
Wildeshausen. Es war noch nicht einmal 20 Uhr, da strömten am Pfingstsonntag schon die ersten Schaulustigen zum Burgberg, um entweder ihre Klappstühle in nächster Nähe zum kommenden Geschehen zu platzieren oder die ersten an der Absperrung zu sein. Diese Idee schien sich mehr als rentiert zu haben, als zu etwas späterer Stunde kaum noch etwas von grauem Asphalt und grünem Gras auf der Burgwiese und drum herum zu sehen war. Moderator Martin Siemer führte die wachsende wartende Menge durch ein abwechslungsreiches musikalisches Programm, bevor das große Feuerwerk mit dem Einbruch der Dunkelheit gezündet werden konnte.
Als "fester Bestandteil des Gildefestes" eröffnete der Fanfarenzug Wildeshausen den Abend. Nachdem die Trompeten angesetzt, die Trommelstöcke bereit gehalten und die Notenblätter aufgestellt waren, überzeugten die Musiker mit Märschen, aber auch mit modernen Stücken wie "Willenlos" von Marius Müller-Westernhagen.
Auch wenn es zu dieser Uhrzeit noch ziemlich hell und damit zu früh war, die Köpfe gen Himmel zu strecken, bot der Anblick eines tief fliegenden bunten Heißluftballons ein weiteres besonderes Ereignis.
Farbenfroh wurde es auch beim Auftritt der Gäste aus Rastede. Mit den "Drum Corps Blue Lions Rastede" erwartete die Zuschauer ein echter Höhepunkt für Augen und Ohren, fand auch Moderator Martin Siemer. In ihren tiefblauen Anzügen mit goldenen Pailletten und glänzenden Fahnen machten die "Löwen" nicht nur optisch eine Menge her. Mit Trompeten, Trommeln in den unterschiedlichsten Größen sowie weiteren Instrumenten wie einem Xylofon überzeugten sie auch musikalisch. Neben bekannter Marschmusik, wie sie Fanfarenzug, Spielmannszug und Musikkorps Wittekind überwiegend darboten, spielten die "Blue Lions" nämlich auch modernere Stücke aus den Charts. Den Klassiker "Saturday Night Fever" in dieser abgewandelten Version zu erleben, war sicherlich für den einen oder anderen Besucher besonders originell.
Mit ihrem neuen Programm "We got you" zeigte das "Ausnahmeorchester" schließlich, dass man als Musikgruppe keinesfalls während eines Auftritts an einer Stelle stehen bleiben und ausschließlich musizieren muss. Die Fahnenträgerinnen schwenkten ihre Tücher nicht nur im Takt zur Musik, sondern tauschten sie hin und wieder auch gegen Gehstöcke ein und verwandelten die Wiese in eine Tanzfläche.
Außergewöhnlich sollte auch das Feuerwerk werden, dessen Bestandteile schon im Hintergrund bereit zum Verpulvern lagerten. "Es wird ein richtig lautes Finale" versprach Ralf Fremy, der zusammen mit seinem Team aus Wittmund schon das dritte Mal für einen bunten Himmel über der Kreisstadt sorgte.
Heitere Trinkgelage
Doch bevor Wildeshausen und die Burgwiese in ein buntes Farbenmeer getaucht wurden, begrüßte Bürgermeister und Gildegeneral Kian Shahidi die Menge. Als gegen kurz vor zehn aus der Ferne wieder die Trommeln, Becken und Lyra erklangen, wusste jeder der Anwesenden, dass das Gildefest kurz bevor stand. General Shahidi betonte in seiner traditionellen Ansprache die Verbundenheit zwischen der Stadt und der Gilde. Er erinnerte an die Anfänge dieser Bruderschaft und ihre Statuten. "Schon damals sind große, heitere Trinkgelage nicht unerwähnt geblieben", verwies er auf eine Gemeinsamkeit zwischen der früheren und heutigen Gilde.
Im Gegensatz zu früher beginnt die stimmungsvolle Woche in der Gegenwart mit diversen bunten Knalleffekten. Gegen viertel nach zehn zündete Ralf Fremy die vielen Kilos Schwarzpulver und war somit auch der Mann, der das 609. Gildefest endgültig eröffnete. In Gedenken an die kürzlich verstorbene Sängerin Whitney Houston unterlegte ihr Lied "I will always love you" einen Großteil des farbenfrohen und eindrucksvollen Spektakels. Nach einem Klassiker der Rockgruppe "Kiss" beruhigte sich der Himmel über Wildeshausen allmählich wieder, wohingegen die unzähligen Schaulustigen das große Festzelt aufsuchten.
Der Montag konnte dann vor dem abendlichen Fackelumzug zur Erholung und Freizeit außerhalb der Gilde-Aktivitäten im engeren Sinn genutzt werden. Der Familiennachmittag auf dem Marktplatz bot eine gute Möglichkeit, sich bei strahlendem Sonnenschein mit einem Eis abzukühlen. Die ganz jungen Gildefestbesucher vergnügten sich beim Bullenreiten oder Karussellfahren. Zum zweiten Mal lockte ein Handwerkermarkt nach einem gut besuchten Sonntagnachmittag auch gestern noch mit außergewöhnlichen handgefertigten Stücken. Ein Riemenschneider etwa zeigte, wie man einst aus einem etwa 2,50 Meter breiten Stück Kuhhaut Gürtel herstellte. Die Spanne der Angebote reichte wie in den vergangenen Jahren von A wie Aalräucherei bis Z wie Zuckerwatte.
Am heutigen Hauptfesttag trifft sich gegen 14.45 Uhr das gesamte Regiment auf der Herrlichkeit, um anschließend mit dem König des vergangenen Jahres zum Festplatz im Krandel zu marschieren. Nach dem Königsschießen gegen 18 Uhr kehrt die Menge um 20.15 Uhr zurück in die Innenstadt und präsentiert den neuen Gildekönig. Komplettiert werden die personellen Veränderungen durch die Vorstellung und Verpflichtung des neuen Schafferpaares vor dem Rathaus, bevor ein weiteres Mal im anliegenden Festzelt gefeiert wird.
Weitere Fotos vom Gildefest finden Sie auf www.weser-kurier.de/region








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