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Bernd Sternberg gastiert mit seinem Tribut an Bob Dylan am Sonnabend im Gewölbe Vegesack.
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„Die Idolfunktion war ihm suspekt“

Alexander Bösch 02.12.2016 0 Kommentare

Musiker Bernd Sternberg
Musiker Bernd Sternberg (Picasa, frei)

Für Sie als Dylan-Bewunderer ein erhabener Moment?

Bernd Sternberg: Ich freue mich natürlich für ihn, aber ich habe mich nie darauf versteift, dass man das unbedingt  erleben müsste. Dass er den Preis nicht persönlich abholt, ist auch irgendwie typisch. Dylan ist ein besonderer Mensch und sicher ein wenig eigenartig.

Erinnern Sie sich an Ihre erste Begegnung mit seiner Musik?

Meine Schwester hatte damals das Dylan-Album „Street Legal“ von 1978 im Plattenschrank. Das war kurz vor seiner christlichen Gospelphase und gar nicht mal so angesagt. Die Musik hat mich einfach abgeholt, das hat mich im positiven Sinne getroffen. Seitdem ich 16 Jahre bin, singe ich seine Songs.

Bob Dylans Songs stecken voller kryptischer Anspielungen. Es gibt Verweise auf Mythen der amerikanischen Kultur, auf Autoren wie Shakespeare und Verlaine und gesellschaftskritische Komplexe. Haben Sie als Fan immer versucht, Dylans Texte zu deuten?

Das habe ich bewusst vermieden. Ich empfinde es oft als anmaßend, wie in den Biografien einige Autoren meinen, die absolute Deutungshoheit zu haben, wie genau Dylan was gemeint hat. Ich habe mir seine Texte eher selbst zu eigen gemacht und gesehen, was ich für mich herausziehen kann, wie ich seine Lyrik persönlich benutzen kann.

Ein Beispiel?

Es gibt da diesen Song „Girl from the North Country“, der passte bei mir wie die Faust aufs Auge. Ich war elf Jahre mit einer Dänin zusammen, das war die Liebe meines Lebens! Ich glaube, es gibt für ganz viele Phasen im Leben Dylan-Songs, die man sich dann zu eigen macht, weil sie einfach wunderbar zur eigenen Biografie passen.

Haben Sie selbst versucht, Songs zu schreiben, vielleicht im Stil Ihres Idols?

Ich habe zwar einige Titel geschrieben, aber nie veröffentlicht. Ich wünschte, ich könnte schreiben wie Dylan. Er war ja vor allem in den Anfangsjahren eine Art Sprachrohr wider Willen. Diese Idolfunktion war ihm immer suspekt.

Sie arbeiten hauptberuflich im Weinkontor ihres Bruders und sind 2002 als Dylan-Interpret durchgestartet. Wie kam es dazu?

Das war ein lustiger Zufall. Ich hatte irgendwo das Plakat gesehen für den Hamburger Gig der Konzert-Reihe, in der das Abschiedskonzert der legendären Musiker von „The Band“ nachgespielt wurde. Da hab ich mir gedacht, den Dylan-Part müsste eigentlich ich übernehmen und bei den Berliner Veranstaltern angerufen. Die waren erst mal perplex.

Wie ging es dann weiter?

Tatsächlich war der vorgesehene Sänger, der witzigerweise auch Sternberg hieß, gerade ausgestiegen, sodass der Dylan-Part frei wurde. Wir haben dann bundesweit zwölf Konzerte gespielt. Mit einigen Musikern des Projekts aus Berlin habe ich dann Kontakt gehalten. So startete meine intensive Phase als Sänger. Als „Sternberg sings Dylan“ habe ich momentan zwei Projekte, eines mit Berliner Musikern und eine Bremer Formation.

In welcher Formation treten Sie auf?

In Vegesack trete ich an der Seite von Martin Zemke am Bass, Regina Mudrich an der Violine und mit Tjard Cassens an der Percussion auf. Ich singe und spiele Gitarre. Die Akustik dort ist sehr schön, wenn man reine klare Sprache liebt, das passt sehr gut zusammen.

