
Lustige Tänzchoreografien, Pyrotechnik, Wasserfälle und jede Menge Hits - zum 20-jährigen Bühnenjubiläum lässt sich DJ Bobo nicht lumpen: "Dancing Las Vegas" heißt seine neue Show, die noch spektakulärer, größer und glamouröser anmutet als seine bisherigen und die ihn erneut durch Deutschlands große Hallen führt. Längst ist der mit zehn World-Music-Awards ausgezeichnete Eurodance-Barde der erfolgreichste Schweizer Musikkünstler aller Zeiten. Im Interview erzählt der 44-Jährige, wie er sich über die Jahre halten konnte und warum er trotzdem nie cool sein wird.
teleschau: Ihre neue Show heißt "Dancing Las Vegas". Sie spielten im letzten Jahr die 1001. DJ-Bobo-Show tatsächlich im US-Spiele-Mekka.

DJ Bobo: Wir dachten uns, wenn wir schon 20-jähriges Jubiläum haben, dann wäre Las Vegas der perfekte Ort, um das zu feiern. Wir sind also im neuen Hard Rock Cafe auf dem Strip aufgetreten. Da war ein wunderschöner Saal mit 1.200 Plätzen. Im Nachhinein wundere ich mich selber, warum wir das nicht früher gemacht haben. DJ Bobo und Vegas passen als Marken doch perfekt zusammen.
teleschau: Was für Leute waren im Publikum?

DJ Bobo: Fans aus der ganzen Welt! Die amerikanischen Fans sind verstreut über das ganze Land, von Kanada bis Florida. Das sind Leute, die irgendwann in den Neunzigern mit mir in Berührung kamen. Sie folgen mir jetzt übers Internet. Früher waren sie natürlich auf die CDs angewiesen. Ich hatte ja noch nie zuvor in Amerika gespielt. Für die war mein Auftritt ein Riesenereignis.
teleschau: Hat Sie das überrascht?

DJ Bobo: Absolut. Die brachten alle ihre alten CDs mit. Ich schrieb danach stundenlang Autogramme. Dabei merkte ich, dass es für die Leute ein wichtiger Tag ist. Das ist ungefähr so, als würde man Tony Bennett zum ersten Mal live sehen, nachdem man seine Karriere schon 30 Jahre verfolgt hat.
teleschau: Haben Sie auch Siegfried und Roy zu Ihrer Show eingeladen?
DJ Bobo: Nein, aber der Schweizer Botschafter kam extra aus Washington angereist, um mich in Amerika zu begrüßen! Das war eine große Ehre.
teleschau: Inwiefern haben Sie sich in Vegas von den vielen Cirque-Du-Soleil-Shows inspirieren lassen?
DJ Bobo: Ich war ein Jahr zuvor eine ganze Woche lang dort. Ich habe jeden Tag zwei Shows gesehen: von ganz kleinen bis zu den großen wie "O" oder die Elvis- und Beatles-Show. In Vegas haben sie eigens Häuser für diese Stücke gebaut, das kann man auf einer Tour nicht kopieren. Den goldenen Anzug und die Showgirls mit den Federkostümen habe ich mir dann allerdings doch von der Elvis-Show abgeguckt.
teleschau: Eine richtige Elvis-Tolle kriegen Sie aber nicht mehr hin, oder?
DJ Bobo: Ne, das muss auch nicht. Das geht auch ohne.
teleschau: Haben Sie denn überhaupt eine Verbindung zu Elvis?
DJ Bobo: Meine allererste Schallplatte, die ich von meiner Patin geschenkt bekam, war eine blaue Elvis-Best-of aus Frankreich. Ich habe sie damals immer gehört. Die habe ich jetzt noch bei mir zu Hause. Allerdings ist da "Viva Las Vegas" gar nicht drauf. Ich covere das Stück auf meinem neuen Album.
teleschau: Was sind das für Menschen, die heute Ihre aufwendigen Shows in Deutschland besuchen?
