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Eine Ausstellung in vier Häusern (I): Haus im Schluh zeigt Vogelers Frühwerk Märchen, Liebe und Frühling

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Worpswede. Als sich im ausgehenden 19. Jahrhundert in allen europäischen Kunstzentren in der Abkehr von historischen Vorbildern auf der Suche nach einer neuen Formensprache der Jugendstil entwickelt, wird dieser neue Stil auch von Heinrich Vogeler aufgegriffen, der sich somit stark von seinen Worpsweder Malerkollegen abgrenzt, die sich vorrangig der Landschaftsmalerei widmen. Die auch in dieser Zeit gegründete Zeitschrift "Jugend", die dieser Stilrichtung seinen Namen gibt, verbindet damit nicht nur Themen wie Liebe, Frühling Schönheit, Musik und Poesie, sondern zieht gerade mit der Gebrauchskunst alle Lebensbereiche mit ein. Wie eingefangen Heinrich Vogeler von dieser Stilrichtung und dem Empfinden dieser Epoche ist, zeigt das Haus im Schluh unter dem Titel "Märchen und Minne - Aufbruch als Künstler".

Muse, Modell und Ehefrau

Schon bei einem seiner ersten Besuche in Worpswede begegnet der Künstler seiner für die Frühzeit so bedeutendsten Person: Martha Schröder. Sie ist ein Mädchen aus dem Dorf, zu dem sich der Künstler schon bei der ersten Begegnung hingezogen fühlte. Die Bedeutung die Martha nicht nur als 14-Jährige sondern auch als Muse und Modell und später als Ehefrau für Heinrich Vogeler hat, wird zum Leitfaden der Ausstellung. Folgerichtig wird das großformatige Werk "Frühling" in den Mittelpunkt der Schau gestellt. Es zeigt die junge Martha Schröder umgeben von einem lichten Birkenwald vor einem kleinen Moortümpel. Ihr im Profil dargestelltes Gesicht ist einem kleinen Vogel, der auf einem der dünnen Äste sitzt, zugewandt. Sie trägt ein weit fallendes blaues Kleid und scheint versunken in den Gesang des Rotkehlchens. Das Kleid, der singende Vogel und auch die Blüte in ihrer Hand versinnbildlichen ganz im Gestus des Jugendstils Neubeginn und Frühling.

Für Berit Müller und Daniela Platz, Urenkelinnen des Künstlers und Leiterinnen des Museums Haus im Schluh, ist das Gemälde nicht neu. Lange Zeit war es im Familienbesitz und hing im Pensionshaus, das derzeit restauriert wird. Im Frühstücksraum der Pension war es zwischen antiken Möbeln eher im privaten Umfeld zu besichtigen. "Jetzt ist es zum ersten Mal im musealen Zusammenhang zu sehen", meint Daniela Platz zufrieden. Mit der Beleuchtung und der großzügigen Hängung kommt das großformatige Werk unter einem ganz neuen Blickwinkel zur Geltung. Zusätzlich haben die Ausstellungsmacher jedes Hauptwerk in den unterschiedlichen Häusern vor einem farbigen Hintergrund präsentiert, der die Farben des Bildes aufnimmt. Hier sind es Grau-Grüntöne, die die Farben der Landschaft widerspiegeln. Für Daniela Platz ist es das Herzstück der Sammlung. "In dem Rotkehlchen sieht Heinrich Vogeler sich selbst", interpretiert Daniela Platz das bekannte Werk, das vier Jahre vor der Hochzeit entstanden ist.

Doch nicht nur in dieser Darstellung manifestiert sich die emotionale Ebene Vogelers. In der Radierung "Schlangenbraut" stellt sich der Künstler selbst als Ritter dar, der die junge Martha mit einem zahmen Vogel in der Hand erblickt. Wie sehr sich Vogeler in die idealisierte Welt der Märchen zurückzieht, wird in dieser Ausstellung deutlich.

Neben Buchillustrationen, Radierungen und in den Gemälden wählt der Künstler immer wieder Martha als Muse und Modell für seine Bildschöpfungen. Bewusst scheinen die Ausstellungsmacher die mittelalterliche Bezeichnung Minne stellvertretend für Liebe in den Titel integriert zu haben, denn Rückbezüge und Anklänge auf vergangene Epochen finden sich in den Exponaten immer wieder.

Der Bremer Kaufmannssohn avancierte vor der Jahrhundertwende schnell zum Liebling des Bürgertums. Er illustriert Gedichte, Balladen und Romane, die nicht nur eine Ergänzung des Textes, sondern vielmehr als Stimmungsbilder zu verstehen sind. Ritter, Hexen – darunter auch einige Gemälde aus Privatbesitz, die bislang sehr selten gezeigt worden sind – bereichern die Schau.

Ein Wandteppich mit der Darstellung des Dornröschenmärchens, der auf der Weltausstellung in Paris 1900 gezeigt wurde, lenkt den Blick auf die kunsthandwerkliche Seite Vogelers. Ergänzt wir die Ausstellung um ein Schlafzimmer in dem das Rosenmotiv wieder aufgenommen wird. "Früher war das Schlafzimmer im Pensionshaus und dort wird es nach der Ausstellung auch wieder hinkommen", erzählt Berit Müller.



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Leserkommentare
johnnyberlin am 21.05.2013 22:14

@bella 1965 Schaaf wurde nicht rausgeworfen, sondern hat sich selbst erledigt. Daran hat er sage und schreibe 3 Jahre mitgearbeitet. Der einzig ...

pico1966 am 21.05.2013 22:01

Mielitz Gewinner? An was für einer Wahrnehmungstäuschung leidet der Verfasser? Vielleicht hat er aber auch einfach keine Ahnung, das wäre dann ja ...

 
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