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Bloß nicht konventionell Harrison Ford spielt die Hauptrolle in "Ausnahmesituation" (Kinostart: 11.03.)

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Ein Mann, ein Wort: Als Professor Stonehill (Harrison Ford) erkennt, dass sich seine Theorie als wahr herausstellen könn
Ein Mann, ein Wort: Als Professor Stonehill (Harrison Ford) erkennt, dass sich seine Theorie als wahr herausstellen könn

Harrison Ford ist seine über 30-jährige Karriere als umworbener Schauspieler anzumerken. Wer ihm gegenübersitzt, bekommt die Interviewerfahrung des 67-Jährigen zu spüren: Ford spricht gemächlich mit leiser sonorer Stimme und übt sich in Diplomatie. Pauschale Aussagen sind seine Sache nicht. Den früher hin und wieder auch ungestümen und streitbaren Hollywoodstar scheint nichts aus der Ruhe bringen zu können. In seinem neuen Film ("Ausnahmezustand", Start: 11.03.) dagegen kommt es zu ungeahnten Wut- und Gefühlsausbrüchen. Das Thema ist ernst genug: Ein verzweifelter Familienvater (Brendan Fraser) versucht gemeinsam mit einem verstockten Wissenschaftler (Harrison Ford) ein Medikament für seine unheilbar kranken Kinder zu entwickeln. Im Interview warnt Ford jedoch vor voreiligen Verallgemeinerungen.

teleschau: Mr. Ford, was war die größte Herausforderung Ihres neuen Films?

Herr im eigenen Labor: Von diesem Anspruch muss sich Stonehill (Harrison Ford, links) bald verabschieden.
Herr im eigenen Labor: Von diesem Anspruch muss sich Stonehill (Harrison Ford, links) bald verabschieden.

Ford: Es musste gelingen, komplexe Forschung für den Zuschauer sichtbar zu machen. Wissenschaft findet ja größtenteils im Kopf statt. Für mich war es also eine Herausforderung zu überlegen, wie ich solche Denkprozesse visuell und sprachlich für den Zuschauer übersetzen könnte.

teleschau: Das ist Ihnen sichtlich unterhaltsam gelungen.

Stonehill (Harrison Ford, links) ist ein exzentrischer Forscher, der mit Geschäftemacherei nicht viel am Hut hat.
Stonehill (Harrison Ford, links) ist ein exzentrischer Forscher, der mit Geschäftemacherei nicht viel am Hut hat.

Ford: Es sollte nie eine Vorlesung über die Stoffwechselkrankheit Morbus Pompe werden. Ziel des Films ist es eher, bestimmte wissenswerte Informationen darüber in eine dramatische Handlung einzubauen, ohne dass sie die emotionelle Wirkung der Geschichte beeinträchtigen. Im Zentrum steht ein Mann, der sich nicht dem scheinbaren Schicksal seiner Kinder geschlagen gibt, sondern kämpft und das Leben der Kinder rettet. Diese Geschichte ist wahr, aber speziell. Man sollte das nicht generalisieren und glauben, wir könnten heutzutage alle Krankheiten heilen. Das führt ja zu nichts. Aber natürlich trägt der Film dadurch dazu bei, das Bewusstsein für das Schicksal der Betroffenen zu stärken und Spendengelder zu generieren.

teleschau: Wie gehen Sie selbst mit Spenden um?

Nach einer wahren Begebenheit: John Crowley (Brendan Fraser, rechts) gewinnt den eigenbrötlerischen Wissenschaftler Ston
Nach einer wahren Begebenheit: John Crowley (Brendan Fraser, rechts) gewinnt den eigenbrötlerischen Wissenschaftler Ston

Ford: Ich nehme gerne welche an (lacht). Im Ernst: Jeder muss selbst entscheiden, wofür und wie viel er spendet. Jeder reagiert anders auf seine Mitmenschen und ihre Bedürfnisse oder Leiden. Ich halte es aber für wichtig, Menschen zu ermutigen, im Rahmen ihrer Verhältnisse Gutes zu tun. Ich selbst habe mich über die Jahre für eine Reihe von philanthropischen Anliegen engagiert.

teleschau: Glauben Sie, dass der Film die politische Diskussion um die Gesundheitsreform von Barack Obama beeinflussen kann?

Ford: Das glaube ich zwar nicht, doch vielleicht hilft er dabei, das Interesse in der breiten Bevölkerung für diese Frage zu wecken. Ich halte es für wichtig, dass die Diskussion aus der politischen Arena in die Familien getragen wird, die sich auf Basis ihrer persönlichen Erfahrungen damit beschäftigen. Der Film präsentiert keine verbindlichen Lösungen, sondern führt vor Augen, was es heißt, ein Medikament von einer wissenschaftlichen Theorie ausgehend zur Marktreife zu führen.

teleschau: Wie haben Sie sich auf Ihre Rolle vorbereitet?

Ford: Ich besuchte einige Forschungslabore und verbrachte viel Zeit mit den Wissenschaftlern vor Ort. Es reicht nicht, sich in die Gedankenwelt eines Akademikers hineinzufühlen. Man muss schon mit dabei sein und viele Gespräche führen, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie Wissenschaft funktioniert. Um einiges schwieriger ist es noch herauszufinden, wie Wissenschaftler fühlen und wie sie ihre Rolle in der Bekämpfung von Krankheiten wahrnehmen. In diesem Zusammenhang erfuhr ich auch zum ersten Mal von der riesigen Frustration in der Forschergemeinde, dass Football-Trainer an US-Universitäten zum Teil mehr verdienen als das Jahresbudget einer ganzen Forschungsabteilung.

teleschau: Was reizte Sie an der Geschichte?