Bob Dylan befindet sich seit Ende der 80er-Jahre auf seiner sogenannten Neverending-Tour. In den letzten Jahren ist er eher für rachitisches Krächzen und kaum wiederzuerkennende Songstrukturen bekannt...

Dem versuche ich nicht nachzueifern (lacht). Ich halte mich nach Möglichkeit an das Original der jeweiligen Studioaufnahmen aus der Zeit ihres Erscheinens. Im Prinzip finde ich es aber schön, wenn eine Stimme im Laufe der Zeit reift – so wie ich auch alternde Menschen als schön empfinde.

Es gibt viele unterschiedliche Dylanphasen, in denen er jeweils unterschiedlich klingt: Den frühen Folksänger, den Rocksänger, dem die Puristen Verrat vorwarfen, den christlichen Gospelsänger, das Comeback mit der All-Starband „The Traveling Wilburys“ und die „krächzende“ Spätphase. Versuchen Sie, allen Phasen gerecht zu werden?

Man ist da tatsächlich ein Stück weit Stimmenimitator, wenn man sich an den Studioaufnahmen orientiert. Die Stücke Ende der 70er-Jahre klingen zum Beispiel sehr nasal und quengelnd. Das ist wieder ganz anders als in der frühen Folkphase. Ich mag seine christlich inspirierte Gospelzeit Anfang der 80er-Jahre auch sehr, obwohl er die Fans damit eher verprellt hat. Dieses typische Auseinandernehmen und Neuinterpretieren eines Dylan-Songs probiere ich nur bei „Long black coat“.

Wie viele Konzerte von Bob Dylan haben Sie selbst gesehen?

Das müssen um die 20 gewesen sein, meist in Hamburg und Umgebung. Mein erstes Konzert war mit 17, das war 1981 am Kalkberg in Bad Segeberg, natürlich eine aufregende Erfahrung.

Gibt es bestimmte Titel, die einfach nicht fehlen dürfen?

Es gibt natürlich bestimmte Songs wie „Knockin‘ on heavens door“, die die Leute einfach erwarten. Etwas wie „All along the watchtower“ eignet sich immer als guter Einstieg, um in das Feeling zu kommen. Ich hatte einmal mit dem eher unbekannten „Copper cattle“ begonnen, da guckten die Leute doch etwas irritiert. Mein persönlicher Favorit ist „Senior“, das ist so enorm facettenreich.

Was würden Sie Dylan fragen, wenn Sie ihm einmal persönlich begegnen würden?

Ich glaube, ich würde auf keinen Fall über Musik mit ihm reden, das wäre fatal – eher über die Gesellschaft und Politik. Vielleicht über Wein, das wäre eine gute Idee!

Das Interview führte Alexander Bösch.

Bernd Sternberg singt Bob Dylan: Am Sonnabend, 3. Dezember, 20 Uhr, im Gewölbe Vegesack, Sagerstraße 36. Da das Konzert mit einem kalten Büfett verbunden ist, wird um Anmeldung unter 04 21 / 67 41 03 51 oder 015 20 - 19 50 190 gebeten.
Bernd Sternberg wurde 1964 geboren. Seit seinem 16. Lebensjahr interpretiert er die Songs seines Idols Bob Dylan. Im Moment tritt er mit zwei Formationen rund um Berlin und im norddeutschen Raum auf.

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Leserkommentare
IhrenNamen am 19.10.2019 14:35
Die SPD kann hier aber höchstens zu 50% Schuld sein da das DSM zu 50% vom CDU-Regierten Bund finanziert wird.

Ich denke die Schuldigen ...
suziwolf am 19.10.2019 14:35
@dmiral ...

Und ,ausländischen Eltern‘ die nicht nur darauf bedacht sind, Ihren Kindern eine
• gute Bildung zukommen zu ...