DJ Bobo: Wir haben mal eine Studie gemacht, weil wir das genau wissen wollten. Die Leute, die sich unsere Shows anschauen, sind überdurchschnittlich gebildet, sie stehen mit beiden Beinen im Leben, haben oft Familien, sind überwiegend verheiratet und haben ganz normale Jobs. Nur bei den 15- bis 25-Jährigen tut sich eine Lücke auf, was aber auch logisch ist.
teleschau: Weil man sich in dem Alter zu gewissen Dingen nicht bekennen kann?
DJ Bobo: Ja, genau. Ich bin ja auch nicht im Trend. Ich war es mal, da haben mich die Kids groß gemacht. Die "Bravo"-Generation hat mich dorthin katapultiert, wo ich in den Neunzigern war. Dann lassen sie dich natürlich irgendwann fallen und lösen sich von ihrer Kindheit. Und die kommen jetzt wieder in ganzen Gruppen zurück in die Konzerte.
teleschau: Was suchen sie bei Ihnen?
DJ Bobo: Ihre Kindheit! Die holen sich noch einmal ihre frühe Teenagerzeit zurück.
teleschau: Sie haben Shows mit Vampiren gemacht und mit Piraten. Immer gibt es viel Pyrotechnik und Tanz. Ist es im Prinzip immer das Gleiche, was Sie machen - Sie tauschen nur die Themen aus?
DJ Bobo: Ja, im Prinzip macht das schon die Marke DJ Bobo aus. Dafür stehe ich. Und dann werden die Zutaten gemischt mit neuen Kostümen, neuem Bühnenbild und mit neuen Songs angereichert. Wir beginnen immer mit einem weißen Blatt Papier, wenn wir loslegen. Und so lange wir noch Ideen haben und sich das Blatt füllt, ist alles gut. So halte ich es auch spannend für mich. Denn die elementaren Hits sind natürlich die gleichen.
teleschau: Singen Sie die alten Stücke denn noch gerne?
DJ Bobo: Ich gehe ja nur alle zwei Jahre auf Tour. Da freust du dich sogar drauf! Es gibt nichts Schöneres, als die großen Hits zu spielen, und die Reaktion der Leute zu spüren. Die sind ja selber überrascht, wie viele Songs sie von mir kennen. Wir haben 30 Charthits gehabt, und davon spielen wir ungefähr 20. Und sieben bis neun neue Lieder.
teleschau: Kennt Ihr Publikum überhaupt die neuen Songs?
DJ Bobo: Nicht annährend so gut. Aber das geht doch auch den Stones so, wenn die auf Tour kommen. Dann heißt es: Hört auf mit dem neuen Scheiß, spielt die Hits! Aber wenn ich gar keine neuen Lieder spielen würde, dann hätte ich mich aufgegeben.
teleschau: Stört es Sie, dass Sie in erster Linie als Performer und Entertainer wahrgenommen werden und weniger als Musiker?
DJ Bobo: Nein, dieses Gewand habe ich mir selber angezogen. Ich komme ja aus der Eurodance-Ecke. Diese Ecke war nie akzeptiert. Das war immer wie ein Unfall für die Musikbranche. So wie die neue deutsche Welle in den Achtzigern einer war. Das hat funktioniert, aber keiner weiß bis heute, warum. Bei Eurodance war das genauso. Die Amis wissen bis heute nicht, warum wir vier Jahre lang Amerika dominierten mit Musik, die sie selbst nicht machen konnten. Das konnten nur wir. Und wir waren nicht so viele. Wir waren ungefähr 50 bis 60 Bands und Produzenten. Und heute ist es wieder so mit David Guetta und solchen Leuten. Die haben jetzt diesen Moment. Und wir hatten ihn vor 20 Jahren.
teleschau: Fühlen Sie sich dadurch ein wenig rehabilitiert, sind Sie vielleicht sogar auf dem Weg zur Coolness?
