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Heinz Kommerau vergisst Schrecken der Flucht von 1945 nie / Findorff-Verein stellt Buch über Flüchtlinge vor Aus dem Osten nach Worpswede

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Worpswede. Der Krieg war verloren. Im Januar 1945 brach die Ostfront der Wehrmacht unter den Großangriffen der Roten Armee zusammen, Ostpreußen wurde eingeschlossen. Der Propaganda-Apparat des Naziregimes verkündete weiter Endsieg-Parolen, als Menschen in den Ostgebieten des Dritten Reichs den Geschützdonner der sowjetischen Armee hörten. Im Winter und Frühjahr 1945 flohen Millionen aus Ostpreußen, Pommern und Westpreußen in den Westen. Endlos wirkende Trecks quälten sich auf vereisten Straßen durch Schneestürme, Wagen an Wagen, bepackt bis obenhin, darauf Frauen, Kinder und alte Männer.

Der Flüchtlingsstrom bescherte Worpswede Scharen von Menschen, die sofort ein Dach über dem Kopf brauchten. Bis Ende Januar 1945 verdoppelte sich die Einwohnerzahl. Ein Buch, das der Findorff-Verein herausgegeben hat, schildert die Schrecken der Flucht und die Aufnahme der heimatlos gewordenen Menschen im Künstlerdorf.

Erlebnisse von 24 Autoren

"Flucht aus dem Osten nach Worpswede" heißt das mit alten Schwarz-Weiß-Aufnahmen bebilderte, 118 Seiten starke Büchlein. Am heutigen Freitag stellt der Verein das Buch im Worpsweder Rathaus vor, interessierte Bürger sind willkommen. Bürgermeister Stefan Schwenke gehört zu den 24 Autoren des Bandes. Er schreibt über die Flucht der Familie seiner Mutter aus dem pommerschen Köslin nach Worpswede. Ewald Dubbert hat ein Geleitwort geschrieben. Der ehemalige Worpsweder Pastor hatte die Idee, die Erinnerungen der Flüchtlinge zu sammeln und zu veröffentlichen.

Heinz Kommerau hat die Schrecken der Flucht hautnah miterlebt. Auch seine Familie zog mit Pferd und Wagen nach Westen, zum Glück reichte der Vorrat an Hafer für die Pferde. Bei eisiger Kälte bewegte sich der Treck in Westpreußen auf die Oder zu. Kommerau sah Menschen und Pferde, die mit ihrer Kraft am Ende waren. Fuhrwerke steckten im Graben, Menschen und Tiere erfroren bei Temperaturen von bis zu minus 30 Grad. Die Lebenden mussten weiter. Die Toten wurden in Schneewehen beerdigt. "Da hat man kleine Gruften gemacht und die Toten übereinander gelegt", erinnert sich Kommerau. "Ein bisschen Schnee drauf, und das war es dann."

Gespann versinkt in der Oder

Dann musste der Treck über die zugefrorene Oder. Niemand wusste, ob das Eis die zum Teil überladenen Wagen trug. Es trug nicht alle. Heinz Kommeraus sah, wie die Eisschicht brach und die Gespanne links von ihm ins Wasser sanken. Noch zwei oder drei Mal sah der damals neunjährige Junge Pferdeköpfe und Wagendeichseln. Dann waren die Gespanne verschwunden. Wieder so ein Bild, das er nie vergessen wird.

Als die Fremden aus den Ostgebieten des Deutschen Reichs in Worpswede landen, sind sie nicht willkommen. Hedwig Rohde nennt im Buch den Grund: "Worpswede ist überlastet, nirgends nimmt die Wohnraumbeschlagnahmung so harte Formen an wie gerade im Kreis Osterholz, und das Künstlerdorf wurde schon vom Dritten Reich her gern als Abladestation betrachtet." In Kellern, Behelfswohnungen und auf Dielen werden Flüchtlinge einquartiert, zwangsweise. Viele Einheimische reagierten mit Abwehr, die Flüchtlinge leiden darunter. "Sie empfinden sich als Ausgestoßene", schreibt Hedwig Rohde 1949. "Aber auch unter ihnen gibt es aktive Kräfte, die durch Arbeit ihre geschickten Hände, sei es als Holzschuhmacher, als Strickerin oder Lampenschirmzeichnerin, anfangen, sich ein neues, produktives Leben zu schaffen."

Die WESER-KURIER-Journalistin Erika Thies hat im Kreisarchiv Fakten gesammelt, alte Gemeinderatsprotokolle und die Jahresberichte des Landkreises studiert. Der Zustrom von Flüchtlingen und ausgebombten Bremern ließ die Einwohnerzahl in Worpswede von 2706 im Jahr 1939 auf 5591 im Juni 1945 wachsen. "Wie sollte man so viele Menschen zusätzlich satt bekommen, wo sie unterbringen?", fragt Thies. "Das waren fast unlösbare Probleme."

Dazu kamen die Spannungen zwischen Einheimischen und Flüchtlingen. Von einem Tag auf den anderen waren die Worpsweder gezwungen, mit den Fremden die Wohnung, das Zimmer, Küche und Bad zu teilen. Erst allmählich besserten sich die Verhältnisse. 1948 bemerkte die Kreisverwaltung in ihrem Jahresbericht, dass es im Kreis keine Familie mehr gebe, die gezwungen sei, mit einer anderen Familie in einem Raum zu leben.

Das Buch "Flucht aus dem Osten nach Worpswede" hat 118 Seiten und kostet zehn Euro. Zu bekommen ist es im Worpsweder Buchhandel und beim Findorff-Verein. Am heutigen Freitag, 27. April, stellt der Verein das Buch ab 16.30 Uhr im Worpsweder Rathaus der Öffentlichkeit vor.



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JohnnyBravo am 22.09.2014 15:59
Von 19 Kommentaren sind mittlerweile 5 gelöscht worden, weil da irgendein rassitischer Dreck drin stand. Wenn Sie eine Antwort gesucht haben was mich ...
DUALCHRISS am 22.09.2014 15:21
Ich gehe mal davon aus das sie nicht bei uns in der Straße wohnen ?

Darum verstehe ich nicht,wie sie hier so ein Geschwurbel zum ...
 
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