Ford: Hier geht es um zwei grundverschiedene Menschen: ein in sich gekehrter Wissenschaftler auf der einen und ein erfolgreicher Geschäftsmann auf der anderen Seite. Sie verbindet ein Ziel: Geld zu besorgen für die Entwicklung eines revolutionären Medikaments, das eine unheilbare Krankheit besiegen könnte. Die dabei entstehenden Konflikte zwischen den Charakteren, das Aufeinandertreffen ihrer Weltbilder, die Theorie einerseits, die konkrete Verzweiflung andererseits, ergeben eine starke emotionale Erzählung.

teleschau: Weshalb ist Ihre Rolle fast zu einer Karikatur eines eigenbrötlerischen Wissenschaftlers geworden?

Ford: Ich wollte keinen Wissenschaftler nach dem konventionellen Muster spielen, wie wir ihn aus der Fernsehwerbung kennen. Ich habe für meine Filme schon viele Rollen aus unterschiedlichen Berufsgruppen verkörpert. Bei meinen Gesprächen mit Anwälten, Polizisten oder CIA-Agenten stellte sich immer schnell heraus, dass es nicht den einen typischen Advokaten, Schutzmann oder Spion gibt. Ich verstand daher meine Figuren immer als Mischung ganz unterschiedlicher Persönlichkeiten, so auch diesmal. Ich habe Wissenschaftler kennengelernt, die Cowboystiefel trugen, als gäbe es nichts Selbstverständlicheres. Daher trägt mein Professor Stonehill auch Jeans und ein altes T-Shirt, hört Rock'n'Roll und trinkt Bier in seinem Büro.

teleschau: Teilweise wird ja auch Ihnen nachgesagt, Sie seien etwas exzentrisch ...

Ford: Ich glaube nicht, dass ich exzentrisch bin. Ich bin auch nicht sicher, ob Stonehill so exzentrisch ist. Ich halte ihn vielmehr für einzigartig, und natürlich ist er auch schwierig im Umgang mit anderen.

teleschau: Aber weshalb muss Ihr Wissenschaftler so mürrisch sein?

Ford: Bei solch dramatischen Geschichten hilft es, gegensätzliche Charaktere aufeinandertreffen zu lassen. Brendan Fraser spielt einen viel beschäftigten Geschäftsmann und Vater, der zwischen Job und Familie hin- und hergerissen ist und schwer an der Krankheit zweier seiner Kinder zu tragen hat. Er strotzt förmlich vor Energie und Verzweiflung. Stonehill dagegen wirkt notorisch gleichmütig, ist ein mürrischer Einsiedler, der im Nirgendwo Nebraskas lebt und nicht einmal mit seinen Mitarbeitern an der Universität spricht, sondern rund um die Uhr in seiner ganz eigenen Welt lebt und arbeitet, arbeitet, arbeitet. Das muss letztlich in einem eskalierenden Konflikt münden. Aber dass er während der Arbeit laute Musik hört, muss ja nicht gleich bedeuten, dass er borniert ist.

teleschau: Wie kamen Sie mit den Kindern bei den Dreharbeiten zurecht?

Ford: Es ist ein Vergnügen, mit Kindern zusammenzuarbeiten, wenn sie schauspielern können. Wenn sie keine guten Darsteller sind, dann hört das Vergnügen aber natürlich sehr schnell auf. Ich hatte aber das Glück, mit besonders talentierten Kindern vor der Kamera zu stehen.

teleschau: Sie engagieren sich auch privat für Kinder.

Ford: Mir geht es dabei natürlich auch um die Förderung von Kindern, aber nicht zuletzt genauso darum, mehr junge Leute für die Fliegerei zu begeistern. Die Flugbranche hat arg mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen: Ihnen gehen langsam die Piloten aus. Kindern fehlt offenbar die Motivation, sich für die anspruchsvolle Ausbildung zu interessieren. Ich selbst bin Pilot aus Leidenschaft.

teleschau: In den vergangenen Jahren wurden Sie mit Fragen bombardiert, ob Sie nach langer Zeit zum vierten Mal in die Rolle des Indiana Jones schlüpfen würden. Vor zwei Jahren gelang Ihnen das furiose Comeback. Gibt es Pläne für weitere Fortsetzungen?

Ford: George Lucas arbeitet gerade an einer Idee für den fünften "Indiana Jones"-Film. Ich würde liebend gerne ein weiteres Mal mit dabei sein, und ich weiß, dass es Steven Spielberg genauso geht. Wir hatten immer eine großartige Zeit, wenn wir für diese Filmreihe zusammengearbeitet haben. Von mir aus könnte es auch einen sechsten Teil geben. Und ganz offensichtlich gibt es auch immer noch ein Publikum dafür. Wichtig ist mir dabei nur, dass sich die Figur weiterentwickelt. Zum Beispiel ließe sich die Beziehung zwischen Jones und seinem Sohn, von dem er nichts wusste, genauer erkunden. Das könnte ähnlich interessant werden wie das Zusammenspiel von Sean Connery und mir im dritten Teil.



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