DJ Bobo: Nein. Bobo wird nie cool werden. Das ist okay. Ich habe mal mit 18 Jahren neben Peter Maffay bei "RSH Gold" gesessen, und er sagte zu mir: "Es ist so anstrengend, dieses Schlager-Image loszuwerden. Ich arbeite schon so viele Jahre daran, dass man mich ernst nimmt als Musiker, und ich werde noch mal zehn Jahre brauchen." Und er hatte Recht. Er war damals im Umbruch vom Schlager zum Rockpop-Künstler, und jetzt, noch mal 15 Jahre später, hat er es geschafft.
teleschau: Aber Sie kämpfen gar nicht erst gegen Ihr Image an?
DJ Bobo: Nein, ich bin happy, wie es ist. Wir machen die besten Shows in Europa, und wem's gefällt, der kommt hin - und das sind viele. Und die Kritiker können mich mal. Ich brauche sie nicht. I don't care.
teleschau: Was sagen denn Ihre Kinder dazu?
DJ Bobo: Die lieben es. Mein Sohn ist neun, und da ist alles noch super. Das wird sich, wenn er dann in die Pubertät kommt und andere Künstler in den Charts sind, wohl ändern. Dann wird er vielleicht sagen: "Du Papi, lass mal lieber sein." Aber im Moment finden die das toll. Wir haben einen Wasserfall und viel Feuer auf der Bühne - wie könnte ein Kind das nicht gut finden? Aber cool kann ein Schweizer ja gar nicht sein. Ich hatte damals Justin Timberlake im Vorprogramm. Justin ist eigentlich auch überhaupt nicht cool. Justin war ein kleiner Junge, 16 Jahre alt damals, der sah süß aus und basta. 'N Sync waren auch nicht wirklich cool. Aber danach baggerte Justin die richtigen Mädels an. Zuerst war er mit Britney zusammen, dann mit Cameron Diaz.
teleschau: Vielleicht haben Sie da was falsch gemacht?
DJ Bobo: Nein, ich wollte das ja nie. Ich will den Ärger mit diesen Hühnern gar nicht haben, das ist doch viel zu anstrengend. Aber so wirst du cool. So kriegst du es hin. Er ist auf die richtigen Damen draufgestiegen.
teleschau: Was ist denn nach 20 Jahren der Schlüssel zu Ihrem Erfolg?
DJ Bobo: Ich musste mich nie verbiegen. Früher waren alle Rapper dunkelhäutig: Captain Hollywood, Culture Beat, Snap. Und ich war der einzige Weiße unter ihnen. Die haben immer zu mir gesagt: "I don't like that shit, I don't wanna make HipHop music." Und ich habe immer gedacht: "Nun, ich liebe, was ich tue!" Und das ist vielleicht der Unterschied. Ich habe immer schon das machen können, was ich will. Ich musste mich gar nicht verbiegen, dafür war ich auch nie cool.
teleschau: Das ist dann wohl der Preis dafür.
DJ Bobo: Der ist nicht groß.
DJ Bobo auf Deutschland-Tournee:
27.04., Oberhausen, König Pilsner Arena
28.04., Aschaffenburg, f.a.n. frankenstolz arena
29.04., Hannover, TUI Arena
03.05., Magdeburg, GETEC-Arena
04.05., Bremen, ÖVB Arena
05.05., Berlin, Max-Schmeling-Halle
06.05., Nürnberg, Arena Nürnberger Versicherung
10.05., Zwickau, Stadthalle
11.05., Erfurt, Messehalle
12.05., Frankfurt, Festhalle
13.05., Saarbrücken, Saarlandhalle
16.05., Neu-Ulm, ratiopharm arena
24.05., Rostock, Stadthalle
25.05., Kiel, Sparkassen-Arena
26.05., Dortmund, Westfalenhalle
27.05., Hamburg, O2 World
31.05., Dresden, Eissporthalle
01.06., Leipzig, Arena
02.06., München, Olympiahalle
06.06., Kempten, Big Box Allgäu
13.10., Stuttgart, Schleyerhalle
14.10., Mannheim, SAP Arena
19.10., Leipzig, Arena
20.10., Köln, Lanxess Arena
21.10., Berlin, Velodrom




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