
Worpswede. Die Farbe blättert vom Rumpf des Schiffes, das Holz ist marode, einige Bretter sind locker und liegen auf dem Bug. Viele Winter wird das Boot ohne Wetterschutz und fachgerechte Instandhaltung nicht mehr erleben. Vor knapp zwei Jahren hat die Gemeinde das Schiff als Schenkung erhalten. Zum Erhalt und zur Pflege des Dichterboots wollte sie sich in Zeiten klammer Kassen allerdings nicht verpflichten. Jetzt hat sich Narziss Göbbel, zweiter Vorsitzender der Freunde Worpswede, der Sache angenommen. Er will sich um eine fachgerechte Sanierung und die Finanzierung bemühen und hat einen Vorschlag für die künftige Nutzung des Bootes im Kopf.
"Eine Sanierung macht erst Sinn, wenn das Boot mit einer kulturellen Nutzung verbunden ist", meint Göbbel. Er möchte im Sinne einer Bauhütte einen kulturellen Lernort in der Mitte des Ortes schaffen. Im Mittelalter gab es Bauhütten, in denen unterschiedliche Handwerker für den Bau einer Kirche eingesetzt wurden, es war eine Art Werkstattverband. In der heutigen Zeit erfahren gerade die Jugendbauhütten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bei der jungen Generation positive Resonanz. Jugendliche erhalten hier Einblicke in historische Handwerkstechniken. Ferner werden Kenntnisse über Architekturgeschichte ausgeweitet und Arbeitsgebiete der Denkmalpflege erfahrbar.
Kulturprojekt geplant
Das Boot, das hinter der Tourist-Information auf einer Wiese an der Lindenallee liegt, biete einen optimalen Standort für so ein kulturelles Projekt, sagt Göbbel. Insbesondere Kinder und Jugendliche könnten an dieser zentralen Stelle an grundlegende Handwerkstechniken herangeführt werden. Verschiedene Gewerke könnten dies anschaulich verdeutlichen.
Mit seiner Idee ist Göbbel an das Deutsche Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven herangetreten, das auch über eine Restaurierungswerkstatt verfügt. "Gerade für Auszubildende ist das interessant. Sie können uns mit Fachwissen und Arbeit unterstützen", erklärt Göbbel, der selbst ein Faible für die Seefahrt hat. Mit Hilfe von im Ort vorhandener Restaurierungskompetenz werde eine Betreuung und Nutzung des kulturellen Erbes vor allem in symbolischer Form erlernbar, ist sich der ehemalige Bremer Kulturreferent sicher. Die Kosten beschränkten sich auf das Material.
In der Beschaffung der nötigen Finanzmittel durch Stiftungen und Förderer darin sieht Göbbel bei einem gut durchdachten Projekt kein Problem. Darüber hinaus sollten seiner Meinung nach öffentliche Lesungen, wie sie einst Johannes Schenk vom Bug des Schiffes aus hielt, wieder stattfinden. Auch Kooperationen mit Schulen im Sinne einer Literatur- und Leseförderung schweben ihm vor. Es gebe viele Anknüpfungspunkte, um die Erinnerung an den "einzigen Literaten des Meeres" wie Göbbel den Dichter nennt, lebendig zu halten.
Doch zunächst muss der Zustand des Bootes verbessert werden. "Man kann ja nicht warten, bis es zusammen fällt", meint Göbbel und hat neben den Sanierungsarbeiten schon eine neue Lösung parat. "Es bedarf einer baulich erkennbaren und wirkungsvollen Unterschutzstellung gegen Regen und Wind", erklärt er Göbbel denkt an ein Segeldach in dreieckiger Form mit einer verglasten Vorderfront als Wetterschutz, das über das Boot gespannt werden könnte. So stellte er das Projekt in Abstimmung mit den Freunden Worpswedes in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für touristische Entwicklung, Kunst und Kultur vor. Man brauche positive Unterstützung durch die Gemeinde, betont Narziss Göbbel. Auch wenn die Überdachung nicht alle Ratsmitglieder überzeugt und die endgültige Entscheidung, das Boot als Lernort im Zentrum des Dorfes zu belassen, noch nicht gefallen ist, begrüßt der Kulturausschuss das Engagement des Worpsweders.
Zudem betont Göbbel, dass auf die Gemeinde keine Kostenbeteiligung zukomme: "Ich kenne die Gemeindefinanzen, die muss man nicht überstrapazieren". Vielmehr ist er überzeugt, private Mitstreiter und Stiftungen zu finden, die sich an der Förderung der "Kulturbaustelle", wie Göbbel das Projekt nennt, beteiligen.








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