
Rockey und Chico sollen in Fußballstadien für Sicherheit und Ordnung sorgen. Nach kontroversem Streit um das Abbrennen von Rauchbomben, Feuerwerk und Raketen auf den Tribünen liegen Vereine, Deutscher Fußball-Bund und Sicherheitsbehörden auf einer Linie.
In einem bundesweit einmaligen Pilotprojekt werden in Niedersachsen nun die beiden frisch ausgebildeten Polizeihunde, der Golden Retriever Rockey und der Border Collie Chico den Kampf gegen das Einschmuggeln verbotener Feuerwerkstechnik aufnehmen. Die beiden Hunde sollen bei Spielen der Erstligisten Hannover 96 und VfL Wolfsburg, auch aber in Braunschweig oder Osnabrück zum Einsatz kommen.
"Wir müssen alles daran setzen, dass Pyrotechnik nicht in die Stadien gelangt", sagte Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) gestern bei der Vorstellung der neuen Polizeihunde in Hannover. Die Gefahren seien oft nur unzureichend bekannt. Diese reichten von schwerer Verbrennung über Gehörschäden bis zu abgerissenen Fingern und Händen, erläuterte Polizeihauptkommissar Thomas Prange. Zu chaotischen Szenen hatten Rauchbomben und Pyrotechnik im Saisonfinale unter anderem bei der Abstiegspartie des 1. FC Köln gegen Bayern München in Köln geführt oder bei dem Relegationsspiel von Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC.
"Wir haben keine normalen Polizeihunde ausgewählt, damit die Menschen keine Angst bekommen", sagte der Leiter der Polizeihundeausbildung in Hannover, Alfred Kaufhold. "Diese Hunde reizen eher zum Streicheln." Mit ihrem freundlichen Wesen hätten sie auch eine deeskalierende Wirkung beim Einsatz in den Stadien.
Die Familienhunde seien besonders sozialverträglich und gutmütig, auch wenn ein angetrunkener Fan eine unbedachte Bewegung mache. Die Gefahr, dass der Hund zubeiße, sei geringer. "Im normalen Polizeidienst können wir die Hunde aber nicht verwenden, die können nicht hinter einem Straftäter her rennen."
In nur elf Wochen wurden die beiden Rassehunde für das Auffinden von pyrotechnischen Materialien geschult. Entdecken sie etwas Verdächtiges, reagieren sie mit "Einfrieren" – sie verharren regungslos an der verdächtigen Stelle, und der Polizeibeamte kann dort gezielt nachprüfen.
Einsatz im Fanblock
Auf der Suche nach Pyrotechnik hatte bislang nur die Bremer Polizei Hunde eingesetzt, allerdings gewöhnliche Sprengstoffsuchhunde, wie das Innenministerium erklärte. Die schnelle Beschaffung der beiden neuen vierbeinigen Kollegen war für die Polizei nicht einfach – Rockey kam aus Kroatien nach Hannover, Kollege Chico indes stammt aus der Landeshauptstadt. Wenn sich die Hunde bewähren, solle auch den privaten Sicherheitsdiensten in den Stadien der Einsatz empfohlen werden, sagte Schünemann. "Das ist eine zusätzliche Maßnahme." Es müsse abgewartet werden, wie die Hunde ihren Einsatz bewältigen. Ihr Einsatz sei zunächst eher in den Fanblocks und nicht am Einlass geplant, wo mit zwei Hunden bei Tausenden von Fans nicht viel ausgerichtet werden könne.
Die Spürnase von Hunden ist für die Polizei immer wieder hilfreich. Polizeihunde helfen bei der Suche nach Vermissten, können Drogen erschnüffeln oder sollen, wie jetzt in Niedersachsen, bei der Suche nach Feuerwerkskörpern in Fußballstadien helfen. Hoch spezialisierte Suchhunde sind sogenannte Mantrailer.
Seit Oktober 2010 verfügt Niedersachsen mit Bloodhound Fanta und den beiden Hannoverschen Schweißhunden Hummel und Hudson über derartige Experten. Sie nehmen beispielsweise über ein Kleidungsstück den individuellen Geruch einer gesuchten Person auf und folgen dann dieser Duftspur. Mantrailer können selbst nach Tagen noch Fährten aufnehmen – wie lange eine Spur erhalten bleibt, hängt aber vom Wetter ab.
Die beliebtesten Polizeihunde in Niedersachsen sind belgische Schäferhunde. Von den rund 220 Tieren, die in Niedersachsen im Einsatz sind, sind etwa 150 belgische und rund 40 deutsche Schäferhunde. Dagegen sind Rottweiler bei der Polizei absolute Exoten. Kommentar Seite 2









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