
Delmenhorst. Keine laute Musik, keine Sauf-Gelage und nur wenige wirklich feierwütige Jugendliche – wer gestern der Burginsel einen Besuch abstattete, konnte fast glauben, die Sommerferien seien gestrichen worden. Denn zwar wurde das Schuljahresende traditionell wieder von den Delmenhorster Schülern in der Graft zelebriert, doch das bei weitem nicht so überschwänglich wie die Jahre zuvor.
"Im Vergleich zu 2011 ist wirklich wenig los. Das Wetter spielt uns wohl ein wenig in die Karten", sagte Angelika van Ohlen. Die Geschäftsführerin des Kriminalpräventiven Rat zog mit ihren Kollegen Streife um die feiernde Meute. "Aber nur, um Präsenz zu zeigen", erklärte van Ohlen. Denn sie gönne den Jugendlichen ihren Spaß. "Das ist in Ordnung so. Schließlich haben die meisten von ihnen gerade erfolgreich das Schuljahr beendet." Komischerweise war das den Schülern kaum anzumerken. Vielleicht lag es tatsächlich am Wetter, vielleicht aber auch daran, dass – zumindest sichtbar – so gut wie kein Alkohol floss.

Wynona Feye, Freya Dreeke und Lynn Kramer hatten auch ohne Promille Spaß. "Also bei uns ist die Stimmung gut", sagte Wynona, die sich über ihren erweiterten Realschulabschluss freute. Schon seit einigen Jahren würde sie am letzten Schultag auf die Burginsel kommen, erklärte die Schülerin der IGS Delmenhorst. "Hier trifft man alle noch mal, bevor die Ferien anfangen." Die verbringt Wynona gemeinsam mit Lynn Kramer von der Realschule Lilienstraße auf Mallorca. Die Neunt-, bald Zehntklässlerin war zum ersten Mal in der Graft und fand: "Die Leute sind gut drauf."
Ebenfalls ohne Bier, Sekt oder Schnaps kamen Michelle Schulz und ihre Freundinnen Joana Simhöfer, Erika Urlacher, Vivienne Sugmann und Janice Gulau vom Schulzentrum West auf die Burginsel. "Wir sind hier, um unsere Freunde von den anderen Schulen zu treffen", erklärte Michelle. Über das erfolgreich abgeschlossene Schuljahr freuten sich die Noch-Neunt- und Achtklässlerinnen weniger, als darüber "jetzt sechs Wochen nicht zur Schule zu müssen". Dafür stünden lange Urlaube auf dem Programm, berichtete das Quintett. Auch van Ohlen hatte Grund zur Freude: "Es ist schön zu sehen, dass keine Jugendlichen unter 16 dabei sind."
Die tummelten sich in der Zwischenzeit nämlich im Delmenhorster Stadion beim "School’s-Out-Soccer"-Turnier – und waren den Graft-Gängern zahlenmäßig weit überlegen. "So soll es sein", freute sich Kristina Schlange von der Delmenhorster Jugendhilfestiftung. Ihr Anliegen sei es insbesondere, "den jüngeren Schülern eine Gegenveranstaltungen zum Graft-Trinken zu bieten. Und Sport ist da schließlich immer eine gute Alternative", sagte Schlange. Gestern nahmen 30 Mannschaften von beinahe allen Delmenhorster Schulen an dem Fußballturnier teil. Ins Leben gerufen hatte den Wettbewerb vor vier Jahren der Arbeitskreis Schule des Kriminalpräventiven Rats. Erstmals beteiligten sich in diesem Jahr neben Polizei und Feuerwehr auch noch die Jugendhäuser der Stadt an der Veranstaltung und sorgten rund um die Spielfelder für Abwechslung.
Für die eingefleischten Graft-Gänger wäre das Turnier trotzdem keine Alternative. "Wir wussten nicht einmal, dass es parallel läuft", musste Freya Dreeke zugeben. Sie und ihre Freundinnen waren sich ebenso sicher, im nächsten Jahr wieder auf die Burginsel zu kommen, wie Michelle Schulz und ihre Clique – auch ohne Musik und Alkohol. "Eben einfach, um den Tag zu genießen", erklärte Erika Urlacher.
Selters statt Sekt zum Schuljahresende
Überraschend ruhig verlief gestern die alljährliche Feier der Delmenhorster Schüler auf der Burginsel
Zitat:
"Es ist schön zu sehen,
dass keine Jugendlichen unter 16 dabei sind."
Angelika van Ohlen, Kriminalpräventiver Rat




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