
Woody Allen (76) zählt zu den Menschen, die das Leben derart tragisch nehmen, dass sie gar nicht anders können, als sich permanent durch kultivierte Kalauer davon abzulenken. Aus Angst vor der tödlichen Stille plappern Allens Filmhelden ohne Unterlass, und aus Angst vor dem großen Sinnvakuum dreht der schmächtige Schrat einen Film nach dem anderen. Fast 50 sollen es verlässlichen Schätzungen zufolge inzwischen sein: Verleiher Fox versammelt nun 20 davon in der "Woody Allen Collection" auf DVD, darunter erstmals "Stardust Memories" (1980). Außerdem wird das nostalgische Schwarz-Weiß-Gedicht "Manhattan" (1979) erstmals auf Blu-ray Disc veröffentlicht.
Ein Meilenstein, sagt der Künstler selbst, befinde sich nicht unter seinen Filmen. Auch deshalb drehe er so viel. Weil er hoffe, irgendwann doch noch etwas vom Schlage "Citizen Kane" zu vollbringen - wiewohl Woody Allen eigentlich wisse, dass ihm das Vermögen hierzu abgehe.

Zur Hälfte stimmt das vielleicht. Zur anderen ist es natürlich die Koketterie eines Mannes, der vier Oscars sein Eigen nennt (1978 für Drehbuch und Regie zu "Der Stadtneurotiker", 1986 für das Script zu "Hannah und ihre Schwestern", 2012 für das Buch zu "Midnight in Paris"). Persönlich entgegengenommen hat er die Trophäen der verhassten Unterhaltungsindustrie nicht. Dennoch ist das keine schlechte Bilanz für einen ehemaligen Schulversager, der anfangs Gags für fünf Dollar verkaufte.
In "Stardust Memories" (1980), der erstmals fürs Heimkino veröffentlicht wird, spielt (mehr oder weniger) Woody Allen einen erfolgreichen Regisseur. Er muss seinen Fans und Kritikern Rede und Antwort stehen, wobei seine Ängste und Obsessionen offenkundig werden: Selbstzweifel, berufliche Probleme und seine Beziehungen zu Frauen.

Die 70-er waren das Jahrzehnt der Allenschen Großstadtkomödie: "New York war seine Stadt, und würde es immer sein", sind die ersten Worte in "Manhattan" (1979, erstmals auf Blu-ray Disc erhältlich), die vom New Yorker Publikum bei der Premiere mit tosendem Beifall quittiert wurden. Allen spielt den 43-jährigen TV-Autor Isaac Davis, der nach zwei gescheiterten Ehen die unkomplizierte Liebe bei der 17-jährigen Tracy (Mariel Hemingway) sucht.
"Es ist ein Film über jemanden, der seine Integrität gegen die gegenwärtige Tyrannei des Alltags verteidigt", behaupte Allen damals. Doch zentral geht es dem Stadtneurotiker weniger um die Analyse von menschlichen Charakteren: Er zeichnet ein zwiespältiges Bild seiner Stadt, die er liebt und an der er verzweifelt, weil sie die Individuen verschluckt.

Gibt es ein Leben außerhalb Manhattans? Woody Allen, der berüchtigte Stadtneurotiker aus dem Big Apple, hat diese existenzielle Frage erst im Spätherbst seiner Karriere ganz offensichtlich bejaht. Nachdem er zuletzt in London, Barcelona und Paris drehte, zieht es ihn für seinen neuen Kinofilm nach Italien: "To Rome With Love" startet am 9. August.
Die Filme der "Woody Allen Collection": "Alice" (1990), "Eine andere Frau" (1988), "Bananas" (1971), "Broadway Danny Rose" (1984), "Hannah und ihre Schwestern" (1986), "Innenleben" (1978), "Die letzte Nacht des Boris Gruschenko" (1975), "Manhattan" (1979), "Melinda und Melinda" (2004), "The Purple Rose of Cairo" (1985), "Radio Days" (1987), "Schatten und Nebel" (1991), "Der Schläfer" (1973), "September" (1987), "Eine Sommernachts-Sexkomödie" (1982), "Der Stadtneurotiker" (1977), "Stardust Memories" (1980), "Verbrechen und andere Kleinigkeiten" (1989), "Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten" (1972), "Zelig" (1983).





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