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Der Kunstschuppen Asendorf wird zur Bühne für zwölf Hobbypoeten / Erwing Rau sichert sich den Sieg Wenn Gedichte an die frische Luft kommen

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Eva Bongé war die älteste Slammerin am gestrigen Pfingstmontag. Sie landete auf Platz zwei.
Eva Bongé war die älteste Slammerin am gestrigen Pfingstmontag. Sie landete auf Platz zwei.

Asendorf. Trockene Gedichte und Prosatexte finden sich heute wohl in jedem Bücherregal. Doch die Zeiten langweiliger Lyriklesungen sind anscheinend vorbei. Seit es der Poetry Slam ins Fernsehen geschafft hat, ist die neue Stilrichtung vielen Deutschen kein Fremdwort mehr. Mit ihren modernen Texten und Vortragsweisen ist der Poetry Slam auf dem Vormarsch. Seine Anhänger stammen aus den unterschiedlichsten Metiers und Altersgruppen. Zwölf aktive Slammer haben gestern Nachmittag den Weg in den Asendorfer Kunstschuppen gefunden. Dort hatte Gabriele Beutner-Kijewski das Potenzial der Bewegung schon im vergangenen Jahr erkannt und für eine Wiederholung des Kunst-Schiene-Slams gesorgt.

Mit dem Kunstschuppen im Rücken gaben zwölf Hobbypoeten einen kleinen Einblick in die Welt des Poetry Slam. Durch den Nachmittag führte Marco Bultmann. Gut 50 Zuschauer nutzten die besondere Gelegenheit, hingen den Vortragenden an den Lippen und lachten an den richtigen Stellen. Dabei fand ein breites Themenspektrum Einzug in die fünfminütigen Vorträge. Ob Liebe, Umwelt, Moral oder Tiere – jeder der Slammer offenbarte dem Publikum seine ganz persönlichen Interessen.

Die 75-jährige Marlene Stamerjohanns war bis gestern noch die älteste Slammerin Deutschlands. Beim ersten Dichter-Wettbewerb in Asendorf im vergangenen Jahr hatte die Wilhelmshavenerin den zweiten Platz ergattert. Mit drei neuen Texten im Gepäck wollte sie diesen Titel gestern verteidigen. Seit 1996 nimmt Marlene Stamerjohanns regelmäßig an Poetry Slam-Wettbewerben im deutschsprachigen Raum teil. Damit gilt die Slampoetin als echte Trendsetterin in Sachen Lyrik. Gedichte schreibe sie aber schon viel länger, erzählte Marlene Stamerjohanns. "Die Texte bereite ich im Kopf vor, wenn ich mit dem Hund spazieren gehe", erklärte das Slamurgestein. Darin spreche sie sich häufig gegen Genmanipulation und Krieg aus. In Asendorf wolle sie aber mit witzigen Texten überzeugen. Ihren zweiten Platz konnte Marlene Stamerjohanns dennoch nicht verteidigen und auch der Titel der ältesten Slammerin Deutschlands wurde ihr strittig gemacht.

Die 85-jährige Eva Bongé brachte sie um beides. Dabei ist die Sykerin gerade mal seit einigen Monaten aktive Dichterin. "Ich habe mir trotzdem mal gedacht, dass die Gedichte an die frische Luft kommen sollen", meinte Eva Bongé und gab spontan einige Anekdoten aus dem Kopf zum Besten. Da war das Publikum erstmal baff. Denn selbst die jüngeren Vorträger mussten oftmals doch noch auf ihre Notizen zurückgreifen.

Die Idee für den Wettbewerb war Gabriele Beutner-Kijewski im vergangenen Jahr durch eine Sendung im Fernsehen gekommen. Dort gebe es zwischen den Beiträgen auch immer kleine musikalische Einspieler, erklärte die Veranstalterin. Das hätte sie im vergangenen Jahr vermisst und sich diesmal noch schnell darum gekümmert. Der elfjährige Ramon Hänsch unterhielt das Publikum mit kleinen Sequenzen an der Klarinette. Seine Mutter Anett überzeugte später mit ihrem Poetry-Slam-Vortrag und belegte Platz drei. Mit viel rhetorischem Geschick und einer professionellen Darbietungsweise entschied der Schauspieler und Gastronom Erwing Rau – viele kennen ihn als Inhaber der Kastanie in Martfeld-Hollen – den Sieg für sich. Mit tosendem Applaus klatschte das Publikum ihn zum Gewinner des Wettbewerbs.

Außen Slam, innen Ausstellung: Anlässlich eines geplanten Aussichtsturmprojekts in Bruchhausen-Vilsen ließen sich während des Nachmittags künstlerische Exponate zum Thema Turm und ein Modell des geplanten Aussichtsturms im Inneren des Kunstschuppens betrachten. Diese Ausstellung wird noch bis Mittwoch, 13. Juni, in Asendorf zu sehen sein.

Wenn Gedichte an die frische Luft kommen

Der Kunstschuppen Asendorf wird zur Bühne für zwölf Hobbypoeten / Erwing Rau sichert sich den Sieg

Zitat:

"Die Texte bereite ich im Kopf vor, wenn ich mit dem Hund spazieren gehe."

Marlene Stamerjohanns



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