Bassum. Eigentlich sollte es am Donnerstagabend nur ein Brainstorming, ein Gedankenaustausch sein. Doch am Ende stand eine Idee im Sitzungssaal des Bassumer Rathauses, in dem sich das Kooperationsnetzwerk Geburtshilfe Bassum getroffen hat, um über die Zukunft eben dieser zu sprechen. Zwölf Teilnehmer - darunter Vertreter medizinischer Dienstleiter, Kommunalpolitiker, Hebammenvertreter und Engagierte der Bürgerinitiative für eine Geburtshilfe im Landkreis Diepholz - kamen ins Verwaltungsgebäude der Lindenstadt.
Ein größeres Krankenhaus aus der Nachbarschaft, beispielsweise das St.-Marienhospital in Vechta oder Links der Weser (LdW) in Bremen, gründen in Bassum eine Art Geburtshaus. Das Klinikum ist der Träger, die Hebammen führen die Einrichtung zwar, sind aber Angestellte des Krankenhauses. Die Stadt Bassum unterstützt das Projekt finanziell. Eventuelle Risikofälle werden im Haupthaus behandelt. Und natürlich müsste das Haus schnell erreichbar sein, wenn während der Geburt Komplikationen auftreten sollten - oder es müsste ein Arzt den Kreißsaal schnell erreichen können. Die rechtliche Verantwortung trage das Klinikum. Soweit der Plan.
"Damit wollen wir in die politische Diskussion einsteigen", kündigte Moderator Torsten Eggelmann an, der außerdem als stellvertretender Fraktionsvorsitzender für die Grünen im Bassumer Stadtrat sitzt. Spreche sich die Politik für eine Förderung aus, können man in konkreten Kontakt mit den Kliniken treten. Ansonsten sei die Idee gestorben. Bassums Bürgermeister Wilhelm Bäker fand das Planspiel interessant, wollte aber wissen, was denn ein Haus wie LdW oder das St.-Marienhospital reizen sollte, sich in Bassum niederzulassen.
Es wäre ein "Imagegewinn" für die großen Häuser und für Bassum, fand Armin Hirschmüller, Rechtsanwalt des Deutschen Hebammenverbands. "Man muss es den Kliniken schmackhaft machen", so der Jurist. Zum Beispiel durch eine Förderung der Stadt Bassum. Aber im Grunde gebe es keine "betriebswirtschaftliche Hürde", höchstens medizinische. "Die Ärzte sind nicht zwingend Befürworter außerklinischer Geburten", sagte der Jurist. Heidi Giersberg, einer der Hebammen, die bis zu seiner Schließung im Kreißsaal des Bassumer St.-Ansgar-Krankenhauses arbeitete, war von der Idee angetan. "Das wäre in Deutschland einmalig."
Christian Porsch, Fraktionsvorsitzender des Bassumer Bürger-Blocks, wollte nicht so weit gehen. Er konnte sich eher mit der Idee eines Geburtshauses anfreunden, auch ohne starken Träger im Rücken. Es sollte sich allerdings ein Sponsor finden, der den Hebammen die hohe Versicherungsprämie - Heidi Giersberg sprach von 4700 Euro pro Jahr - abnehmen könnte. Diese Summe ist aber auch der Grund, warum Giersberg einem Geburtshaus mit hauptverantwortlichen Hebammen skeptisch gegenübersteht. Als Porsch nämlich durchblicken ließ, dass der Kreis an einem Konzept für ein "Haus der Geburt" im Sulinger Raum arbeite, entgegnete sie: "Ich bedauere jede Hebamme, die dahin geht."
Das St.-Marienhospital in Vechta und das Bremer LdW reagieren eher zurückhalten auf eine mögliche Offerte aus Bassum. "Kategorisch ausschließen wollen wir das nicht", sagt Daniel Goerke, Pressesprecher von Gesundheit Nord (Geno), Träger des LdW. Eine Dependance sei an verschiedene Voraussetzungen geknüpft wie etwa die personelle Ausstattung. "Außerdem muss es ökonomisch vertretbar sein." Die Klinik in Vechta will die Tür auch nicht zuschlagen. Rein theoretisch sei es möglich, Kinder ohne Ärzte auf die Welt zu bringen, hält Klinikmanager Alois Muhle fest. "Aber wenn wir das machen, brauchen wir trotzdem Ärzte." Für Notfälle. Außerdem müsse die Frage der Sicherheit und der Verantwortung geklärt werden.
Landrat Cord Bockhop kann sich mit der Idee anfreunden, doch fragt er: "Wurde sie wirklich noch nicht geprüft?" Nach Angaben von Thomas Pilz, Geschäftsführer des St.-Ansgar-Klinikverbunds, hätte eine Prüfung solch einer Option stattgefunden. Er habe allerdings nicht mit dem LdW oder mit dem St.-Marienhospital gesprochen, sondern mit anderen Häusern. "Das Problem des Ärztemangels besteht aber weiterhin", argumentiert er ähnlich wie Muhle. Man bräuchte auch Gynäkologen, die beispielsweise nachts Bereitschaftsdienst leisten.
Eggelmann und das Kooperationsnetzwerk, die in einem nächsten Treffen weitere Schritte vereinbaren wollen, müssen sehr wahrscheinlich auch in der Politik noch einiges an Überzeugungsarbeit leisten, denn der SPD-Fraktionsvorsitzende Christoph Lanzendörfer erteilt der Idee eine klare Absage. "Eindeutiges Nein. Die Stadt Bassum wäre dann da, um die Defizite auszugleichen", vermutet er. Und das wolle er auf gar keinen Fall. CDU-Fraktionsvorsitzende Cathleen Schorling wolle sich das Konzept genau anhören. "Ich muss erst einmal wissen, wie die Zahlenlage ist."








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