
Ein gelbes X aus Holz, Zeichen des Widerstandes gegen die Atomtransporte.
Der genaue Termin ist noch geheim, die genaue Route ebenso: Noch in diesem Herbst sollen zwei Transporte mit 16 hochradioaktiven, plutoniumhaltigen Mischoxid-Brennelementen (Mox) quer durch Niedersachsen rollen – vom Weser-Hafen Nordenham bis zum Atomkraftwerk Grohnde im Landkreis Hameln.
Entsprechende Informationen von Bürgerinitiativen bestätigte jetzt eine Sprecherin des AKW-Betreibers Eon. "Das Transportunternehmen hat vom Bundesamt für Strahlenschutz zwei Genehmigungen erhalten und will diese noch in diesem Jahr nutzen." Einzelheiten nannte der Energiekonzern freilich nicht. Das sei zur Verschlusssache erklärt worden.
Die Atomkraftgegner rechnen dagegen damit, dass die erste Fuhre mit dem hochgiftigen, atomwaffenfähigen Material schon in der zweiten Septemberhälfte aus der britischen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield nach Nordenham kommt. Im November könnten dann die nächsten acht Mox-Brennelemente, die jeweils rund 16 Kilogramm Plutonium enthalten, folgen. Diese sollen dann ab 2013 im AKW Grohnde anstelle der bisher genutzten Uranbrennstäbe eingesetzt werden. Der Transport war wegen heftiger Proteste schon mehrmals abgesagt worden.
Weitere Route fraglich
Wie es an Land weiter nach Südniedersachsen geht, können die Bürgerinitiativen nur vermuten. In erster Linie bietet sich für die Hanauer Firma Nuclear Cargo Service natürlich die Straßenroute über Autobahn und Bundesstraße durch Bremen über Walsrode, Hannover und Hameln an. Dagegen spricht der Beschluss der Bremischen Bürgerschaft gegen Atomtransporte über das Territorium der Hansestadt. Denkbar ist demnach ebenso die längere Alternativstrecke über Oldenburg und Osnabrück. Im Landkreis Wesermarsch hegt man allerdings auch den Verdacht, dass die Brennelemente per Bahn nach Grohnde kommen sollen. Die Kommune fühlt sich nicht ausreichend informiert, prüft sogar rechtliche Schritte gegen die Fuhre.
Die Regionalkonferenz "Grohnde abschalten" ruft derweil für den morgigen Sonntag zu landesweiten Protesten gegen den Transport auf. In Nordenham soll es eine "Anti-Mox-Fahrradtour" zu den beiden möglichen Anlegestellen des Schiffs aus Sellafield geben; entlang der Straßenstrecke soll ein "Aktions-Bulli" die Bürger in mehreren Orten über die Gefahren aufklären; am Atomkraftwerk selbst sind Autokorso und Demo geplant. Schon die vorgesehene Atom-Fähre aus England berge ein enormes Risiko, warnte Tobias Darge von der Regionalkonferenz. Die "Atlantic Osprey" sei uralt und verfüge über keine Doppelhülle. Weil sie kurz vor der Verschrottung stünde, sei bereits das Sonar-System zur Ortung ausgebaut worden.
"Erlaubnis sofort widerrufen"
Schützenhilfe bekommen die AKW-Gegner von der Grünen-Landtagsfraktion. Sie forderte von den schwarz-gelben Regierungen im Bund und im Land, die Erlaubnis für die Mox-Fuhre sofort zu widerrufen. "Bei einem schweren Transportunfall könnten erhebliche Mengen Plutonium freigesetzt werden; bei einem Unfall im AKW sind die Auswirkungen noch gefährlicher", sagte die Grünen-Abgeordnete Ina Korter aus Nordenham. "Dieses Risiko kann niemand verantworten."
Niedersachsens Umweltminister Stefan Birkner (FDP) wies die Bedenken zurück. Deutschland sei zur Rücknahme der wiederaufbereiteten Brennelemente aus Großbritannien völkerrechtlich verpflichtet; dies sei auch ein Teil des von der damaligen rot-grünen Bundesregierung 2002 beschlossenen Atomausstiegs. Wenn die Grünen nun den Stopp der Transporte forderten, verstießen sie nicht nur gegen internationales Recht, sondern auch gegen ihr eigenes Entsorgungskonzept für Plutonium, meinte Birkner. "Das ist scheinheilig."







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