
"Denen fällt aber auch gar nichts Neues mehr ein beim ZDF!" - Die Verantwortlichen in Mainz haben es kommen sehen, dass man ihnen mangelnde Kreativität vorwerfen würde. Und doch entschieden sie sich, den Quiz-Klassiker "Die Pyramide", der zwischen 1979 und 1994 mit Dieter Thomas Heck als Gastgeber im ZDF lief, wiederzubeleben. Die Neuauflage der früheren Samstagabend-Show läuft ab 6. August, montags, 18.45 Uhr, bei ZDFneo, und ab 27. August, montags, 16.15 Uhr, auch im ZDF-Nachmittagsprogramm. Moderiert wird "Die Pyramide" von Micky Beisenherz, der dem Format gemeinsam mit Schiedsrichter Joachim Llambi den Staub von der Oberfläche pusten will. Ihre Scharfzüngigkeit müssen die beiden für die Wohlfühlsendung aber im Zaum halten.
"Ich muss ehrlich sein: Als mir das ZDF sagte, dass sie etwas mit mir planen, war ich eher zögerlich. Als dann aber klar wurde, dass es um 'Die Pyramide' ging, habe ich sofort zugesagt." Moderator Micky Beisenherz verbindet mit dem Original schöne Kindheitserinnerungen. Umso unwirklicher fühlt es sich für ihn an, jetzt selbst Teil der Kultshow zu sein: "Besonders witzig ist es, diese Treppe runterzugehen, während diese sehr, sehr vertraute Melodie erklingt."

Wie im Original treten auch in der Neuauflage zwei Teams gegeneinander an - bestehend aus jeweils einem Prominenten und einem Zuschauerkandidaten. Sie müssen Begriffe durch Worte, Gesten und Mimik beschreiben, ohne dass der Begriff selbst genannt werden darf. Was Sound und Look betrifft, blieben die Macher nah am Original, und auch Spielverlauf und Regelwerk wurden kaum verändert. Nur das Studio bekam eine Frischzellenkur verpasst, und die Spieldramaturgie wurde zeitgemäßer gestaltet. Kultige Elemente wie die Titelmelodie oder die Schlaufen für die Hände der Kandidaten, blieben bestehen. Ganz so, als würde man "einen Youngtimer aufpolieren und ihn wieder auf die Straße schicken", schwärmt Micky Beisenherz. "Ich kann wirklich sagen: Es ist genauso gut wie früher."
Die großen Fußstapfen von Dieter Thomas Heck sind dem 35-Jährigen, der auch als TV-Autor ("heute-show", "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!") und Texter für Comedians wie Dieter Nuhr arbeitet, durchaus bewusst. Einschüchtern lässt er sich davon aber nicht: "Eine gewisse Grundaufregung ist absolut vorhanden, das will ich gar nicht leugnen. Den Spaß hat mir das trotzdem nicht verdorben. Im Gegenteil: Es macht richtig Bock. Auch deshalb, weil man die Prominenten von einer Seite kennenlernt, die man sonst nicht so sieht." Von Dieter Thomas Heck unterscheide ihn vor allem, dass er weder Goldkettchen noch fliederfarbene Zweireiher besitze, witzelt der Moderator, den das ZDF als eines der "großen Showtalente unserer Zeit" anpreist. Zu versuchen, seinen Vorgänger zu imitieren oder gar zu kopieren, fiele Beisenherz nie ein. Das empfände er als vermessen und "völligen Unsinn".

Die Rolle des Schiedsrichters übernimmt Joachim Llambi. Eine Aufgabe, die der 47-Jährige spätestens seit seiner langjährigen Jurytätigkeit bei der RTL-Show "Let's Dance" bestens beherrscht. Allzu bissige Kommentare wird sich der ehemalige Profitänzer bei "Die Pyramide" zwar verkneifen müssen, sein Beißzangen-Charme ist aber sicher auch ein Grund, warum er den Zuschlag bekam. Anders als Dr. Heindl, der im Original gar nicht physisch anwesend war und seine Einschätzung nur übers Telefon abgab, wird Llambi strittige Situationen vor Ort klären und bei Gelegenheit unterhaltsame Infos einstreuen.
Der Begriff "Wohlfühlfernsehen" kreist um die Spitze der "Pyramide". Aber was sollte daran auch falsch sein? Gerade in einer Zeit, in der Formate, die Jung und Alt vor dem Fernseher zu versammeln vermögen, selten geworden sind. "Das ist eine Show, die deine Oma und dein bester Freund zusammen auf der Couch gucken und beide Spaß daran haben können", meint Micky Beisenherz. Einzig die Sendezeit könnte dabei ein Problem darstellen: Statt zur Primetime läuft "Die Pyramide" auf ZDFneo am frühen Abend (18.45 Uhr), im Hauptprogramm der Mainzer gar am Nachmittag (16.15 Uhr). Von Quotendruck ist keine Rede. Dem neuen Gastgeber ist es "in erster Linie wichtig, dass die nicht-prominenten Kandidaten ein gutes Gefühl haben und natürlich auch mit ein bisschen Geld nach Hause gehen. Aber auch die Promis sollen entspannt in die Sendung gehen können, denn die verspüren natürlich auch einen gewissen Druck."

Mit der konzeptuellen Mischung aus Nostalgie, Retro-Look und Wohlfühlatmosphäre folgt "Die Pyramide" in einem TV-Trend. Im NDR fährt "Dalli Dalli" mit Kai Pflaume und neuerdings Sarah Brandner bereits in der zweiten Staffel Traumquoten ein, und auch Formate wie "Roche & Böhmermann" (zweite Staffel ab 02. September, sonntags, 22 Uhr, ZDFkultur) funktionieren nach einem klassischen, einfachen Sendeprinzip. "Ich finde diese Tendenz toll", freut sich Micky Beisenherz. "Wie sich zeigt, wird das auch von der jüngeren Generation angenommen. Wenn das 'Korsett' einer Sendung klar überschaubar ist, lässt es die Menschen darin viel mehr glänzen." Was ihn selbst betrifft, muss es für Micky Beisenherz dann aber nicht ganz so klassisch sein. Eigentlich heißt er nämlich Michael mit Vornamen, aber "so nennt mich heute nur noch meine Frau, wenn sie ein ernstes Wort mit mir zu reden hat."















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