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Nach Tierquälerei-Vorwürfen Grotelüschen geht zur Tagesordnung über

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Die Kritik an Agrarministerin Astrid Grotlüschen (CDU) reißt nicht ab.
Die Kritik an Agrarministerin Astrid Grotlüschen (CDU) reißt nicht ab.

Fast eine halbe Stunde schnippelt Grotelüschen, selbst Mutter von drei Söhnen im Teenie-Alter, mit den Sechsjährigen Paprika, Möhren und Gurken, gibt Tipps, scherzt, fragt interessiert, hilft beim Streichen der Brote. Bürgermeisterin, Landrat und die örtliche Abgeordnete, die der Ministerin die Aufwartung machen wollen, spielen im Küchenraum der Grundschule keine Rolle. Grotelüschen begutachtet lieber die Brotgesichter, die die Kleinen mit den Gemüsestückchen zaubern.

'Wir wollen über die Fantasie motivieren', erläutert Koch Hartmut Wehler das Konzept. Spielerisch will er die Kinder, von denen viele ohne Frühstück oder Pausenbrot in der Schule erscheinen, mit einer vernünftigen Ernährung vertraut machen. Einmal im Monat dreht sich der Unterricht in den ersten Klassen also nur um Essen und Trinken.

'Essen hat mit Genießen zu tun', sagt auch die studierte Haushalts- und Ernährungswissenschaftlerin Grotelüschen. Genauso wichtig jedoch seien die sozialen Aspekte wichtig - gemeinsame Mahlzeiten, das Einhalten von Tischregeln. Damit könne man nicht früh genau anfangen, im Kindergarten, in der Schule. Mehr Hauswirtschaftsunterricht mit Kochkursen sei da doch eine gute Möglichkeit. 'Aber wir dürfen auch die Eltern nicht aus ihrer Verantwortung lassen.'

Gute Ernährung will die gebürtige Rheinländerin, die zuhause in Ahlhorn mit 'meinen vier Männern' gern kocht und immer eine mit belegten Vollkornbrot und Obst gefüllte Pausenbox mit auf Dienstreisen nimmt, zu einem Schwerpunkt ihrer künftigen Arbeit machen. 'Wenn denn endlich etwas mehr Ruhe einkehrt', seufzt die 45-Jährige.

Noch immer steht die Ministerin, die vor einem halben Jahr vom damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) ins Amt berufen wurde, wegen der Putenbrüterei ihres Mannes Garlich Grotelüschen unter Beschuss. In geschäftlich eng verbundenen Partnerbetrieben würden die Puten qualvoll gemästet, lautet der Vorwurf der Tierschutzorganisation Peta, den sich SPD, Grüne und Linke im Landtag zu eigen gemacht haben. Die Ministerin, die bis Anfang des Jahres Prokuristin in dem Familienunternehmen war, habe zudem Parlament und Öffentlichkeit belogen. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat zwar die entsprechenden Ermittlungsverfahren gegen die Grotelüschens eingestellt; Peta und Opposition schießen aber munter weiter.

'So etwas stecken Sie nicht so einfach weg', gibt Grotelüschen zu. 'Das war alles sehr verletzend.' Für ihre Gegner hätten Sachargumente nie gezählt, denen sei es nur noch um den politischen Angriff gegangen. In ihrer eigenen Partei und beim Koalitionspartner FDP habe sie aber über die ganze Zeit großen Rückhalt erfahren. Besonders dankbar sei sie ihrem Vorgänger Heiner Ehlen (CDU). 'Das war bei mir auch so, da musst du durch', habe ihr der Ex-Minister freundschaftlich geraten.

Draußen auf dem Land scheint die Wahrnehmung sowieso eine ganz andere zu sein. Bei ihren Touren durch Niedersachsen mit durchschnittlich vier Terminen pro Tag kommt das Thema Putenmast fast nie vor. Grotelüschen, die interessiert und offen auf die Menschen zugeht, wird überall freundlich und neugierig empfangen. Sei es von den meist älteren und männlichen Mitgliedern des Verbandes der Teilnehmergemeinschaften Verden, sei es von 400 Damen auf dem bunten Festabend der Ammerländer Landfrauenvereine in Wiefelstede.

In Waffensen bei Rotenburg, einem gerade mit Gold ausgezeichneten schmucken 900-Seelen-Dorf, plaudert die Ministerin angeregt mit den Mitarbeiterinnen des örtlichen Mehrgenerationenhauses. Dann fachsimpelt sie mit jungen Landwirten, die sich mit pfiffigen Geschäftsideen wie 'Operette in der Scheune' oder der 'Deutschen Meisterschaft im Kartoffelauskriegen' erfolgreich dem Strukturwandel entgegenstemmen. Henning Poppe etwa, der gemeinsam mit seinen Eltern direkt an der vielbefahrenen B75 einen Hofladen mit eigenen Produkten betreibt.

Dass Obst, Gemüse und Fleischwaren kein Öko-Siegel tragen, schadet laut Poppe nicht. 'Wenn man das den Verbrauchern genau erklärt, akzeptieren sie das auch.' Qualität sei entscheidend. 'Ich kann bei einem Mastschwein nicht die erforderliche Gewichtszunahme erreichen, wenn sich das Tier bei mir nicht wohlfühlt.'

Transparenz und Regionalität, darauf komme es an, pflichtet Grotelüschen begeistert bei. Erzeuger und Produzenten in der Landwirtschaft müssten wahrhaftig bleiben. 'Mit einer falschen Romantik kommen wir nicht weiter.'

Ihre Kritiker werfen der Ministerin wegen ihrer Herkunft Lobbyismus für die industrielle Massentierhaltung vor; sie könne und dürfe gar nicht für kleine und ökologische Betriebe sprechen. Grotelüschen, die während des Studiums in Bonn zwei Jahre lang in einem vegetarischen Restaurant gearbeitet hat, weist dies fast schon ein wenig gekränkt zurück. 'Das ist kein Widerspruch.' Sie setze sich für eine leistungsstarke Landwirtschaft in Niedersachsen ein, weil daran viele Jobs, Betriebe und eine große Wertschöpfung hingen. 'Jedes dritte Öko-Ei kommt inzwischen aus Niedersachsen', weist sie auf die wirtschaftliche Bedeutung dieser Branche hin. Man dürfe die Produktionsarten nicht gegeneinander ausspielen. 'Ich möchte, dass wir die Menschen mit unseren niedersächsischen Produkten zufrieden stellen.'



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Leserkommentare
onkelhenry am 20.06.2013 12:22
Wenn sich das Wetter/Klima so weiter entwickelt, wie in den letzten Jahren, dann werden noch viele Freibäder schliessen (müssen).
Dann wird es ...
onkelhenry am 20.06.2013 12:17
Leistungsdaten auf transfermarkt.de sind ganz ordentlich. Schiesst im Schnitt in jedem 2. Spiel ein Tor. Klingt interessant.

*hehe* ...
 
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