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Kommunalwahl 2011 im Landkreis Osterholz Die Wahlkampf-Strategien der Parteien

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Vier Wochen vorm Urnengang ist von Kampfstimmung um die Stimmen der Bürger wenig zu spüren. Es liegt kein Kurswechsel an, keine Bürgermeisterwahl mit polarisierenden Kandidaten beziehungsweise von Debatten aufgeheizten Sälen und Hinterstuben hinter Kneipen. So begnügen sich die Parteien mit Ausnahme der Linken dieses Mal mit eher harmonischen Slogans auf den Plakaten, die es richten sollen. Der "Souverän" hat dann die Wahl, jenes aufgeklärte Wesen, das vor seiner Unaufgeklärtheit kapituliert angesichts des unverständlichen Fachjargons, mit dem es in Sachen Börsen-, Wirtschafts- und USA-Krise vorm Fernseher zugedröhnt wird. Der Wähler versteht die Welt nicht mehr - was sollen ihm da lokale Plakatsprüche sagen?

"Gemeinsam für ein starkes Zuhause" lautet der, den die CDU im Ort demnächst an die Laternenpfähle hängt. Die Sozialdemokraten versuchen es mit: "Verlässlich für die Menschen", die Grünen versprechen: "Wir machen das klar". Das ein oder andere Plakat von ihnen hängt inzwischen. Auch die Linken sind, mit Bindedraht gerüstet, unterwegs: "Kommunalpolitik, die sticht", werben sie. Ein großer grüner Kaktus symbolisiert: Die Partei ist "spitz"-findig, wenn es darum geht, "die Sprechblasen der anderen zum Platzen zu bringen".

Beim Plakat der Bürgerfraktion muss man genauer hingucken; auf ihm wabern drei ineinander verschachtelte Ansagen: "Wir machen uns stark für Sie. Alles was Sie bewegt, bewegt auch uns. Deshalb auch ihre Stimme für uns." Und die FDP? Das Online-Portal führt zu Wahlplakaten aus dem vergangenen Jahr, und Schriftführer Heinrich Tiede weiß auch nichts Genaues bisher - außer: "Das Problem bei uns ist, dass wir Leute haben, die den ganzen Tag arbeiten." Tim Schardelmann, Vorsitzdender des Kreisverbandes, widerspricht - Herr Tiede sei nicht so genau im Bilde. Die Wahlplakate der Partei seien gedruckt. Der Slogan: "Gestalten statt verwalten."

Immerhin haben die Liberalen aus der arbeitenden Bevölkerung fünf neue Leute für die Kandidatenliste in den beiden Wahlbereichen rekrutiert. Die Partei erneuert sich an Haupt und Gliedern nach vielen Querelen in der jüngeren Vergangenheit und dem entnervten Handtuchwurf von Frontfrau Heidi Kupsch. Als Letzter der alten Riege tritt Axel Koock an, auf Listenplatz eins im Wahlbereich I. Die anderen heißen: Claudia und Udo Granz, Andris Moreike, Jürgen Hellpapp und Karl-Heinz Partenheimer.

Auch bei der SPD und der CDU gibt's jede Menge Neuaufstellungen. Der Jüngste bei den Genossen ist mit 20 Jahren Marc Frische; die Christdemokraten schicken als Jüngsten den 19-jährigen Jan Hoffmann ins Rennen. Die Suche nach neuen Kandidaten sei schwieriger als früher, bestätigt Brunhilde Rühl. "Die allgemeine Politikverdrossenheit" sei nicht wegzudiskutieren. Der Stadtverband der Christdemokraten habe in jüngerer Vergangenheit Mitglieder verloren, räumt sie ein. 160 seien es jetzt. "Wir arbeiten daran, wieder interessant zu sein", weist Rühl auf "erfolgreiche Schnupperkurse" im vergangenen Jahr hin. "Danach sind einige Teilnehmer bei uns geblieben, von denen wir uns viel versprechen."

