VON ILSE OKKEN
Ritterhude. Die traditionelle Aktion "Eine Woche im Mai – autofrei" ist in Ritterhude gestartet, bei der Elterntaxis in einer Bannmeile rund um die Grundschule unerwünscht sind. "Für die Kinder ist die Gefahr direkt vor der Schule am höchsten. Das Chaos durch die an- und abfahrenden Autos ist lebensgefährlich. Ich fände es gut, wenn die Jahnstraße zu Schulbeginn und vor Schulschluss gesperrt wäre", meint Bettina Müller-Thielbar. Sie lässt ihre Tochter Finja und Freundin Nele an der Wagnerstraße aus dem Auto steigen. "Die fünf Minuten sollte man schon übrig haben für die Sicherheit seiner Kinder", findet sie.
Die beiden Mädchen schauen nach links und rechts, bevor sie die Straße überqueren und machen sich auf den Weg in die Turnhalle. Dort findet eine kleine Feierstunde zur Eröffnung der Aktion Schulexpress statt. Alle Schüler sind hier versammelt und lassen sich von Schulleiterin Heidrun Ehrhardt-Froese das Projekt erklären. Eltern, Lehrer, die Gemeinde Ritterhude und die Polizei sowie die Arbeitsgruppe Prävention haben gemeinsam ein dichtes Netz von zwölf Haltestellen rund um die Schule entworfen. An diesen Punkten sollen sich die Kinder treffen, um von dort aus gemeinsam als "Ameisenzug" zu Fuß zur Schule zu gehen. Die Treffpunkte sind mit blau-weißen Schildern gekennzeichnet.
In einem Flyer sind alle Haltepunkte verzeichnet und der Weg von dort zur Schule ist ausführlich beschrieben. Eltern, die weiter weg wohnen, sind aufgefordert, ihre Kinder zu den Schulexpress-Haltestellen in ihrer Nähe zu bringen. Von dort können sie sich dann gemeinsam mit ihren Mitschülern auf den Schulweg machen. "So tanken die Kinder vor und nach der Schule Sauerstoff und bewegen sich. Außerdem werden unnötige Fahrkilometer vermieden und der Autoverkehr wird von der Schule fern gehalten", betont die Schulleiterin. Sie dankt den Sponsoren (Förderkreis der Grundschule Ritterhude, HKK, Zweirad Kliem, Kreissparkasse und Stadtwerke Osterholz) für ihre Unterstützung. Mit einem Lied begrüßen die Kinder anschließend den Start des Schulexpresses.
Eine Klasse des dritten Jahrgangs macht sich begleitet von den Sponsoren mit der Lehrerin Sonja Schulz gleich auf zur Haltestelle Obermühle/Bunkenburgsweg. Gemeinsam begutachten sie die mit Luftballons geschmückte Laterne, an der ab jetzt das blaue Schulexpress-Schild in weißer und schwarzer Schrift verkündet: "Ameisenzug – stehen, sehen und miteinander gehen". In dieser Woche gibt es für jeden zu Fuß oder per Rad zurückgelegten Schulweg einen Stempel. Die Klasse mit den meisten Punkten soll prämiert werden. Das ist Ansporn für die Kids, sind die Verantwortlichen einig.
Im Lichthof der Schule ist für die Jüngsten ein Rollerparcours aufgebaut. Der Film mit dem Titel "Willy will es wissen" gibt Tipps zur Verkehrssicherheit. Was ein toter Winkel ist, und welche Gefahren er birgt, lernen die Kinder in der Verkehrserziehung bei Polizist Axel Prigge. Die Schüler dürfen auch in den Fahrschul-Lastwagen von Holger Bleke klettern und hautnah erleben, was der Brummi-Fahrer aus dem Führerhaus sieht, wenn er in den Spiegel schaut. "Leon, Alex, Joshua – ich sehe euch alle", ruft Abdul beim Blick in den Spiegel des 26-Tonners.
"Es ist nicht cool, sich zu verstecken. Sucht immer den Blickkontakt mit dem Fahrer und tragt in der dunklen Jahreszeit helle Farben", rät Polizist Prigge. "Steht nicht vorn am Kantstein, wenn ein Lkw abbiegen möchte, sondern weicht etwas zurück. Wichtig ist, dass ihr gesehen werdet. Denkt mit, denn mit dem Fehlverhalten von anderen Verkehrsteilnehmern müsst ihr rechnen", schärft der Polizeibeamte den Kindern ein.
Auf dem Schulhof sind auch Dieter Grohs und Matthias Schulze von der Verkehrswacht zu Gast. Sie beraten Kinder, die ein Verkehrssicherheitstraining mit dem Fahrrad absolvieren wollen. "Viele Fahrräder sind in der Größe nicht optimal für Kinder. Der Sattel muss so eingerichtet sein, dass der Fuß im Sitzen bis auf den Boden reicht." Grohs und Schulze haben einen Appell an die Erziehungsberechtigten parat: "Eltern sollten beim Helmtragen mit gutem Beispiel vorangehen", sagen die beiden Experten, während sie Leuchten und Strahler am Rad überprüfen.








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