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„Offene Ateliers“ in Worpswede Kunst und Künstler zum Anfassen

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Mithilfe von Schablonen entstehen Puzzleteile.
Mithilfe von Schablonen entstehen Puzzleteile.

Worpswede. Die Liste der rund 100 Teilnehmer ist genauso bunt gemischt und abwechslungsreich wie das, was es seit acht Jahren in den "Offenen Ateliers" zu sehen gibt: Vom Hobbymaler bis zu etablierten und renommierten Künstlern, die weit über Worpswede hinaus bekannt sind, reicht das Spektrum derer, die ihre Werkstatttüren drei Tage lang unverschlossen lassen. Die kleinen roten Hinweisschilder an nahezu jeder Straßenecke im Künstlerdorf beweisen, dass Worpswede diese Bezeichnung eben nicht nur wegen seiner Vergangenheit zu recht trägt. Mehr als 70 Ateliers konnten am vergangenen Wochenende wieder besucht werden, so viele wie noch nie.

So unterschiedlich die Räume, so weit auch die Möglichkeiten dessen, was in ihnen entsteht. In kleinen Arbeitszimmern inmitten der Privatwohnung bis hin zu großen Ateliers und Galerien können die zahlreichen Besucher sehen, wo und wie Malerei, Bildhauerei, Fotografie, Grafik, Design, Radierung, Lithografie, Glas, Intarsien, Schmuck oder Bronzegüsse entstehen. Die Hausherren und -damen sind anwesend, erklären ihre Techniken oder lassen ihre Gäste hier und da auch mal selbst Hand anlegen.

So war eigenhändig nachzuvollziehen, wie viel harte Arbeit mitunter hinter mancher Kunst steckt. 27 Umdrehungen braucht beispielsweise die große Walze in der Künstlerpresse an der Hembergstraße für eine Lithographie, berichtet Karin König und lässt ausnahmsweise mal "fremdkurbeln". Wer meint, bei kleineren Motiven mit weniger Umdrehungen auszukommen, der wird später bestraft – wenn ihm bei Abnehmen der verschiedenen Lagen von Decken, Papier und Druckplatte einiges durcheinander gerät, weil es noch unter der Rolle festklemmt.

Keine Erfolgsgarantie

Aber auch bis dahin ist Lithografie kein Zuckerschlecken, das lässt schon der kräftige Geruch von Terpentin und Farbe, die eher aussieht wie Teer, in der Druckerei vermuten. Mit speziellen Techniken wird die Druckplatte – kein Stein mehr, wie ursprünglich einmal – bearbeitet. Und bei aller Erfahrung gibt es doch keine Garantie, ob das spätere Ergebnis die Erwartungen erfüllt. Wie der Brennmeister, der bei einem feinen Destillat den Vor- und Nachlauf aussondert, weißt auch die Lithografin, wann sie das einfache Zeitungspapier gegen teure Büttenblätter austauschen kann. Die ersten Drucke sind noch schwach, feine Konturen nicht ausgebildet. Irgendwann, nach einer Reihe von perfekten Reproduktionen, nutzt sich das Negativ ab, dunkle Flächen laufen zu. Technik und Chemie bestimmen die meist kleine Auflage.

Viel Technik – oder besser Handwerk – ist auch bei Hans Georg Müller gefragt. Der 88-Jährige zeigt in seiner Werkstatt am Haus im Schluh Intarsienarbeiten. Müllers Werk ist wie seine Familie eng mit der Worpsweder Kunstgeschichte verknüpft. Er ist ein Enkel Heinrich Vogelers und hat dessen Ideen in Teilen seiner eigenen Kunst wieder aufgegriffen. Als Tischlermeister hat er nicht nur Vogeler-Möbel restauriert oder nachgebaut, er hat für seine teilweise bis zu zehn Meter großen Intarsien-Bilder auch Kompositionstechniken des Großvaters weitergeführt. In seiner Werkstatt hängt ein Komplexbild mit Szenen aus James Joyces "Ulysses", komplett aus verschiedenen Holzfurnieren zusammengesetzt.

Farben aus der Natur

Eingefärbt ist keines der Materialien, sämtliche Schattierungen von schwarzer Mooreiche über rötliche Buche bis hin zu hellen Nadelhölzern liefert die Natur. Daraus aber ein bis ins kleinste Detail ausgestaltetes, absolut planes Bild herzustellen, verlangt ein Können, von dem man nicht zu sagen vermag, ob es eher Kunst oder Handwerk ist. An Beispielstücken zeigt Müller, wie aus Entwürfen Schablonen entstehen, und wie die dann teilweise winzigen Holzstücke geschnitten und eingepasst werden.

In der Goldschmiede von Michael Hermsdorf treffen verschiedene Künstler und Ausdrucksformen zusammen. Wie manch andere Teilnehmer auch hat der Schmuckdesigner und -hersteller weitere Aussteller zu sich eingeladen. Der Fotograf Fritz Dressler sowie der Maler und Bildhauer Uwe Häßler stellen ebenfalls bei ihm aus und sind vor Ort. Die Werke stehen nicht einfach nebeneinander, sie nehmen vielmehr gegenseitig Bezug aufeinander.

So hat Dressler beispielsweise ein Goldcollier von Hermsdorf zum zentralen Motiv auf einer großformatige Fotografie gemacht. Die archaischen, von alter ägyptischer und Inka-Kunst inspirierten Formen der Schmuckstücke und ihre ungewöhnliche Oberflächenstruktur finden ihre Fortsetzung in den Skulpturen Häßlers, um die sie gruppiert sind. Dass der Hausherr außerdem selbst gebackene Erdbeertorte serviert, macht den Kunstgenuss noch ein bisschen genussvoller und vielseitiger.



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Leserkommentare
admiral41 am 19.05.2013 16:58
Diese Meldungen über Wohnungsnot in den Städten kommt in regelmäßigen Abständen. So verkündete mal der Wohnungsbauminister der Regierung Kohl, dass ...
querdenkerschraegschreiber am 19.05.2013 15:21
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