Zu denen, die das erste Mal antreten, zählt Marie Jordan, die 2010 im Zuge der "Putsch-Legende" gegen das frühere Vorstandsmitglied Marcus Oberstedt das erste Mal in die Schlagzeilen geriet. Er steht wieder auf der Liste - gemeinsam mit Michael Rolf-Pissarczyk, Martina Ehlers, Stefan Haake (neu), Horst Rosenberg, Heinz Praß (neu) und Hans-Hermann Tietjen (alle Wahlbereich I) sowie Heinz Bolko Schottke, Brunhilde Rühl, Jan Hoffmann (neu), Natascha Blumensaat (neu), Jan-Hendrik Wolters (neu), Georg A. Maas, Dörte Bernsdorf, Bettina Rolf-Pissarczyk, und Marco Huse (neu; alle Wahlbereich II).

500 Plakate hat der Stadtverband hergestellt. "Die wollen es aber wissen", honoriert das Marianne Grigat seitens der Sozialdemokraten trocken. Ihre Partei beschränke sich auf 80 Plakatständer. "Man soll die Leute nicht mit Sprüchen überfrachten, sondern mit Inhalten." Es gibt Tage, da muss man sich entscheiden.

Bis es soweit ist, laden die Genossen zu "Nachbarschaftstreffs". Dort gibt's Bier und Wurst vom Grill - und niemand denkt an Bertolt Brecht. Dann gab's neulich den "Bürgerbrunch": Es seien mehr als 100 Besucher am Büfett im Park der Mühlenanlage versammelt gewesen, schwärmt Marianne Grigat. Die Musikgruppe Tripel Band habe auch "Hey Jude" von den Beatles gespielt. "Wir haben jetzt eine gute Mischung von Kandidaten, die Osterholz-Scharmbeck voranbringen können." Zu ihnen zählen im Wahlbereich I: Klaus Sass, Linda Schnibben, Sabine Marquardt, Jens Tietjen (neu), Andreas Motscha, Holger Heier, Peter Hoheisel, Niels Meyring (neu), Martina de Wolff (neu), Sarah Hoppe (neu), Jörg Kockert (neu), Matthias Penke (neu), Uwe Steenken und Jan Wellbrock (neu). Im Wahlbereich II treten an: Tim Jesgarzewski, Marianne Grigat, Anne Deutsch, Peter Schnaars, Heike Bredenberg (neu), Natalie Dau, Sehmus Özalp (neu), Hartmut Hesse, Jutta Finken (neu), Enrico Mischnik (neu), Jörg Monsees, Tanja Thäte (neu),

Sebastian Heitmann (neu), Marc Frische (neu), Olaf Kahl (neu), Dr. Gerd Schwieger (neu) und André Henke (neu).

Eine lange Liste - die Grünen stellen sich dagegen bescheidener auf, um alles klarzumachen. Neu dabei als Kandidaten im Wahlbereich I neben Frontmann Rainer Hehenberger: Brigitte Neuner-Krämer, Sven Daniel. und Ina Harjes-Gayk. Im Wahlbereich II treten an: Heinz-Werner Rake, Jörg Basler (neu), Oliver Graf (neu) und Heide Schröder.

Die Linken, bisher mit Herbert Behrens sowie nach dem Tod von Peter Flieshardt mit Helga Diefenbruch-Blidon im Stadtrat vertreten, haben acht Kandidaten aufgestellt: Es treten neu an: Christian Erich Brauns (Wahlkreis I) sowie Sonja Lies, Lutz Schomborg, Aram Aslan, Thomas Krüger und Jürgen Piwowarczyk (Wahlkreis II).

"Wir sind wirklich unabhängig und der 'Betriebsrat' der Bürger", sagt Wilfried Pallasch, Altvorderer der Bürgerfraktion. Selbstverständlich tritt er wieder an; bis zur nächsten Bürgermeisterwahl muss sich der Fraktionschef drei Jahre länger gedulden. Mit und hinter ihm im Wahlbereich I gelistet: Thomas Kükelhahn, Fank Fischer, Frank E.W. Fromme, Björn Fischer und Reinhard Kahrs. Pallasch, der alte Fuchs, sorgt vor allem im Wahlbereich II für Staunen: Auf Platz 1 der Liste steht Hans-Hermann Hattendorf. Der Zweimetermann war früher Ordnungsamtsleiter bei der Stadt; an seiner preußisch geprägten Gradlinigkeit schieden sich die Geister im Ort. Als Martin Wagener Bürgermeister wurde, war Schluss im Rathaus, und Hattendorf versuchte es bei der Schillpartei. Nun also die Bürgerfraktion. Hinter ihm gelistet Wilhelm Graf, Christiane Nitsch, Dieter John und Heike Borrmann.



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