Gespannte Blicke richten sich nach vorne an die Tafel. Dort steht Doris Geist. 32 Augenpaare verfolgen, was die Dozentin ihnen vermitteln will. Im Raum herrscht Stille, denn Doris Geist ist gehörlos. Sie gebärdet mit ihren Händen, was sie mitteilen möchte. Wie Tänzer folgen diese scheinbar einer lautlosen Melodie.
Vor zwölf Jahren wurde der Kurs "Einführung in die Deutsche Gebärdensprache" zum ersten Mal angeboten. "Ziel ist es, damit Aufklärungsarbeit zu leisten", erklärt Annegret Helmers, pädagogische Leiterin der Volkshochschule. Das findet auch Gebärdensprachdozentin Geist, die in dem Kurs von Dolmetscherin Ilonka Linde unterstützt wurde – Linde begleitete ihn zwei Stunden lang. Das Lernen dieser visuellen Verständigung sei schließlich "wie das Einsteigen in eine andere Welt", findet Geist. Deshalb versucht sie vor allem, Hörenden die Hemmschwelle bei der Kommunikation mit Gehörlosen zu nehmen. "Sie sind oft erschrocken, wenn sie auf jemanden treffen, der nicht hören kann." Diese Erfahrung habe sie selbst schon oft gemacht, wenn Fremde in Bus oder Bahn eine Auskunft erbeten. Denn auf den ersten Blick ist es nicht möglich, zu erkennen, ob ein Mensch gehörlos ist oder nicht.
Sich besser mit Gehörlosen verständigen zu können, war einer der Gründe, warum sich die Anwesenden für das Seminar anmeldeten, erzählen sie. Unter ihnen sind Krankenschwestern, Erzieherinnen, Verwaltungsangestellte. Einige haben gehörlose Kollegen oder Angehörige.
Ungefähr 80000 Menschen in Deutschland verständigen sich mithilfe von Gesten, Gebärdensprache ist als eigenständige Sprache gesetzlich anerkannt. Sie hat sogar Dialekte. Diese visuellen Unterschiede seien aber minimal, wie Geist betont. Fragt man zum Beispiel einen Gebärdenden in Bayern nach dem Wochentag, legt er am Sonntag beide Handflächen senkrecht erhoben aneinander, so als würde er beten. Ein Gehörloser aus Norddeutschland wird sich dagegen eher mit der Hand über den Bauch streichen. So, als hätte er gerade den Sonntagsbraten verspeist.
Im Schnitt dauert es ein bis zwei Jahre, um einigermaßen gebärden zu können. Da reichen drei Tage natürlich nicht aus, waren sich die Seminarteilnehmer einig. Deshalb fand Helmers’ Vorschlag eines Fortsetzungskurses großen Anklang.





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