Ritterhude. Gärten gehören von jeher zu den kulturellen Einrichtungen des Menschen. Im Garten ordnet er die Natur nach seinen Vorstellungen, er pflanzt Bäume und Sträucher nach seiner Wahl und gestaltet den Raum nach seinen Maßstäben. So haben Gartenbesitzer auch schon früh die geordnete Natur durch Kunstwerke angereichert und damit menschliche Erfindung fantasievoll zu natürlichem Wachstum in Beziehung gesetzt.
Diesem Gestaltungsprinzip folgt die Familie Kopiske, wenn sie "Skulpturelles" in ihrem Garten an der Parkstraße ausstellt. Nun schon zum vierten Mal lud die Familie in ihren garten in Platjenwerbe ein. Vier Künstler zeigten dabei ihre sehr unterschiedlichen Arbeiten.
Im Garten waren Party-Zelte aufgebaut, in denen die Arbeiten ausgestellt waren. Der Bildhauer Janis Kopiske hat den Werkstoff Holz mit Feuer bearbeitet und darin neue Gestaltungsmöglichkeiten entdeckt. Denn das Holz erhält durch den Feuerfraß eine veränderte strukturelle Form. Die nutzt er, wenn er in einen zur Unförmigkeit zerfließenden schwarzen Unterleib aus verbranntem Eichenholz einen menschlichen Oberkörper aus auffällig gemaserten Weißdorn eingefügt.
Einen ähnlichen Kontrast schaffte der Bildhauer durch eine in warmen Holztönen schimmernde Kugel, die in einer durch Feuer geschwärzten Schale lagert. Janis Kopiske nimmt dem Holz jede Schwere, wenn er es zu einer Spirale formt oder zu "verspielter Leichtigkeit" verarbeitet. Indem er den Wachstumsstrukturen folgt, verdünnt er das Holz zu Blättern, die sich winden und krümmen und zu schweben scheinen.
Ganz anders arbeitet Elisabeth Schuller-Köster. Sie bedient sich auf einem Schrottplatz im heimischen Oldenburg mit metallischen Formen und Teilen. Von ihnen lässt sie sich zur Gestaltung anregen. Mit dem Schweißgerät schafft sie aus dem gesammelten Schrott sehenswerte Kreationen. Da hat sie eine großformatige Linsenform aus überwiegend runden, glänzenden Metallplättchen zusammengefügt. In einer Schale, die durch ein raffiniertes Gitter überdeckt wird, bewegt sich eine chromglänzende Kugel, in der sich die Außenwelt verhalten spiegelt. Ironie schwingt im Titel "Traum". Eine Kleinplastik zeigt ein blank poliertes Boot, das hoch auf der Kante einer rostigen Wand steht. Eine angelehnte Leiter reicht aber nicht an das "Objekt der Begierde" heran.
In der lichtdurchfluteten Veranda des Hauses zeigte Katherina Kreklau ihre "Sinnbilder", mit Acryl und Tempera auf Leinwand gemalte kleine Situationen, in denen die in Wittenberg lebende Künstlerin dem Betrachter die Möglichkeit eröffnet, die Welt verändert zu sehen und neue Sichtweisen zu entdecken. Ihre bildnerischen Arbeiten setzt die begabte Illustratorin in Beziehung zu "verbalen Äußerungen": "Lyrik trifft Linie".
Und dann war da noch der Berliner Künstler Hauke Splettstösser, der sich durch die verschiedensten Materialien zur Gestaltung anregen lässt. So hat er aus Draht einen Apfel geflochten; den von innen verpilzten Ast eines Kirschbaumes hat er zu einem Torso geformt; und ein weiches Tropenholz brachte ihn auf die Idee, eine interessante Bauplastik zu kopieren, alles "Fundstücke der letzten Wochen".
Kunst erfüllte in diesen Ausstellungstagen den ganzen Garten. Überall zwischen Sträuchern und Bäumen lugten kleine Holzfiguren hervor: ein ernsthafter Wicht, ein gipfelstürmender Steinbock, eine träge Schnecke oder abstrakte Formen von spannungsreicher Harmonie. Mit der heraufziehenden Dämmerung trommelten zwei Perkussionisten - das "Ashé Fola-Ensemble" - auf afrikanischen Rhythmus-Instrumenten. Die zahlreichen Besucher wurden Teil dieses Garten-Events.







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