"Wenn uns in den nächsten Jahren der Ausbau der Offshore-Windanlagen nicht gelingt, wird es schwierig mit der Energiewende", sagt der Minister. Und es klingt wie ein Vermächtnis des früheren Atomkraft-Befürworters und Windstrom-Skeptikers. Es gilt als ausgemachte Sache, dass der 66-jährige ehemalige Hauptschulrektor noch in diesem Jahr seinen Posten räumt und den Chefsessel für seinen Staatssekretär Stefan Birkner frei macht.
Als FDP-Landeschef auserkoren
Der 38-jährige Jurist ist als neuer FDP-Landeschef auserkoren, da macht sich über kurz oder lang ein Ministertitel gut - zumal bald der Wahlkampf für die Landtagswahl Anfang 2013 vor der Tür steht. Für den 25. September haben die Landes-Liberalen einen Sonderparteitag angesetzt, der die neue Führungskraft wählen soll. Ob Sander bis dahin allerdings schon seinen Rücktritt verkünden wird, ist keineswegs sicher. Vor den Kommunalwahlen am 11. September ist dieser Schritt auf keinen Fall zu erwarten. Kurz vor oder zum Parteitag selbst würde er die Inthronisierung Birkners überlagern.
"Ich habe noch viel vor", beantwortet Sander Terminfragen schmunzelnd. Ende September wolle er eine Delegation von Windkraftbetreibern nach Houston in die USA begleiten. Und auch eine Teilnahme an der Welt-Klimaschutzkonferenz Anfang Dezember in Südafrika reizt den Minister ungemein. Achteinhalb Jahre ist der Minister jetzt im Amt, eckte mit seinem Pro-Atom-Kurs und dem entsprechenden "Kerngesund"-T-Shirt ebenso an wie mit einer umstrittenen Abholzaktion in der Elbtalaue, die als "Kettensägen-Massaker" in die jüngere Landesgeschichte einging. "Naturschutz mit den Menschen, nicht gegen die Menschen", lautet dagegen Sanders Motto, das ihn auch schon mal zu ungewöhnlichen, aus Sicht der Opposition auch zu illegalen Mitteln greifen ließ. So ließ er eigenhändig auf Kosten des Landes Befestigungssteine für Ufer-Anwohner der Werra herankarren, was den Landesrechnungshof mit einer Rüge auf den Plan rief.
Lust am Regieren strahlt der Minister nach wie vor aus; seine Sommertour, die ihn auch zum Oberharzer Wasserregal, in die Lüneburger Heide und zu einem Champignonbetrieb in Winsen/Luhe führt, will er keinesfalls als Abschiedstournee verstanden wissen. So mancher Parteifreund möchte erst dann an einen Rücktritt glauben, wenn dieser tatsächlich vollzogen ist. "Bei Sander weiß man ja nie", raunt eine Liberale durchaus anerkennend.
Jetzt freut sich der Minister über die Seereise im Zeichen der Energiewende. "Sander macht keinen Wind, er lässt Wind machen", scherzt er mit seinem Begleittross auf der "Wind Force I", dem 2200 PS starken Versorgungskatamaran für den Windpark. Claus Burkhardt, Betriebsleiter von "alpha ventus" erläutert das Testfeld mit seinen zwölf Windrädern, erklärt die verschiedenen Gründungsfundamente, zeigt auf das Forschungsschiff, von dem aus mit Hunderten Sonden die Auswirkungen sowohl auf Meeresboden als auch in der Unterwasserwelt untersucht werden. Auch die Probleme im vergangenen Jahr spart er nicht aus. Da musste der Bremer Anlagenbauer Areva die Getriebe seiner sechs Mühlen austauschen. Dessen Lieferant hatte den Lagerwerkstoff geändert, was eine andere Wärmeausdehnung zur Folge hatte.
Vergessen. Seit Oktober liefert "alpha ventus" über die 66 Kilometer lange Norderney-Trasse Strom ans Festland - 19 Gigawattstunden, was dem Verbrauch von 54000 Haushalten entspricht und fünf Prozent über der Prognose liegt. Ab einer Windgeschwindigkeit von zwölf Metern pro Sekunde fahren die Mühlen Volllast. "Jetzt sind es zehn Meter Wind", ruft Techniker Ralf Klooster, das reicht immerhin für eine Produktion von 4,5 Megawatt Strom pro Anlage. Für einige der Passagiere sind aber auch das und die Dünung mit 1,5 Meter hohen Wellen schon zu viel. Sie müssen sich wegen Seekrankheit flugs über die Reling hängen oder sich über die Schüssel der engen Bordtoilette beugen. Sander bleibt von solchen Unbilden verschont, scherzhaft beschwert er sich über den "lauen Seegang". Genug Energie hat dieser Minister also auf jeden Fall noch.








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