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Christliche Handwerkerstube stellt textile Kunst für Kirchenräume her / Farben haben liturgische Bedeutung Violett geleitet durch den Advent

Altarschmuck aus Paramentenwerkstatt
Paramentikerin Christina Ritter mit einem Talar mit roter Stola.

Mit flotter Hand schickt Christina Ritter das Schiffchen mit lilafarbener Wolle durch die straff gespannten Kettfäden ihres über 60 Jahre alten Webstuhls. Mit links legt sie dabei weitere Fasern aufs Gewebe, Strich für Strich entsteht eine Applikation auf dem Stoff: Das ist die Technik der fliegenden Nadel. „Es sieht aus wie Stickerei, geht aber schneller“, erklärt die Handweberin. Christina Ritter ist ausgebildete Paramentikerin. Sie stellt textile Kunst für Kirchen in Handarbeit her: Antependien, also wertvolle Behänge für Altar, Lesepult und Kanzel, sowie kostbare Boden- und Wandteppiche, Stolen, Beffchen und Leinentücher für das Abendmahl.

Die Werkstatt im Stift Bethlehem von Ludwigslust gehört zu den bundesweit noch fünf Ateliers in Trägerschaft der evangelischen Kirche, erläutert die Marienberger Vereinigung für evangelische Paramentik in Helmstedt. Weitere 14 Kunstwerkstätten arbeiten als private Gründungen ebenfalls, aber nicht hauptsächlich für sakrale Räume. Moderne Paramentik sei mehr als Schmuck, sie habe den Anspruch gehobener zeitgenössischer Kunst, betont Vereinsvorsitzender Klaus Raschzok, Professor für praktische Theologie an der Augustana-Hochschule Neuendettelsau in Bayern.

Parare (Latein) heißt bereiten. Paramente markieren die im Gottesdienst wichtigen Orte. Farben haben liturgische Bedeutung, Violett, Weiß, Rot und Grün wechseln sich im Kirchenjahr ab. Im Advent, der Vorbereitungszeit auf das Weihnachtsfest, bestimmen violette Töne das Farbenspiel auch in der christlichen Handwerkerstube Ludwigslust. „Lila steht für Buße und Besonnenheit, Kirchen legen daher in den Wochen vor Heiligabend violette Decken und Behänge auf“, erklärt Christina Ritter.

Die Zeit drängt: Einen klassischen „Dreiteiler“ für Altar, Kanzel und Lesepult aus lila Wollstoff soll noch pünktlich zur Adventszeit die Dorfkirche Kessin bei Rostock bekommen. Die Gemeindemitglieder selbst hätten dafür viele Ideen zusammengetragen, erzählt Christina Ritter. Die violette Weberei mit der „fliegenden Nadel“ indes sei für Kühlungsborn bestimmt und werde wohl erst zur Passionszeit vor Ostern fertig.

Jede Arbeit sei eine Maßanfertigung mit Anproben von Entwürfen direkt am Ort des Geschehens, sagt die Expertin. „Wir haben unseren eigenen Stil“, betont Kollegin Angelika Wächter. Passend zu den norddeutschen Back- und Feldsteinkirchen sowie den oft schlichten oder auch bunt ausgemalten Innenräumen werden neben biblischen Symbolen wie Fische, Ähren und Tauben moderne Motive entworfen. Zudem werden Farbkombinationen, Materialien und Techniken speziell für die Unikate ausgewählt. Die Kunst solle zum jeweiligen Kirchenraum passen, finden die Paramentikerinnen. Dabei seien die edlen Textilien aus Schafwolle, Seide, Hanf und Leinen wichtige Elemente des Gottesdienstes.

Die Nordkirche, entstanden zu Pfingsten 2012 aus den drei Landeskirchen Nordelbien, Mecklenburg und Pommern, unterhält noch eine zweite Paramentenwerkstatt in Ratzeburg. Das Betätigungsfeld für die Kirchenkünstler ist riesig, schließlich reicht die Region der neu gebildeten norddeutschen Kirche vom südlichen Dänemark bis zur polnischen Grenze. „Da haben beide Werkstätten gut zu tun“, sagen die Mecklenburgerinnen. Der Bedarf an gutem religiösem Tuch sei ungebrochen, meint Christina Ritter – trotz der sinkenden Zahl der Gläubigen und damit auch der Gottesdienste. Ihre Werkstatt, die seit über hundert Jahren im Stift Ludwigslust angesiedelt ist, geht auf den 1876 von Baronin Martha von Maltzan gegründeten Mecklenburgischen Paramentenverein zurück.

„Der wirtschaftliche Druck lässt die Paramentiker zu den Anfängen und alten Tugenden zurückkehren“, sagt Theologe Raschzok von der Marienberger Vereinigung. So fertigten Deutschlands evangelische Designer – wie ihre Vorgänger in früheren Zeiten – längst nicht mehr nur Kunstwerke für sakrale Stätten. Vielfalt sei heute ebenso gefragt wie der Weg aus dem Kirchenraum hinaus, sagt Klaus Raschzok. In aufwendiger Handarbeit entstünden auch ganz weltliche Festroben und alltagstaugliche Designerkleidung.



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Leserkommentare
ChristianBremen am 21.10.2014 21:13
Seit Fritz Stammspieler ist, geht's mit Werder bergab, weil das Team faktisch mit einem Mann weniger auf dem Platz steht.

Zu Allofs ...
1-Werder am 21.10.2014 20:41
Aus geografischer Distanz (Schweiz) ist wenig verständlich, dass Willi Lemke dermassen angeprangert wird. Wo waren seine Kritiker, als Werder noch in ...
 
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