
Unter der Feuerwalze: Im Container üben Feuerwehrleute richtiges Verhalten.
Diesmal passiert nichts, auf Knopfdruck erlöschen alle Feuerzungen. Ein Schwall warmer Luft dringt noch nach außen, an den Wänden zeugen ein paar Rußspuren von dem Spektakel. Es ist eine Übung, Training für den Ernstfall. "Hier ist ein Fehler kein Problem. Draußen im Einsatz kann es tödlich enden", sagt Thorsten Riekers, Kreisschirrmeister der Feuerwehr des Heidekreises in Walsrode.
Auf deren Gelände in Schneeheide steht Niedersachsens einzige "wiederverwertbare" Brandsimulationsanlage. Es ist ein kleines Containerdorf auf einem freien Feld, in dem brenzlige Situationen per Fernsteuerung beliebig oft nachgestellt werden können – eine brennende Fritteuse genauso wie ein Feuer in einer Garage oder der Schwelbrand im hinteren Bereich einer Wohnung. Die Flammen werden durch Flüssiggas erzeugt, fein dosierbar und im Notfall auch sofort abschaltbar. Herkömmliche Übungsobjekte der Feuerwehren bestehen dagegen aus angezündetem Holz, meist aus alten Paletten – zwar ein natürliches Feuer, aber eben auch nicht kontrollierbar. Mit Gas lässt sich zudem eine viel größere Hitze erzeugen – bis zu 500 Grad. Im Ernstfall ist diese Temperatur aufgrund der vielen verschiedenen verbauten Materialien keine Seltenheit.
Seit gut einem Jahr ist die Anlage von Schneeheide in Betrieb, sie ist ein Gemeinschaftswerk des Heidekreises und des Landkreises Rotenburg. 600000 Euro hat sie gekostet, finanziert von beiden Kommunen aus der Feuerschutzsteuer. "Das Land hat nichts dazu gegeben", sagt Heidekreis-Landrat Manfred Ostermann. Anfangs sei er skeptisch gewesen, ob sich zwei Kreise ohne Streit eine derartige Einrichtung teilen könnten. Aber die Kooperation funktioniere perfekt. Die Feuerwehren beider Kreise schicken ihre Leute jedes Wochenende abwechselnd zur Fortbildung nach Schneeheide. Pflicht ist der Besuch nicht, aber er wird jedem Mitglied der Kreiswehren, das im Einsatz Atemschutzgeräte trägt, dringend empfohlen.
Nutzung gegen Gebühr
Inzwischen denkt Ostermann sogar weiter. Er will die Simulationsanlage für Privatunternehmen und deren Werksfeuerwehren öffnen – gegen Gebühr, versteht sich. "Die zahlen gerne." Das Training diene schließlich als Nachweis für die behördlichen Sicherheitsprüfungen. Derzeit erarbeite man eine Entgeltordnung. "Da sind wir dran; die Nachfrage besteht", sagt Landrat Ostermann.
An Wochentagen vormittags seien die Übungscontainer nicht ausgelastet, da die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren ja nur außerhalb der normalen Arbeitszeiten trainieren könnten. "Unsere Ehrenamtlichen haben morgens keine Zeit."
Vize-Kreisbrandmeister Hartmut Staschinski erläutert derweil die nächste Übung: "Tür checken, Tür öffnen, mit dem Schlauch reingehen." Erst müssten die Kameraden prüfen, ob die Tür heiß ist. Wenn ja, drohten sofort gefährliche Stichflammen. "Immer in die Knie gehen", rät der Experte – wegen der von oben drohenden Hitze. "Wir von der Feuerwehr haben den Nachteil, dass wir immer zum ungünstigsten Zeitpunkt ankommen." Wenn der Brand seine gefährlichste Stufe erreicht habe. "Das müssen wir laufend trainieren", meint Staschinski. "Irgendwann kommt der Ernstfall."








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