen.
teleschau: Du kommst aus Constanta. Gibt es dort eine Clubszene?
Stan: Ja, die Clubs dort haben sich in den letzten Jahren toll entwickelt. Und alle gehen hin, auch wenn man gerade nicht so viel Geld hat. Es ist eben die beste Art, sich zu entspannen und die Alltagsprobleme hinter sich zu lassen. In Constanta haben wir das Schwarze Meer direkt vor der Tür, im Sommer ist deswegen immer viel los, es sind eine Menge hübscher Mädchen und Jungs dort, berühmte Leute aus aller Welt legen auf, und es gibt viel Action.
teleschau: Hast Du schon entschieden, wie lange Du mit der Musik weitermachen möchtest?
Stan: Ich will natürlich mein Studium beenden. Aber das kann ich auch noch mit 40, dafür ist es eigentlich nie zu spät. Musikalisch gesehen kann ich gerade gar nicht sagen, was der nächste Schritt sein wird. Wir versuchen zu verstehen, wie sich der Musikmarkt entwickeln wird, und planen eher intuitiv. Deswegen kann ich auf diese Frage eigentlich gar keine richtige Antwort geben.
teleschau: Wärst Du denn enttäuscht, wenn Du mit "Mr. Saxobeat" außerhalb von Rumänien nur ein One-Hit-Wonder bleiben würdest?
Stan: Ja, natürlich. Aber ich bin realistisch und weiß sehr wohl, dass es ziemlich schwierig ist, einen Hit nach dem anderen zu landen. Außerdem fühle ich mich ganz wohl bei der Vorstellung, dass die nächste Single vielleicht nicht so erfolgreich sein wird wie "Mr. Saxobeat". Aber vielleicht wird die dritte oder vierte Single wieder extrem erfolgreich. Ich gebe jedenfalls nicht auf (lacht).
teleschau: Welche Art von Musik hörst Du momentan privat am liebsten?
Stan: Ich versuche mich in allen Musikstilen weiterzubilden, deswegen höre ich ziemlich viele unterschiedliche Sachen. Momentan aber vor allem Dancemusic, schließlich ist das ja die Musik, die ich auch selbst mache.
teleschau: Gab es irgendetwas im Musikgeschäft, das Du Dir zuvor ganz anders vorgestellt hast, als es in Wirklichkeit ist?
Stan: (überlegt) Nein, nicht wirklich. Ich habe immer davon geträumt, mal so berühmt zu sein und vor 50.000 Leuten zu singen. Aber ich hatte keine Ahnung, wie ich dahin kommen könnte. Wenn man einen Traum hat, sollte man sich diesen immer bildlich vorstellen.
teleschau: Waren in dieser Vorstellung auch Termine wie der beim "Morgenmagazin" vorhanden, für die man um drei Uhr nachts aufstehen muss?
Stan: Man kann das Musikerdasein natürlich auch als Hobby ausleben, aber das ist nicht das gleiche. Wenn man Karriere machen möchte und davon leben will, muss man eben hart arbeiten, und wenn es sein muss, auch mal um drei Uhr nachts aufstehen. Es gibt nichts umsonst, man muss sich den Erfolg verdienen.
teleschau: Hast Du selbst ein Instrument gelernt?
Stan: Als ich noch klein war, probierte ich alles aus. Meine Eltern schickten mich zum Klavierunterricht, aber ich hörte schon nach einem Jahr wieder auf. Im Alter ist es allerdings nicht mehr so leicht, ein Instrument ordentlich zu lernen. Aber die Gitarre reizt mich momentan, das ist nicht ganz so schwierig (lacht).
teleschau: Gibt es einen Künstler, mit dem Du gerne mal zusammenarbeiten würdest?
Stan: Ich würde gerne mal Lady Gaga oder Rihanna treffen. Die großen Stars, sie sind ja auch bloß Menschen. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass die wirklich berühmten Leute normaler sind als wir.
teleschau: Was war die prägendste Erfahrung, die Du als Popstar bisher machen durftest?
Stan: Ich fühlte mich sehr befreit, als ich meine Angst vor Videodrehs und Fotoshootings überwunden hatte. Ich hatte davor immer Selbstzweifel. Ich fühlte mich nicht hübsch genug, hatte Angst davor, dass die Leute mich auslachen, weil ich zu dünn oder zu dick bin. Die prägendste Erfahrung war somit wohl das Fotoshooting für die englische Ausgabe des FHM, auf dessen Cover ich im Oktober zu sehen sein werde. Während des Shootings merkte ich, dass ich mich für nichts schämen muss. Die Leute dort waren sehr nett und straight, sie sagten mir, dass ich vor der Kamera einfach das machen solle, worauf ich gerade Lust hätte. Sie redeten mir nicht rein. Das war sehr angenehm.
teleschau: Wie sollte Dein persönlicher Mr. Saxobeat denn sein?
Stan: Perfekt (lacht). Aber das ist natürlich unmöglich. Doch wenn du mich fragst, wie mein Freund sein sollte, würde ich mir von ihm vor allem Verständnis wünschen. Er sollte verstehen, wie ich lebe und wie ich nicht leben möchte. Er sollte nachvollziehen können, dass ich gerne spät ins Bett gehe. Und ich könnte auf gar keinen Fall mit einem Mann zusammen sein, der sich nicht für Musik interessiert.



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