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Tarmstedt·Wennigsen Immer mehr Bürgermeister bloggen

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Die Bronzefiguren Jan, Anna und Trina plaudern vor dem Rathaus, Bürgermeister Frank Holle bloggt.
Die Bronzefiguren Jan, Anna und Trina plaudern vor dem Rathaus, Bürgermeister Frank Holle bloggt.

Seit Kurzem führt Frank Holle, Bürgermeister der Samtgemeinde Tarmstedt, ein Blog auf der Webseite der Gemeinde. "Die Geburtenzahlen im Rathaus sind schwer in Ordnung", schreibt er zum Beispiel am 13. Januar. Gleich drei Mitarbeiterinnen seien in letzter Zeit in den Mutterschutz gegangen. An anderen Tagen erfuhren Besucher, dass der Gemeinderat ein neues Wohngebiet, den Ausbau des Friedhofes und die Sanierung des Fuß- und Radwegs vom Busbahnhof bis zum Ortsausgang plant. Mit dem Gedanken, das Internet zu nutzen, um Bürger direkt anzusprechen, hatte Holle schon länger gespielt. "Den letzten Anstoß gab dann ein Seminar des Städte- und Gemeindebundes im Dezember", sagt er.

Der Kursus mit dem Titel "Die Gemeinde in sozialen Netzwerken und der 'Cloud'" richtet sich an Bürgermeister, EDV-Leute und andere Verwaltungsangestellte. Im Laufe der Veranstaltung werden die wichtigsten sozialen Netzwerke und ihre Anwendungsmöglichkeiten für Verwaltung und Politik vorgestellt. Nach Auskunft des Städte- und Gemeindebundes Niedersachsen war die Nachfrage so groß, dass fünf zusätzliche Termine eingerichtet wurden.

Christoph Meineke ist Bürgermeister der Gemeinde Wennigsen in der Region Hannover. Der 32-Jährige ist einer der Vorreiter in der Nutzung sozialer Medien für Kommunalpolitik. Mittlerweile gibt er selbst Seminare im Auftrag des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Bereits seit 2009 schreibt er unter www.buergermeister-blog.de über Ereignisse in seiner Gemeinde - sei es die Einführung einer gymnasialen Oberstufe an der Gesamtschule oder die Schließung des Gasthauses "Zur Tenne". Im Durchschnitt kämen täglich etwa 130 Besucher auf die Seite, sagt er. "An guten Tagen sind es sogar 300."

Bloggen in der Freizeit

Regelmäßige Aktualisierungen kosten allerdings Zeit. "An den Einträgen schreibe ich manchmal nur fünf Minuten, manchmal aber auch einen halben Abend." Selbst von unterwegs schickt Meineke immer wieder Bilder und Texte über den Kurznachrichtendienst Twitter.

Auch Bergens Bürgermeister Rainer Prokop, der seit Dezember ebenfalls ein Blog führt und im Sozialen Netzwerk Facebook aktiv ist, schreibt seine Beiträge "immer jenseits normaler Arbeitszeiten". Die zusätzliche Arbeit lohne sich aber, sagt Prokop. Online-Kommunikation sei eine Erweiterung des normalen Bürgergesprächs. "Im Internet erreicht man Menschen, denen man sonst kaum begegnet." Auf Facebook sei er außerdem für Leute direkt ansprechbar, die sich sonst vielleicht nicht trauen würden, auf ihn zuzugehen.

Frank Holle plant, sein Blog vor allem als Alternative zu Pressemitteilungen und als Informationsquelle für Bürger und Ratsmitglieder zu nutzen. In seinen Beiträgen will er Nachrichten zwar kommentieren, allerdings nur "aus Sicht der Samtgemeinde". Prokop und Meineke präsentieren sich dagegen in ihren Nachrichten auf Facebook und Twitter auch als Privatpersonen. Meinekes Vorbild sind dabei die Twitter-Nachrichten des Londoner Bürgermeisters Boris Johnson. Seine eigenen Beiträge versucht er, genauso "aktuell, spontan und authentisch" zu schreiben, wie der britische Kollege. "Sonntag Neujahrsrede, gestern Ausstellungseröffnung Demographischer Wandel, heute Bürgerbeteiligungsprojekt diskutiert - jetzt: müde", heißt es beispielsweise in einem Eintrag. Rainer Prokop kritisiert auf Facebook das Verhalten von Christian Wulff, bemängelt aber auch den Umgang der Medien mit dem Bundespräsidenten - und bekam dafür immerhin zwei Gefällt-Mir-Daumen.

Größere Transparenz und virtuelle Bürgernähe sind jedoch nicht die einzigen Vorteile, die sich Kommunalpolitiker von Internet-Anwendungen versprechen. In Wennigsen läuft zurzeit ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Universität Bremen, bei dem die Bewohner online an der Planung eines Wohngebietes mitwirken können. Im vergangenen Jahr waren alle Bewohner der Gemeinde aufgerufen, Baudenkmäler in Wennigsen zu fotografieren und die Fotos der Online-Enzyklopädie Wikipedia zur Verfügung zu stellen. Das Ergebnis ist eine Art digitaler Touristenführer, in dem laut Meineke fast alle Baudenkmäler der Gemeinde einen eigen Eintrag haben. Allerdings wird auch bei dieser Aktion deutlich, wie viel vom Einsatz einzelner Personen abhängt. Viele der Wennigsen-Artikel wurden von einem Benutzer namens CM Wgs erstellt. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich der Bürgermeister persönlich.



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Leserkommentare
HanseMike am 19.06.2013 13:58
>Es gäbe diese Möglichkeiten, aber es sind die Hände gebunden, man will es nicht! Warum wohl???
ExMueller am 19.06.2013 12:34
Die Schule liegt in einem kleinen Wohngebiet,haben die Anwohner denn nichts gehört?Und das in einem Dorf!Unfassbar!
 
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