Hunderte haben sich gemeldet. Ginge es nach den Absendern der fast 500 E-Mails, die uns allein in dieser Woche mit immer dem gleichen Text über ein Kontaktformular der Internetseite www.vegane-gesellschaft.org erreichten, dann könnte unser Schwein sofort auf den Lebenshof im Hunsrück umziehen, ein Tierasyl von "free animal". Das Motto der Veganer, die die Nutzung von Tieren und tierischen Produkten grundsätzlich ablehnen: "Ich appelliere an Ihre Menschlichkeit."
Mehrere Hundert Unterstützer hat inzwischen auch die Facebook-Gruppe "Das Schwein bleibt". Bis gestern Nachmittag drückten 466 Facebook-Nutzer den "Gefällt mir"-Button. Alle wollen die Schlachtung verhindern: "Sehen Sie das Schwein doch als Kollegen an, Kollegen bringt man ja normalerweise auch nicht um", appelliert jemand. Ein anderer schimpft: "Drecksblatt".
Unsere Leserin Marita H. hat angerufen und spontan zugesagt, den Unterhalt für unser Schwein auf dem Gnadenhof Eversmeer in Ostfriesland zu zahlen, immerhin 200 Euro im Jahr. Andere Leser wollen sich mit Spenden beteiligen.
Und dann ist da noch die E-Mail von "Maria aus Kiel". Sie würde "das Schwein zur Not aufnehmen", schreibt sie. Obwohl sie bekennt: "Ich bin selber Fleischesser und werde es auch immer bleiben." Doch seit sie im Internet auf unsere Schweinegeschichten aufmerksam geworden ist, "habe ich immer im Hinterkopf, dass das Tier dafür sein Leben lassen muss."
So ist das. Und genau darüber gehen die Meinungen heftig auseinander - auch in der Niedersachsenredaktion.
Aber noch ist bei "Ein Schweineleben" ja erst Halbzeit. Eine gute Gelegenheit, kurz noch einmal unser Anliegen in Erinnerung zu bringen. Vorweg jedoch, was wir nicht wollten und wollen: Eine Diskussion über fleischlose Ernährung führen. Was wir wollen: am Beispiel des Redaktionsschweines über Tierhaltung und Fleischkonsum informieren - umfassend, über einen längeren Zeitraum hinweg, eben ein Mastschweinleben lang.
Über das Schwein an sich, über Haltungsformen, überbordende Vorschriften oder die Futtermittelproduktion haben wir bereits berichtet. Heute geht es um Medizin im Schweinestall, es folgt ein Bericht über Tiertransporte, ein Interview mit einer Ernährungswissenschaftlerin, und - selbstverständlich - besuchen wir einen industriellen Schlachthof und die Landschlachterei, in der Bauer Brüns aus Klein Sehlingen seine Schweine schlachten lässt.
Wir hoffen, dass wir zumindest den einen oder anderen Leser für das Thema sensibilisieren können, damit er oder sie künftig Schweinefleisch bewusster einkauft. Dass Verbraucher auf die Herkunft des Bratens oder des Schnitzels achten. Dass ihnen bewusst ist, dass das Kotelett in der Tiefkühltruhe einmal vier Beine hatte, und dass Schweine als Kreaturen ein würdiges, artgerechtes Leben vor dem Schlachten verdienen. Und dass Kunden bereit sind, dafür im Supermarkt einen angemessenen Preis zu zahlen. Deshalb haben wir unser Schwein aus der Anonymität der Fleischproduktion herausgeholt.
Wird es nun geschlachtet oder nicht? Die Motive der Tierschützer sind sicher ehrenwert. Doch sollen wir das Tier "Maria aus Kiel" anvertrauen, die sich "schon lange ein Hausschwein" wünscht? Oder ihm einen Lebensabend auf dem Gnadenhof ermöglichen? Und dann ist die Frage: Was passiert mit den anderen sechs Schweinen, die mit dem Redaktionsschwein zusammen im Stall stehen?
Für mich steht fest: Wer Fleisch essen will, kommt um das Schlachten nicht herum. Doch wie gesagt: Auch in der Niedersachsenredaktion ist die Diskussion noch voll im Gange.
hans.ettemeyer@weser-kurier.de








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